«Es ist absolut ein Glaube an die Erholung vorhanden» - eine neue Studie zeigt, Schweizer Unternehmen sehen mittelfristige Genesung

Die Mehrheit von über 2500 von der UBS befragte Unternehmen erwartet 2022 gleich hohe oder höhere Umsätze und Anzahl Angestellte wie im Jahr 2019.

Kristina Schuhmann
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Das Gastgewerbe ist stark von der Krise betroffen: Ein Mitarbeiter misst den Abstand zwischen zwei Tischen.

Das Gastgewerbe ist stark von der Krise betroffen: Ein Mitarbeiter misst den Abstand zwischen zwei Tischen.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Zuversichtliche Schweizer KMU: Eine Mehrheit von 2500 befragten Unternehmen rechnet mit einer kompletten wirtschaftlichen Erholung in den nächsten drei Jahren. Das zeigt eine neue Studie der UBS. Laut der von Ende Mai bis Anfangs Juni durchgeführten Umfrage der Bank erwarten 71 Prozent der Unternehmen einen gleich hohen oder sogar höheren Umsatz im Jahr 2022 im Vergleich zu 2019. Gar 87 Prozent der Unternehmensverantwortlichen rechnen damit, gleich viele oder mehr Mitarbeitende zu beschäftigen.

Demnach schätzen immerhin noch knapp 30 Prozent, umsatzmässig nicht mehr auf das Niveau vor der Krise heran zu kommen. Aggregiert deuten die Erwartungen der Unternehmen jedoch darauf hin, dass im Durchschnitt im Jahr 2022 die Wirtschaftsleistung und die Beschäftigung in der Schweiz wieder auf dem Stand von 2019 sind, erklärt Alessandro Bee, Ökonom UBS Switzerland. «Es ist absolut ein Glaube an die Erholung vorhanden», sagt Axel P. Lehmann, Chef von UBS Schweiz, «die Resultate stimmen mich zuversichtlich, da doch die überwiegende Mehrheit der Unternehmen mittelfristig mit einer Erholung rechnet und bereit ist, zu investieren».

Diese Umfrageergebnisse unter Schweizer Unternehmen decken sich mit den Konjunkturprognosen der Bank, wonach im 2020 von einem stark negativen Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts BIP von -5.5 Prozent auszugehen, eine Erholung im 2021 (+4.4 Prozent) aber anzunehmen sei: «Der scharfen Rezession im ersten Halbjahr dürfte eine deutliche Erholung im zweiten Halbjahr folgen, vor allem dann im 2021 und robustes Wachstum im 2022», sagt Bee. Laut dem UBS-Ökonom dürfte das BIP in 2022 auf dem gleichen Niveau wie 2019 sei, was jedoch nicht heisse, dass die Wirtschaft dann bereits voll ausgelastet sei.

Positiver Ausblick für die Beschäftigung in der Schweiz

Laut Daniel Kalt, Chefökonom UBS Schweiz, habe das Kurzarbeitsregime substanziell dazu beigetragen, dass bislang die Arbeitslosenquote in der Schweiz nur relativ leicht angestiegen ist. Dennoch bestehe eine gewisse Gefahr weiterer Strukturbereinigungen und möglicherweise Entlassungen, wenn die ersten auf kurze Frist ausgelegten Sofortmassnahmen beginnen, ihre Wirkung zu verlieren. Viel hänge davon ab, wie gut und zuversichtlich die Unternehmen in die Zukunft schauen.

Die Umfrageergebnisse der Bank und die dort erkennbaren stabilen Erwartungen deuten jedoch darauf hin, dass die grosse Mehrheit der Unternehmen ihre Mitarbeitenden behalten will. Betreffend Anzahl Mitarbeiter im 2022 im Vergleich zu 2019 weist jedoch besonders das Gastrogewerbe einen leicht weniger positiven Ausblick auf: Von den befragten Unternehmen sagen immerhin 25 Prozent, dass sie weniger Angestellte beschäftigen werden.

Ausblick gewisser Branchen und Regionen unter dem Durchschnitt

Eine differenzierte Betrachtung der Investitions- und Beschäftigungsaussichten nach Branche und Region zeigt Unterschiede der mittelfristigen Perspektiven unter den befragten Unternehmen. Auf Branchenebene erwartet die UBS für den stark getroffenen Kultur- und Gastronomie-Sektor einen Rückgang von 25 bis 35 Prozent für dieses Jahr. Im Tessin seien laut der Bank wesentlich mehr Firmen von der Krise betroffen als beispielsweise in der Deutschschweiz. Ebenfalls stark betroffen seien Firmen, die ihren Betrieb während des Lockdowns komplett einstellen mussten. Der mittelfristige Ausblick bezüglich des Umsatzes und Angestelltenbestandes für diese Branchen und Regionen fällt gemäss UBS schwächer aus als der Ausblick des Durchschnitts.

