Appenzell Innerrhoden
Reduzierte Weihnachtsbeleuchtung und weniger Strassenbeleuchtung: Feuerschaugemeinde AI ergreift Massnahmen gegen Strommangellage

Für den kommenden Winter steigt das Risiko für den Eintritt einer Strommangellage in der Schweiz und im Umland. Die Feuerschaugemeinde informiert über die wichtigsten Massnahmen des Bundes und der Energie- und Wasserversorgung Appenzell.

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Die Weihnachtsbeleuchtung in Appenzell wird in diesem Jahr räumlich und örtlich eingeschränkt.

Die Weihnachtsbeleuchtung in Appenzell wird in diesem Jahr räumlich und örtlich eingeschränkt.

Archivbild: Mareycke Frehner

Zu den vom Bund im Fall einer Strommangellage veranlassten Massnahmen gehören freiwillige Sparappelle, die Verbrauchseinschränkung von nicht lebensnotwendigen und energieintensiven Anwendungen wie zum Beispiel Saunas, Whirlpools und Klimaanlagen und die Kontingentierung von Grossverbrauchern. Mit diesen Massnahmen können rund 30 Prozent des Stromverbrauchs ein-gespart werden, wie die Feuerschaugemeinde Appenzell in einer Mitteilung schreibt. Sollten diese Massnahmen nicht genügend Wirkung zeigen, muss der Bundesrat zum äussersten Mittel, den Netzabschaltungen, greifen.

Notfallkonzepte für systemkritische Anlagen

Auch die Feuerschaugemeinde bereitet sich vor. Seit Oktober 2021 steht die Feuerschaugemeinde in Kontakt mit den Grossverbrauchern in ihrem Versorgungsgebiet. Sie unterstützt diese konkret dabei, trotz einer beschränkten Energieverfügbarkeit ihre Geschäftsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Eine Kontingentierung gilt unabhängig von der Branche für alle Grossverbraucher mit einem jährlichen Strombezug von mehr als 100’000 kWh.

In Zusammenarbeit mit den Wasserversorgungen wurden systemkritische Anlagen identifiziert und Notfallkonzepte erarbeitet. Bei einer allfälligen Netzabschaltung sollen dadurch Folgeschäden möglichst verhindert werden. Mit dem Ausbau der Eigenproduktion in Wasserauen und einer attraktiven Einspeisevergütung seien bereits in den letzten Jahren erneuerbare Energien gefördert und somit in regionale Energie investiert worden. Die Netzinfrastruktur, die Lebensader der Stromversorgung, wurde laut der Mitteilung im Versorgungsgebiet der Feuerschaugemeinde Appenzell stetig modernisiert und wo nötig ausgebaut.

Weniger Weihnachtsbeleuchtung

Die Feuerschaukommission hat die Bezirke Appenzell und Schwende-Rüte darüber orientiert, dass während der bevorstehenden Adventszeit im Dorf Appenzell die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung zeitlich und im Umfang reduziert montiert wird. Damit der Dorfkern von Appenzell trotz der aktuellen Lage in weihnachtliche Stimmung versetzt werden kann, wird sich die Weihnachtsbeleuchtung somit auf den Bereich der Hauptgasse zwischen dem Landsgemeindeplatz und dem Adlerplatz, der Hirschengasse, dem Postplatz, dem Schmäuslemarkt und dem Kanzleiplatz westlich der Pfarrkirche beschränken. Statt der üblichen 45 Sterne werden in diesem Jahr nur derer 15 montiert. Zudem wird die Beleuchtung bereits um 23 Uhr abgeschaltet. Die Sterne sind indes alle mit LED-Lämpchen ausgestattet.

Weiter werden in Absprache mit den Strasseneigentümern (Kanton und Bezirke) sowie der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden die Betriebszeiten der öffentlichen Strassenbeleuchtungen im Stromversorgungsnetz der Energie- und Wasserversorgung Appenzell bis auf weiteres folgendermassen reduziert: Halbnachtbeleuchtungen, welche bisher von Anbruch der Dämmerung bis 0.30 Uhr und von 5 Uhr bis zum Morgengrauen betrieben wurden, werden bereits um 23 Uhr ausgeschaltet und erst um 6 Uhr wieder eingeschaltet.

Die Beleuchtung von Strassenkreuzungen und Fussgängerübergängen, welche mit Ganznachtbeleuchtungen ausgerüstet sind, werden soweit möglich zwischen 23 und 6 Uhr mit einer reduzierten Leistung betrieben. Die Feuerschaukommission ersucht die Betreiber von Leuchtreklamen und Schaufensterbeleuchtungen, dass solche nächtlichen Beleuchtungen mindestens zwischen 22 und 6 Uhr ausgeschaltet werden.

Reduzierung der Raumtemperatur

Die Feuerschaukommission hat erste Massnahmen für das Sparen von Energie für die Verwaltung der Feuerschaugemeinde Appenzell sowie für die Energie- und Wasserversorgung Appenzell beschlossen. Sie schliesst sich damit den Massnahmen des Kantons Appenzell Innerrhoden an. Die Raumtemperatur wird auf 19 bis 20 Grad beschränkt. Zudem werden die Aussenbeleuchtung der Gebäulichkeiten verringert oder abgeschaltet. Leuchtreklamen und Schaufensterbeleuchtungen werden mindestens von 22 bis 06 Uhr ausgeschaltet.

Wenn die Aufrufe an die Bevölkerung und die Kontingentierung bei Grossverbrauchern nicht ausreichen sollten, folgt als letzter Schritt die kontrollierte Netzabschaltung mit einem Rhythmus von vier Stunden ohne und acht oder vier Stunden mit Strom. Da Netzabschaltungen erhebliche Konsequenzen für Wirtschaft und Bevölkerung haben, gelte es, diese um jeden Preis zu verhindern. Einfache Tricks helfen, den Stromverbrauch zu senken. Hilfreiche Anregungen für einen sorgsamen Umgang mit der Energie finden sich unter www.feuerschaugemeinde.ch. Die Energieberatung des Vereins Energie AI/AR ist neutral und berät Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer bei der individuellen Energie- und Kostenoptimierung ihrer Liegenschaft. Mit einer Energybox kann zudem in einem Onlinecheck herausgefunden werden, wie der eigene Haushalt klassiert ist und wo Einsparpotenzial besteht. (pd)

Licht aus in der Garage

Dass die Energiekrise immer mehr auch die Schweiz betrifft, ist auch Appenzeller Garagisten bewusst. Deshalb haben sechs von ihnen kürzlich neue Energiesparmassnahmen umgesetzt. Dazu gehört beispielsweise das Abschalten der Beleuchtungen ausserhalb der Öffnungszeiten und Senkung der Raumtemperatur auf 19 Grad, welche unter Berücksichtigung der Gesundheit des Personals beschlossen wurde. Zusätzlich werde die Belegschaft darauf aufmerksam gemacht, sich auch als Einzelperson zu bemühen, Energie einzusparen. Bisher ist noch unklar, wie viel Energie effektiv gespart werde. Bilanz gezogen wird voraussichtlich im Dezember.
Wie lange diese Anpassungen gelten, sei noch offen, meint Noah Neff, Präsident IG Autogaragisten Appenzell Innerrhoden. Er könne sich aber vorstellen, dass die Massnahmen so beibehalten und allenfalls ausgebaut würden.
Hoffnung der Garagisten ist, so ein Zeichen zu setzen und auch andere Branchen zu animieren, wo möglich Energie einzusparen. (elz)