Katholische Kirche
Der neue Bischof von Chur heisst Joseph Maria Bonnemain: «Er ist kein Apparatschik»

Der Papst hat sich entschieden: Obwohl Joseph Maria Bonnemain Mitglied ist bei der konservativen Opus Dei, hat er die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe in der katholischen Kirche vorangetrieben.

Nina Fargahi
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Der neue Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain soll verlorenes Vertrauen in die Kirche wieder zurückgewinnen.

Der neue Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain soll verlorenes Vertrauen in die Kirche wieder zurückgewinnen.

Bild: Keystone

Das Bistum Chur, das viele Turbulenzen durchmachen musste, kommt vielleicht endlich zur Ruhe. Denn es hat einen neuen Bischof. Er heisst Joseph Maria Bonnemain und wurde von Papst Franziskus ernannt. Der bisherige Gerichtsvikar Bonnemain hat die Wahl angenommen, möchte aber erst öffentliche Interviews geben, wenn er im Amt eingesetzt ist. «Vielmehr möchte ich handeln: es gibt viel zu tun», begründet er diesen Entscheid.

Der Wahl gingen viele Konflikte voraus. Der frühere Churer Bischof Vitus Huonder war schon im Mai 2019 nach fast zwölf Jahren von seinem Amt zurückgetreten. Seither wurde das Bistum Chur vom Oberwalliser Peter Bürcher geleitet, der vom Papst zum Apostolischen Administrator ernannt wurde, bis die Nachfolge definitiv geregelt war.

Engagement für Aufklärung

Bonnemain gilt als Brückenbauer. Er wurde bereits im November als Kandidat für das Bischofsamt gehandelt, doch die Churer Domherren traten gar nicht auf die vorgeschlagene Dreierliste ein. Es war eine verpatzte Wahl, die für Schlagzeilen sorgte, den Papst aufschreckte und die tiefen Gräben im Bistum offenbarte.

Dieses Mal wurde das Domkapitel, also das Leitungsorgan der Bischofskirche, gar nicht erst gefragt; der Papst hat direkt entschieden. Das darf er, weil das Domkapitel seine Chance gehabt hatte, aber nicht wählen wollte.

Am Montagabend feierten Bischof Peter Bürcher, Weihbischof Marian Eleganti und der neu ernannte Bischof Bonnemain gemeinsam in der Kathedrale in Chur eine Eucharistie für die Anliegen aller Menschen im Bistum:

Keystone-SDA

Bonnemain leitet seit Jahren das Gericht des Bistums Chur, ist Domherr und Mitglied des konservativen Ordens Opus Dei. Gleichzeitig habe er massgeblich zur Aufarbeitung und Aufklärung der Missbrauchsverbrechen in der katholischen Kirche beigetragen, so Simon Spengler von der katholischen Kirche im Kanton Zürich. Spengler sagt:

«Bonnemain hat sich offensiv für eine Aufarbeitung engagiert, auch dank ihm wurden Präventions- und Opfermeldestellen eingerichtet, die Kirche erliess strenge Richtlinien und das Bewusstsein bei den Gläubigen für dieses Thema wurde geschärft.»

2002 konstituierte die Schweizer Bischofskonferenz ein Fachgremium «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral». Bonnemain wurde damals von der Bischofskonferenz zum Sekretär dieses Gremiums ernannt und hat das Amt bis heute inne.

Ein beliebter Seelsorger

In diesem Amt habe Bonnemain selbst auch einen Wandel durchgemacht, so Spengler. Zwar sei Bonnemain nach wie vor Mitglied bei Opus Dei, doch sein Engagement für mehr Aufklärung bei den Missbrauchsfällen in der Kirche habe ihn verändert. Bonnemain sei ein beliebter Seelsorger. «Er ist kein Apparatschik», sagt Spengler. Er werde einen Neuanfang einleiten. «Und ein Neuanfang bedeutet immer, sich von Altem zu verabschieden.»

Natürlich löst das auch Kritik aus in konservativen Kreisen. Die Zeitung kath.ch zitiert den Churer Dompfarrer Gion-Luzi Bühler, der den Wandel von Bonnemain als «grösste Priesterenttäuschung seines Lebens» bezeichnet.

Bonnemain kam 1948 in Barcelona zur Welt, wo er auch die Schule bis zur Matura besuchte. Für das Medizinstudium kam er in die Schweiz, wo er an der Universität Zürich promovierte. Im Jahr 1980 promovierte er auch in Kirchenrecht und wirkte in Zürich als Priester. Er war auch als Seelsorger tätig und betreute zwei Studentenhäuser. Kurz darauf wurde er zum Seelsorger des Spitals Limmattal ernannt, wo er sich bis heute der Betreuung von Kranken und Pflegebedürftigen widmet. «Er ist nah bei den Menschen», sagt Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Zürcher Synodalrats. Bonnemain sei kein verkopfter Intellektueller, der sich vor allem den theologischen Studien widmen möge, sondern einer, der an der Basis mitanpacke. Über seine Mitgliedschaft bei Opus Dei könne sie nichts sagen, dazu müsse er sich zu gegebener Zeit selbst äussern.

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