STAHLKONZERN
Grossaktionär Martin Haefner setzt sich mit Kapitalerhöhung bei Swiss Steel durch, aber Liwet wehrt sich

Zwei Drittel der vertretenen Aktionärsstimmen waren an der Generalversammlung des Luzerner Stahlkonzerns für die Kapitalerhöhung. Kleinaktionäre halten an ihrer Fundamentalkritik fest. Auch die Liwet Holding um den russischen Milliardär Viktor Vekselberg gibt sich nicht geschlagen.

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Swiss-Steel-Grossaktionär Martin Haefner am Hauptsitz des Autoimporteurs Amag in Cham, der in seinem Besitz ist.

Swiss-Steel-Grossaktionär Martin Haefner am Hauptsitz des Autoimporteurs Amag in Cham, der in seinem Besitz ist.

Bild: Dominik Wunderli (26. November 2019)

(mim) An der ausserordentlichen Generalversammlung der Swiss Steel Group am Dienstag in Luzern konnte sich Grossaktionär Martin Haefner erneut durchsetzen. Die von ihm initiierte Kapitalerhöhung wurde von den Aktionären gutgeheissen: Die Aktionärinnen und Aktionäre der Swiss Steel Holding AG haben dem Antrag des Verwaltungsrates mit rund 67 Prozent der vertretenen Stimmen zugestimmt, teilte der Stahlkonzern mit. Damit werden dem finanziell angeschlagenen Unternehmen brutto 200 Millionen Euro zufliessen. Die Aktionäre, welche rund 89 Prozent des stimmberechtigten Aktienkapitals der Swiss Steel Holding AG hielten, wurden aufgrund der Coronakrise ausschliesslich durch den unabhängigen Stimmrechtsvertreter an der ausserordentlichen Generalversammlung vertreten.

Das Aktienkapital wird von aktuell rund 304 Millionen Franken um 155 Millionen auf 459 Millionen Franken erhöht. Dies erfolgt durch die Ausgabe von 1 Milliarde neuen Namenaktien mit einem Nennwert von je 15 Rappen. Martin Haefners Gesellschaft Big Point hatte sich im Vorfeld dazu bereit erklärt, alle eigenen Bezugsrechte auszuüben und Aktien, die von bestehenden Aktionären nicht bezogen oder nicht anderweitig platziert werden, zum Mindestpreis von 21 Rappen zu übernehmen.

Minderheitsaktionäre weiterhin unzufrieden

Die Kapitalerhöhung war umstritten, weil sich Martin Haefner weigert, den Kleinaktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Die kürzlich gegründete «Interessengemeinschaft der unzufriedenen Kleinaktionäre der Swiss Steel» (Iguk) hatte im Vorfeld die Minderheitsaktionäre aufgerufen, die Kapitalerhöhung abzulehnen. Durch die Kapitalerhöhung wird der Anteil der Kleinaktionäre nun weiter verwässert. IG-Mitgründer und Kleinaktionär Roland Wismer aus Zug sagt auf Anfrage, er werte die Zustimmungsrate von 67 Prozent als Zeichen dafür, dass es eine unzufriedene Minderheit gebe. Kleinaktionäre haben in den letzten Wochen Dutzende Anzeigen bei der Übernahmekommission eingereicht. Der Hauptaktionär soll dazu verpflichtet werden, ein öffentliches Übernahmeangebot zu lancieren.

Auch der nach Haefner mit einem Anteil von rund 25 Prozent zweitwichtigste Aktionär, die Liwet Holding um den russischen Milliardär Viktor Vekselberg, stemmte sich gegen die Finanzspritze und reichte bei der Übernahmekommission eine Anzeige ein. Am Dienstag hat Liwet nun beim Handelsregisteramt des Kantons Luzern eine Sperre für die Eintragung der Kapitalerhöhung erwirkt. «Das Vorgehen der Liwet entbehrt jeder Grundlage und widerspricht den Interessen der Swiss Steel und ihrer weiteren Aktionäre und Mitarbeitenden», teilte Swiss Steel am Dienstagabend mit. Swiss Steel halte an der Kapitalerhöhung fest und werde sich «mit allen Mitteln gegen das verantwortungslose Vorgehen der Liwet und ihrer Vertreter» zur Wehr setzen, heisst es weiter. Die Handelsregistersperre wird auf einseitigen Antrag gewährt. Der Antrag muss nicht begründet sein und es findet keine materielle Prüfung durch das Handelsregister statt. Für Liwet läuft nun eine Frist von zehn Tagen, um beim zuständigen Gericht eine begründete vorsorgliche Massnahme zu beantragen.

