Stahl
Coronakrise trifft die Swiss Steel Group hart

Der Luzerner Stahlkonzern schliesst das Jahr erneut mit tiefroten Zahlen ab. Die Restrukturierung wird vorangetrieben.

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Blick auf den Eingang zum Stahlwerk Steeltec der Swiss Steel Group in Emmenbrücke.

Blick auf den Eingang zum Stahlwerk Steeltec der Swiss Steel Group in Emmenbrücke.

Bild: Eveline Beerkircher (7. Januar 2021)

(mim) Die wichtigsten Kennzahlen des Stahlkonzerns Swiss Steel Group zeigen nach unten. Im vergangenen Jahr litten sowohl Umsatz als auch Profitabilität und Absatzvolumen. Wie der Luzerner Stahlkocher am Mittwoch mitteilte, sank der Umsatz 2020 im Vergleich zu 2019 um 23,2 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Der Absatz schrumpfte um 16,1 Prozent auf 1535 Kilotonnen. Das bereinigte Ergebnis auf Stufe Ebitda beträgt -68,9 Millionen Euro, nachdem Swiss Steel im Jahr zuvor noch einen Gewinn von 51,2 Millionen Euro erzielen konnte. Beim Konzernergebnis resultierte ein Minus von 310,2 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern einen Reinverlust von einer halben Milliarde ausgewiesen.

Swiss Steel spürte die Krise vor allem im ersten Halbjahr, ab dem Sommer verzeichnete das Unternehmen eine Normalisierung des Absatzes, wie CEO Clemens Iller sagt: «Dieser Trend hielt im vierten Quartal an und führte zu einem verbesserten Absatz- und Auftragsvolumen, welches vor allem von der Automobilindustrie getragen wurde, mit einer leichten Erholung im Maschinen- und Anlagenbau. Die Nachfrage im Energiebereich, insbesondere bei Öl und Gas, verläuft jedoch nach wie vor schleppend. Vor diesem Hintergrund wurde die Produktion entsprechend hochgefahren. Auf der Preisseite sehen wir weiterhin Herausforderungen, insbesondere bei Qualitäts- und Edelbaustahl.»

Nur noch wenig Kurzarbeit im Schweizer Stahlwerk

Das angeschlagene Unternehmen befindet sich noch immer in einer Restrukturierungsphase. Der Fokus werde dieses Jahr weiterhin auf der Umsetzung des Transformationsprogramms, der Verbesserung der Profitabilität und der Liquidität liegen, heisst es. In diesem Zusammenhang werde der Abschluss der Kapitalerhöhung, die von den Aktionären im Dezember 2020 genehmigt wurde und noch in diesem Monat abgeschlossen werden soll, einen wichtigen Meilenstein bilden. Die Aktionärin Liwet Holding um den russischen Milliardär Viktor Vekselberg hat ihren ursprünglichen Widerstand gegen die Kapitalerhöhung mittlerweile aufgegeben und ein entsprechendes Gerichtsurteil akzeptiert.

An einer Telefonkonferenz sagte CEO Clemens Iller, man evaluiere gruppenweit Massnahmen beim Personal. Im Fokus stehen aber vorrangig die beiden ausländischen Organisationen DEW und Ascometal. Per Anfang dieses Jahres hatte die Swiss Steel Group ihre Stahl-Einheiten in Emmenbrücke zusammengefasst. Damals hiess es, ein Stellenabbau in der Schweiz stehe nicht im Fokus. Daran hat sich nichts geändert, wie eine Sprecherin am Mittwoch sagte: «Nach wie vor planen wir keinen grösseren Stellenabbau in Emmenbrücke. Der Zusammenschluss der Business-Units ist dafür da, die Kunden besser bedienen zu können; nicht, um möglichst viele Stellen einzusparen.» Der Konzern beschäftigt in Emmenbrücke rund 700 Personen, weitere 50 arbeiten in der Zentrale in Luzern. Letztes Jahr befanden sich Teile der Belegschaft in Kurzarbeit. Zurzeit gib es nur noch zwei kleine Abteilungen mit wenigen Mitarbeitern, die ab und zu Kurzarbeit machen. «Stahl-, Walz- und Blankbetriebe sowie die übrigen Abteilungen arbeiten ohne Kurzarbeit», so die Sprecherin.

Die Swiss Steel Group rechnet aufgrund von Covid-19 mit anhaltenden Unsicherheiten in der ersten Jahreshälfte, ist aber, abhängig von der weiteren Entwicklung der Coronakrise, vorsichtig optimistisch für eine moderate Normalisierung in ausgewählten Endkundenmärkten in der zweiten Jahreshälfte 2021. Sollten sich die Märkte positiv entwickeln, rechne man für das laufende Jahr mit einem positiven bereinigten Gewinn auf Stufe Ebitda, sagte Finanzchef Markus Böning. Unter dem Strich würde das Ergebnis aber negativ bleiben.

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