Sirnach
«Gute Ideen kosten Geld»: Das war das 2.Hinterthurgauer Velo-Forum

Im Sirnacher «Engel»-Saal veranstaltete die Bezirkspartei der Grünen das zweite Hinterthurgauer Velo-Forum.

Manuela Olgiati
Drucken
Die Referenten am Velo-Forum in Sirnach: Christian Stricker, Anton Scheuchzer, Andreas Stambach und Andreas Schmidt, Organisator und Bezirkspräsident der Hinterthurgauer Grüne.

Die Referenten am Velo-Forum in Sirnach: Christian Stricker, Anton Scheuchzer, Andreas Stambach und Andreas Schmidt, Organisator und Bezirkspräsident der Hinterthurgauer Grüne.

Bild: Manuela Olgiati

Das Velo-Forum der Grüne Bezirk Münchwilen will sensibilisieren. Andreas Schmidt, Bezirkspräsident Grüne und Organisator der Veranstaltung, hält vor den lediglich 17 Gästen Rückschau auf das erste Velo-Forum im September 2021.

Für die Verantwortlichen ist klar, dass gute Velowege in ländlichen Regionen fehlen. Die Referenten am Hinterthurgauer Velo-Forum im Restaurant Engel in Sirnach verweisen auf Gefahrenquellen. Auch Schulwegsicherheit ist Thema. Vertreter der Grünen Bezirk Münchwilen, der kantonalen Fachstelle Langsamverkehr sowie der Parlamentarischen Gruppe Velo schildern Erkenntnisse. Dem Langsamverkehr komme zu wenig Bedeutung zu, sagen die Teilnehmer am Forum. Es brauche Vernetzung für bessere Lösungen.

IG Velo Hinterthurgau noch kein Thema

EVP-Kantonsrat Christian Stricker von der IG Velo Amriswil, Parlamentarische Gruppe Velo des Grossen Rates Thurgau, macht eine bessere Vernetzung an Beispielen deutlich und verbindet diese mit kleinen «Stories». Eine Idee müsse erst reifen wie Trauben, diese Frucht reicht er den Besuchern. Zündende Ideen brauchen heisse Kohle und symbolisch für neue Projekte stehe das Portemonnaie, denn es brauche Ressourcen und finanzielle Mittel. Wie Stricker erwähnt, sei die Gründung einer IG Velo Hinterthurgau angedacht. Andreas Schmidt erwidert:

«Soweit sind wir noch nicht.»

Vernetzung brauche Fachkompetenz und ein Mitwirken von Interessen und Gruppierungen. Das Stichwort Fachkompetenz nimmt Eddie Kessler von Pro Velo Thurgau in der anschliessenden Diskussion für mehr Zusammenarbeit als eine komplexen Aufbauphase auf. Das Veloweggesetz tritt am 1. Januar 2023 in Kraft.

Lokale Politprominenz am 2. Hinterthurgauer Velo-Forum: Vorne Hanspeter Wehrle, Münchwiler FDP-Urgestein und alt Kantonsrat, mit Sirnachs Gemeindepräsident Kurt Baumann (SVP). Hinten im weissen Hemd der Aadorfer Vizegemeindepräsident und aktuell Gemeindepräsidiumskandidat in Sirnach, Stefan Mühlemann (SVP).

Lokale Politprominenz am 2. Hinterthurgauer Velo-Forum: Vorne Hanspeter Wehrle, Münchwiler FDP-Urgestein und alt Kantonsrat, mit Sirnachs Gemeindepräsident Kurt Baumann (SVP). Hinten im weissen Hemd der Aadorfer Vizegemeindepräsident und aktuell Gemeindepräsidiumskandidat in Sirnach, Stefan Mühlemann (SVP).

Bild: Manuela Olgiati

Schmidt bemerkt, dass Engagement bei Behörden nicht mehr Türen einrennen bedeute. Aktiv werden, heisst das Schlüsselwort. Schmidt sagt: «Es braucht Lösungen.» Diese setzen Diskussionen voraus, und dass jede Gemeinde überkommunal denken. Am Beispiel in der Region erwähnt Schmidt Zahlen. Teile des Hinterthurgaus wie Sirnach, Münchwilen und Eschlikon zählen zum urbanen Raum. Hier sei das Velo geeignet. Doch Grund zur Sorge seien 236 Gefahrenstellen auf 47 Strecken. Hier seien Private, Gemeinden und Kanton genauso gefordert wie Nachbargemeinden. 26 Anfragen gingen beim Kanton ein. 23 Projekte seien durch das Agglomerationsprogramm angegangen worden. Ein Defizit an unübersichtlichen Knoten zeichnet Schmidt etwa im Gebiet Hofen, Lindenstrasse auf. Der Sirnacher Gemeindepräsident Kurt Baumann sagt:

«Für Velofahrer mag das gehen, doch für Fussgänger ist das eine schlechte Lösung.»

Ein Besucher zieht Vergleiche mit anderen Ländern. Das Beispiel der velofreundlichen Niederlande zeige einen höheren Stellenwert als in der Schweiz. Aus der Praxis berichtet Sekundarlehrer Andreas Stambach, der sich an der Aktion «bike to work» von Pro Velo Schweiz zur Gesundheitsförderung in Unternehmen beteiligte. Er pedalte von seinem Wohnort Sirnach an den Arbeitsort Littenheid. Stambach betont in seinem Referat, dass seine Ergebnisse wegen Teilzeitarbeit nicht repräsentativ seien. Er stehe jedoch ein für nachhaltiges Mobilitätsverhalten. Stambach sagt:

«Für alle Fahrten benutze ich ausschliesslich das Velo.»

Im Kanton Thurgau ist die Fachstelle Langsamverkehr Ansprechpartnerin für jegliche Art der muskelbetriebenen Fortbewegung. «Abgesehen von Massnahmen entlang der Kantonsstrassen sind es die Städte und Gemeinden, die das Potenzial des Langsamverkehrs vor Ort ausschöpfen können», sagt der zuständige Fachmann Anton Scheuchzer.

Das Langsamverkehrskonzept enthalte lediglich Empfehlungen für Behörden. Die Städte und Gemeinden werden eingeladen, ihr Gebiet zu analysieren und Schwachstellen zu beheben. Im Gespräch mit Gemeinden gibt Scheuchzer in der Koordination Impulse. In diesem Zusammenhang erwähnt er Optimierungsbedarf bei Wohnüberbauungen.