Sollte Haefner, der aktuell knapp 50 Prozent der Anteile hält, die Kapitalerhöhung abschliessen können, dürfte er auf einen Anteil von 60 bis 70 Prozent kommen. Damit könnte er die strategische Stossrichtung des Konzerns, der früher Schmolz+Bickenbach hiess, alleine bestimmen. Gemäss Auflagen der Finanzmarktaufsicht Finma muss Haefner bis Ende 2024 seinen Anteil allerdings auf unter 33,3 Prozent senken. Macht er das nicht, muss er den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten. Dank dieser Sanierungsausnahme konnte der Stahlkonzern bereits vor einem Jahr eine Kapitalerhöhung stemmen, ohne dass Haefner den übrigen Aktionären ein Angebot unterbreiten musste.

Jens Alder.

Jens Alder.

Bild: Dominik Wunderli

Zwar dauert es noch eine Weile, bis Haefner seinen Anteil reduzieren muss. Aber schon jetzt sickern Pläne durch, wie er dies bewerkstelligen will. Aus dem Umfeld von Haefner ist zu erfahren, dass die Swiss Steel Group mittelfristig – nach erfolgreicher Sanierung – eine Fusion mit einem Mitbewerber ins Auge fassen könnte. Dabei galt der Luzerner Stahlkonzern erst letztes Jahr zwischenzeitlich selbst als Übernahmekandidat.

Heinrich Christen.

Heinrich Christen.

PD

Jens Alder und Clemens Iller nehmen den Hut

Anlässlich der Generalversammlung vom Dienstag ist wie angekündigt Jens Alder als Verwaltungsratspräsident zurückgetreten. Alder sieht seine Aufgabe nach dem Zustandekommen der Kapitalerhöhung als erfüllt an. Für die verbleibende Amtszeit bis zur GV 2021 übernimmt der bisherige Vizepräsident Heinrich Christen die Leitung des Aufsichtsgremiums. Christen ist ein Vertrauter Martin Haefners, so sitzt er auch im Verwaltungsrat des Autoimporteurs Amag, der Haefner gehört.

Clemens Iller.

Clemens Iller.

PD
Frank Koch.

Frank Koch.

PD

Auch im Management kommt es zu einem Wechsel. Wie der Konzern am Montagabend mitteilte, wird Frank Koch spätestens Anfang 2022 die CEO-Funktion von Clemens Iller übernehmen, der sich entschieden habe, «das Unternehmen zu verlassen und damit auch einen personellen Neuanfang in der Führung des Konzerns zu ermöglichen», wie Swiss Steel mitteilte. Clemens Iller habe die heutige Swiss Steel Group seit seinem Eintritt im April 2014 «in einer von grossen strukturellen und finanziellen Herausforderungen geprägten Zeitperiode» erfolgreich geführt, schreibt das Unternehmen. Über seinen Weggang wurde schon seit längerem spekuliert. Zuletzt wurde vor allem die Kritik an seiner Entlöhnung immer lauter. Den Finanzchef hat Swiss Steel kürzlich auch ausgewechselt.

Der zukünftige CEO Frank Koch hat in den letzten drei Jahren als CEO den deutschen Stahlproduzenten GMH Group (Georgsmarienhütte) geführt und restrukturiert. Das deutsche «Manager-Magazin» bezeichnete Koch vor zwei Jahren als «Nachwuchsstar der heimischen Stahlindustrie». Sein gesamtes Berufsleben habe der gebürtige Aachener in der Stahlindustrie verbracht, die meiste Zeit davon im Vertrieb. Im Laufe seiner Karriere beim deutschen Stahlkonzern Thyssenkrupp war der 48-Jährige auch für die zur Swiss Steel Group gehörenden Deutschen Edelstahlwerken tätig, bevor er 2004 bis 2006 für Strategie und Vertrieb beim italienischen Stahlhersteller Danieli zuständig war. 2006 ging er zurück zu den Deutschen Edelstahlwerken und verantwortete dort bis 2007 ebenfalls Vertrieb und Strategie.

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