Prognose
Der inländische Konsum hält die Schweizer Wirtschaft auf Kurs

Die Weltwirtschaft gerät ob dem Ukraine-Krieg und der Teuerung immer mehr in einen Strudel. Noch bleibt die Schweiz grösstenteils verschont. Und auch auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Aussicht positiv.

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Nach der Coronakrise haben Schweizerinnen und Schweizer ein gut gefülltes Sparschwein. Damit soll nun die Konjunktur am Leben gehalten werden. (Symbolbild)

Nach der Coronakrise haben Schweizerinnen und Schweizer ein gut gefülltes Sparschwein. Damit soll nun die Konjunktur am Leben gehalten werden. (Symbolbild)

Luzerner Zeitung

Von Krise (Corona) zu Krieg (Ukraine). Das sorge in der Weltwirtschaft für «Gegenwind», schreibt die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. Zudem hätten die Inflationsraten in vielen Ländern «besorgniserregende Höhen» erklommen. Mitten in diesem Sturm sehen die Forschenden die Schweiz aber auf Kurs. Sie erwarten, dass das um Sportevents bereinigte Bruttoinlandprodukt (BIP) in diesem Jahr um 2.7 Prozent steigt und im nächsten Jahr um 1.6 Prozent.

Der geopolitische Gegenwind wird in der Schweiz bislang durch den inländischen Konsum weggeblasen. Zum einen habe sich das Lohnwachstum «überraschend positiv entwickelt», schreibt die KOF in ihrer am Mittwoch publizierten Sommerprognose. Andererseits «hatten die Haushalte nach dem coronabedingten Zwangssparen Mittel zur Seite legen können, die nun ausgegeben werden können.» Produktionsseitig sei das Wachstum gestützt durch die «Normalisierung der Dienstleistungssektoren sowie der stabil wachsenden Industrie». Auch der Tourismus «dürfte ebenfalls wieder besseren Zeiten entgegensehen», prognostizieren die Konjunkturforscher.

Es gibt auch ein Negativszenario

Und während die Inflation teilweise für hohe Teuerung sorgt, komme die Schweiz mit einem blauem Auge davon. «Die Teuerungsrate fällt in der Schweiz im internationalen Vergleich relativ gering aus», so die KOF. Erwartet werden für dieses Jahr einer Inflation von 2,6 Prozent und für 2023 1,5 Prozent. Weiterhin in «einer konjunkturellen Hochphase» sehen die Forschenden den Schweizer Arbeitsmarkt. «Kurzfristig ist trotz Ukraine-Krise und gestiegenen Inflationsängsten nicht mit einem abrupten Ende des Beschäftigungsaufbaus zu rechnen.»

Nach all den Gegenprognosen zum Gegenwind räumt die KOF dann aber noch ein, dass es «eine grosse Prognoseunsicherheit» gebe. Darum haben die Forscher auch ein Negativszenario errechnet. Dieses trete ein, wenn «die Inflation 2022 im Euroraum und den USA für die amerikanische Notenbank (FED) und die Europäische Zentralbank (EZB) in unakzeptable Höhen entwickelt». Dann stürze die Weltwirtschaft in eine Rezession, die auch die Schweiz treffe. Weitere «potenzielle Abwärtsrisiken» sind eine Eskalation des Ukraine-Krieges und ein erneuter Ausbruch der Covid-19-Pandemie. (mg)