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Wohin mit all den Whatsapp-Kontakten?

Viele würden gerne zu einem alternativen Dienst wechseln, es zeigt sich aber: Ganz so einfach ist das nicht. Was man trotzdem tun kann.

Gregory Remez
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Wohin mit all den Whatsapp-Kontakten, die sich über die Jahre angehäuft haben?

Wohin mit all den Whatsapp-Kontakten, die sich über die Jahre angehäuft haben?

Patrick Sison/AP

Nach der Änderung der Whatsapp-AGB fürchten viele Nutzerinnen und Nutzer um ihre Privatsphäre und würden dem Dienst am liebsten den Rücken kehren – sehen sich aber zugleich mit einem Dilemma konfrontiert: Wohin mit all den Kontakten, die sich über die Jahre angehäuft haben? Familie und Freunde wird man von einem Wechsel vielleicht noch überzeugen können. Doch was ist mit den alten Schulkameraden, die man einmal im Jahr zum Jass trifft, der Chatgruppe mit den Vereinsmitgliedern oder jener mit der Schullehrerin? Die wird man kaum alle auf einmal zu einer Migration bewegen können.

Was also tun? Ratschläge wie jener, dass der Entscheid letztlich bei den Nutzerinnen und Nutzern liege, helfen nur bedingt weiter. Denn sie lösen das grundsätzliche Problem nicht: dass man beim Wechsel zu einem anderen Anbieter auch davon abhängig ist, ob das eigene Umfeld nachzieht. Auch der sicherste Dienst nützt herzlich wenig, wenn sich die engsten Kontakte anderswo tummeln.

Leise Hoffnung auf einen neuen Platzhirsch

Fachleute in Datenschutzfragen raten deshalb zu einem schrittweisen Rückzug von Whats­app – zumal sich für alle, die den Dienst in der Schweiz bereits nutzen, nichts Grundlegendes ändern dürfte. Demzufolge solle man die eigenen Chataktivitäten nach und nach auf eine sichere Alternative verlagern. Die leise Hoffnung, die dabei mitschwingt, ist, dass sich irgendwann ein neuer Platzhirsch etablieren wird. Denn nur dann ist eine gänzliche Abkehr von Whatsapp auch für alle attraktiv.

Aus Datenschutzsicht wird dabei dem Vernehmen nach von den meisten der Schweizer Dienst Threema bevorzugt. So auch vom Luzerner Informatikprofessor Edy Portmann, der sich unter anderem in Zusammenarbeit mit der Post zu Fragen der Datenethik beschäftigt. Er hat kürzlich Whatsapp – und zuletzt auch Facebook – ganz von seinem Smartphone verbannt. «Das, was Facebook tut, ist nicht in unserem Interesse», gibt er zu bedenken, und empfiehlt allen Nutzerinnen und Nutzern, ihre Bequemlichkeit zu überdenken. «Wollen wir wirklich kostenlose Datenlieferanten sein?»