Konjunktur
Trübere Aussichten: Seco korrigiert Wachstumsprognose nach unten

Dank der Aufhebung der Coronamassnahmen ist die Schweizer Wirtschaft gut ins Jahr gestartet. Doch die Folgen des Ukraine-Krieges könnten stärker ausfallen als erwartet. Deshalb senkt das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco ihre Wachstumsprognose.

Dario Pollice
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Der Krieg in der Ukraine birgt einige Unsicherheiten für die Schweizer Wirtschaft. (Symbolbild)

Der Krieg in der Ukraine birgt einige Unsicherheiten für die Schweizer Wirtschaft. (Symbolbild)

Keystone

Seitdem der Bundesrat die Coronamassnahmen im Februar aufgehoben hat, nimmt die Schweizer Wirtschaft an Fahrt auf. Von Januar bis März lag das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im oberen Bereich der Erwartungen, was vor allem der Industrie zu verdanken war. Zudem dürften sich die Bereiche Freizeit und Gastgewerbe weiter erholen, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Mittwoch prognostiziert.

Trotz günstiger Arbeitsmarktentwicklung und moderater Teuerung gehen die Experten des Seco nun aber davon aus, dass die Erholung allmählich zum Erliegen kommt. «Die Aussichten für die internationale Konjunktur haben sich eingetrübt», heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. So könnten die Folgen des Ukraine Krieges stärker ausfallen als bisher angenommen.

Aus diesem Grund senken die Ökonomen ihre Wachstumsprognose für die Schweiz für das Jahr 2022 von 2,8 auf 2,6 Prozent. Überdies rechnen sie mit einer höheren Inflation von 2,5 Prozent statt wie bisher 1,9 Prozent. Die Experten begründen ihre Korrektur mit der gestiegenen Unsicherheit, den Lieferengpässen und der Preisentwicklung, die allesamt die Investitionstätigkeit belasten.

Grosse Unsicherheit infolge des Ukraine-Kriegs

Gleichzeitig relativiert die Expertengruppe ihre korrigierte Wachstumsprognose. Die Schweizer Wirtschaft würde vorläufig ihr überdurchschnittliches BIP-Wachstum fortsetzen, einfach «weniger dynamisch als in der Vorprognose erwartet», heisst es. Voraussetzung dafür sei aber, dass es zu keinem markanten Abschwung bei wichtigen Handelspartnern kommt und, dass es zu keinen deutlichen Energie- und Rohstoffengpässen in Europa kommt.

Auch für 2023 senkt das Seco seine bisherige Wachstumsprognose von 2,0 auf 1,9 Prozent. Die Teuerung dürfte hingegen im Durchschnitt auf 1,4 Prozent zurückgehen, statt wie in der bisherigen Annahme auf 0,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote sinkt nach Ansicht des Seco von 2,1 Prozent 2022 auf 2 Prozent im kommenden Jahr.

Die Ökonomen des Seco geben zu bedenken, dass die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg derzeit sehr gross sei. So würde ein deutlicher Wirtschaftsabschwung bei wichtigen Handelspartnerländern die Schweiz empfindlich treffen. Dies wäre etwa bei weitgehenden Ausfällen von russischen Energielieferungen der Fall. Weitere Risiken verorten die Experten in der international stark angestiegenen Verschuldung, im Immobiliensektor, der restriktiven Coronapolitik Chinas und neuen Virusvarianten.