Konjunktur
Endlich wieder ins Restaurant: Im zweiten Quartal legt die Gastronomie kräftig zu

Die Wertschöpfung der Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gestiegen, besonders im Gastgewerbe und im Dienstleistungssektor insgesamt. Die Haushalte zeigen sich kauflustig.

Ann-Kathrin Amstutz
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Das Gastgewerbe konnte im zweiten Quartal kräftig zulegen.

Das Gastgewerbe konnte im zweiten Quartal kräftig zulegen.

Keystone

Seit Anfang April, als die Coronamassnahmen aufgehoben wurden, steigt die Wertschöpfung der Schweizer Wirtschaft an. Spürbar ist das vor allem im Dienstleistungssektor. Wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Montag meldet, ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen. Bereits im ersten Quartal lag das Wachstum bei 0,3 Prozent.

Auch die privaten Konsumausgaben wuchsen kräftig – um 1,4 Prozent. Der höhere Konsum kommt gleichzeitig mit guten Aussichten für die Arbeitnehmenden: Im Vergleich zum zweiten Quartal 2021 ist die Beschäftigung von April bis Juni um 3,2 Prozent gestiegen, wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen. Auch die Zahl der offenen Stellen ist um 45,5 Prozent gestiegen.

Viel mehr europäische und amerikanische Gäste

Nach der «verhaltenen Entwicklung im Winterhalbjahr» haben die Haushalte mehr Geld in Hotels und Restaurants sowie für andere Dienstleistungen ausgegeben. So legte denn auch die Wertschöpfung im Gastgewerbe besonders kräftig zu: um 12,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahresquartal. Die Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe ist ebenfalls stark gestiegen: plus 17,3 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2021.

Die Hotellerie erlebt wieder rosigere Zeiten, besonders bezüglich ausländischer Gäste: Es übernachten wieder viel mehr europäische und US-amerikanische Touristinnen und Touristen in der Schweiz. Im ersten Halbjahr 2022 ist die Zahl der Logiernächte von ausländischen Gästen um gut 175 Prozent gestiegen – auf 9 Millionen Übernachtungen. Bei den inländischen Gästen resultiert ebenfalls ein Plus: Die Übernachtungen sind um 4,4 Prozent auf 12,4 Millionen gestiegen.

Trotzdem hat sich das Gastgewerbe noch nicht von der Pandemie erholt: Die Wertschöpfung von April bis Juni liegt immer noch rund 10 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Auch die Zahl der Arbeitnehmenden im Gastgewerbe liegt noch nicht auf dem Niveau von 2019.

Wegen Transithandel: Exporte brechen ein

Neben den Ausgaben für Hotellerie und Restaurants sind die Konsumausgaben insgesamt angestiegen. In der Summe legte die Binnennachfrage kräftig zu, wie das Seco weiter schreibt. Dies ging mit einem deutlichen Anstieg der Importe um 2,1 Prozent einher. Als einzige inländische Nachfragekomponente gaben die Bauinvestitionen leicht nach.

Stark rückläufig waren auch die Warenexporte: Sie sanken aufgrund des Rückgangs des Transithandels um 11,5 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe insgesamt war die Wertschöpfung leicht rückläufig (minus 0,5 Prozent). Dies, nachdem sie laut Seco über sieben Quartale überdurchschnittlich stark gewachsen war. Besonders die chemisch-pharmazeutische Industrie hatte mit rückläufigen Exporten zu kämpfen. Die übrigen, typischerweise stärker konjunkturabhängigen Industriebereiche konnten dafür leicht expandieren.

Transport und Kommunikation top, Handel flop

Gestiegen ist die Wertschöpfung im zweiten Quartal dafür in der Branche Kunst, Unterhaltung und Erholung (plus 3,2 Prozent) sowie im Bereich Transport und Kommunikation (plus 4,4 Prozent). Dessen Niveau liegt nun gar um 3 Prozent höher als vor der Pandemie. Dies ist laut dem Seco vor allem auf die zunehmende Mobilität zurückzuführen.

Einen Wertschöpfungsrückgang verzeichneten nur zwei Branchen: die Finanzdienste (minus 1,5 Prozent) und der Handel (minus 2,1 Prozent). Dazu trugen gemäss Angaben des Seco insbesondere der Detailhandel mit Nahrungsmitteln und der Grosshandel bei.