Rüstungsindustrie
Vom Staatsbetrieb zum Startup: RUAG International wird «Beyond Gravity»

Die RUAG International will mit dem kompletten Ausstieg aus dem Rüstungsgeschäft Ernst machen. Unter dem Namen «Beyond Gravity» setzt das Unternehmen auf die Raumfahrt.

Peter Walthard
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Es lockt ein Billionen-Dollar-Markt: Produktion von Raketenteilen in Emmen.

Es lockt ein Billionen-Dollar-Markt: Produktion von Raketenteilen in Emmen.

Nadia Schaerli

Unter dem neuen Namen «Beyond Gravity» solle aus dem ehemaligen Staatsbetrieb RUAG International ein Startup werden. Dies meldete das Unternehmen am Dienstag. Dabei biete sich die Chance, Geschwindigkeit, Agilität und Innovation eines Startups mit jahrzehntelangen Erfahrung zu verbinden, wird CEO André Wall in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung zitiert.

Das verbleibende Rüstungsgeschäft wird abgestossen. Ein Teil von MRO International ist bereits Ende Februar an General Atomics Europe übergangen. Davon betroffen ist auch die Produktion der Dornier 228 am Standort Oberpfaffenhofen in Deutschland. Für die Munitionsherstellerin RUAG Ammotec soll bis Ende Jahr ein Käufer gefunden werden. Bei der auf Luftfahrt spezialisierten RUAG Aerostructures will sich RUAG International nach starken Einbrüchen infolge der Pandemie auf das Business-Segment konzentrieren. Eine «Devestition an einen strategischen Partner» sei dabei nicht ausgeschlossen, so Wall in der Mitteilung.

Ziel Marktführerschaft in Europa

RUAG International war im letzten Jahr in der Coronakrise stark unter Druck geraten und musste den Abbau von 150 Stellen melden. Das Unternehmen war Anfang 2020 aus der Aufspaltung des bundeseigenen Rüstungskonzerns RUAG hervorgegangen. Die Versorgung der Schweizer Armee wurde in die MRO Schweiz ausgegliedert, das internationale Rüstungsgeschäft ging an die RUAG International, die den Auftrag erhielt, sich vom Geschäft mit Rüstungsgütern zu lösen und auf Luft- und Raumfahrttechnologie zu fokussieren.

Dieser stehe ein neuer Boom bevor, gibt sich Wall in der Mitteilung optimistisch: Zu erwarten seien jährliche Wachstumsraten von über 16 Prozent. Bis 2040 werde sich ein Billionen-Dollar-Markt entwickeln. RUAG International will darauf reagieren, in dem sie sich unter dem neuen Namen vom Komponentenhersteller zum Anbieter kompletter Subsysteme entwickelt. «Das Unternehmen will in innovative Lösungen investieren und die heutige Produktion von Prototypen mit digitaler Technologie, Künstlicher Intelligenz und Robotik auf Mini-Serien umstellen», heisst es in der Mitteilung. Angestrebt werde die Marktführerschaft in Europa und den Ausbau des Marktzugangs in Amerika und Asien.

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