«Was ermutigend ist: der Ausblick dieser Branchen und Kantone ist nicht signifikant schlechter», so Bee, «auch eine Mehrheit der Firmen in stark betroffenen Branchen und Regionen sieht in der mittleren Frist eine Normalisierung». So seien es beispielsweise bei den Unternehmen, die ihren Betrieb einstellen mussten, noch 80 Prozent, die im 2022 gleich viele oder mehr Mitarbeitende sowie über 60 Prozent, die einen gleich hohen oder höheren Umsatz im Vergleich zu 2019 erwarten.

Lehren aus der Pandemie: Digitalisierungsvormarsch und alternative Arbeitsformen

Ebenfalls Gegenstand der Umfrage waren die Lehren der Unternehmungen aus der Krise für die Unternehmensstrategie. Mehr als die Hälfte der Unternehmungen plant demnach eine Anpassung der Geschäftsstrategie. Unter Firmen, die während des Lockdowns schliessen mussten, sind dies gar 70 Prozent. Bei dem Massnahmen dominieren laut der Bank pragmatische Anpassungen, besonders Investitionen in die Digitalisierung, der Aufbau höherer finanzieller Reserven und die Anpassung der Produktpalette. «Vor grösseren Schritten wie Fusionen schrecken die Schweizer Firmen zurück», so Bee, «man setzt eher auf die kleinen Schritte».

Über 40 Prozent der Firmen setzten in der Krise auf neue digitale Instrumente in der Kommunikation und etwa 10 bis 15 Prozent nutzten vermehrt digitale Plattformen. Während der Krise setzte zudem eine Mehrheit der Unternehmen auf alternative Arbeitsformen: Im Durchschnitt liessen 60 Prozent ihre Mitarbeitenden von zu Hause arbeiten. Für die Zukunft möchten die Firmen diese Neuerungen grösstenteils beibehalten, dies zeigen die Umfrageergebnisse der Bank.

Die Coronakrise wird, laut UBS-Ökonomen, dazu geführt haben, dass die Schweizer Firmen einen entscheidenden Schritt in Richtung erhöhter Technologienutzung und neuer Arbeitsformen getan haben. Lehmann von der UBS schätzt jedoch, dass die Krise im Wesentlichen bestehende Trends vielmehr akzentuiert, als neue Trends hervorgerufen habe, somit eine Beschleunigung des Wandels hervorgebracht habe.

UBS hat 24000 Kredite im Wert von drei Milliarden Franken gesprochen

Das Covid-19-Kreditprogramm, mit welchem der Bundesrat Liquiditätshilfen aufgrund der wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zur Verfügung stellt, hat, laut Lehmann, eine zentrale Rolle gespielt. Insgesamt hat die UBS circa 24000 Kredite ausgesprochen, was nahezu 20 Prozent aller Anfragen ausmacht. Während es in den ersten Tagen bei Start des Programms Ende März im Schnitt fast 6000 Anträge pro Tag waren, seien laut der UBS in den letzten Wochen nur noch dreissig neue Anträge eingegangen.

Insgesamt habe die UBS seither Kredite und Limiten in Höhe von mehr als drei Milliarden Franken gesprochen. Im Schnitt hätten die Unternehmen nur etwa die Hälfte der gesprochenen Limite genutzt, was gemäss Lehmann ein Indiz dafür ist, dass KMUs doch etwas besser vorbereitet und nicht in einen Liquiditätsnotstand nach wenigen Wochen geraten seien. Die vorliegenden Daten der UBS zeigen weiterhin, dass die Gastronomie-Branche mit 61 Prozent die höchste Beanspruchungsquote der Kredite aufweist.

Die meisten Kreditanträge kamen jedoch aus dem Baugewerbe. Als Antwort auf die Frage von Seiten eines anderen Medienhauses, sieht die UBS keine Notwendigkeit einer Verlängerung der Überbrückungskredite aufgrund stark rückgängiger Gesuche und dem feststellbaren Beginn von Kreditrückzahlungen durch einige Unternehmen. Zudem sei man immer noch unter der ursprünglich geplanten zwanzig Milliarden-Grenze für Überbrückungskredite.

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