Jahresbericht Postcom
Päckli-Boom beschert dem Schweizer Postmarkt erneut mehr Umsatz

Der Schweizer Postmarkt ist im letzten Jahr so stark gewachsen wie schon lange nicht mehr. Erneut sorgte der Paketmarkt für ein Umsatzplus. Doch mit der grossen Päcklimenge stieg auch die Zahl der Reklamationen stark an.

Dario Pollice, Ann-Kathrin Amstutz
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Dank eines Päckli-Booms erlebt der Postmarkt den grössten Umsatzanstieg seit vielen Jahren.

Dank eines Päckli-Booms erlebt der Postmarkt den grössten Umsatzanstieg seit vielen Jahren.

Keystone

Im vergangenen Jahr hat der Schweizer Postmarkt einen Gesamtumsatz von 4,4 Milliarden Franken erwirtschaftet. Mit einem deutlichen Wachstum um 4,7 Prozent gegenüber 2020 verzeichnete der Markt die «höchste Zuwachsrate seit vielen Jahren», wie die Postkommission (Postcom) in ihrem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht festhält. Damit setzt der Postmarkt sein Wachstum unvermindert fort: Bereits im Vorjahr ist der Umsatz um 3 Prozent auf 4,2 Milliarden geklettert.

Diese Zunahme führt die Postcom einerseits auf die «aussergewöhnliche Dynamik im Paketmarkt» zurück. Andererseits hätten sich die Segmente Briefe sowie Zeitungen und Zeitschriften 2021 besser gehalten als im Vorjahr. Ging der Briefumsatz in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent zurück, betrug der Rückgang letztes Jahr lediglich 2,6 Prozent.

Um die «enormen Paketmengen» zu verarbeiten, habe man zusätzliches Personal eingestellt und Sondertransporte organisiert, steht weiter im Jahresbericht. Angesichts des Booms plant die Post weitere Paketverteilzentren. Bis zu deren Inbetriebnahme dauert es allerdings noch einige Jahre.

Über 1200 Reklamationen pro Tag

Stark gestiegen ist jedoch auch der Anteil an Kundinnen und Kunden, die mit dem Service der Post nicht zufrieden sind. Die Anzahl Reklamationen nahm im Vergleich zu 2021 um ganze 22 Prozent zu – auf fast 443'000 Beanstandungen. Das sind über 1200 Reklamationen pro Tag. Als Gründe für die Zunahme nennt die Postcom die steigende Paketmenge, die vorgezogenen Leerungszeiten der Briefeinwürfe, die Anpassungen des Angebots rund um das Postfach und die Anpassungen des Briefmarkenportos.

Zudem hat die Post ihre neue Strategie «Post von morgen» weiter vorangetrieben. Das Netz sollte bei rund 800 Poststellen stabilisiert werden; per Ende 2021 bestand ein Netz von 805 Poststellen und 1251 Postagenturen. Insgesamt betreibt die Post damit 2056 bediente Zugangspunkte. Das sind 31 weniger als im Vorjahr; erneut ging die Anzahl der Poststellen stärker zurück, als die Anzahl der Agenturen zunahm.

So will die Postcom die Qualität in Postagenturen sicherstellen

Als Aufsichtsbehörde über den Schweizer Postmarkt befasst sich die Postcom auch mit politischen Fragen. Zur Anpassung des Postgesetzes und der Postverordnung macht sie Vorschläge, wie mit der Transformation des Postmarktes umzugehen sei.

Zum einen kritisiert die Kommission die Auswahl der Agenturpartner sei heute zu wenig transparent. Langwierige Rechtsstreitigkeiten im Vergabeverfahren können die Umwandlung von Poststellen in Postagenturen verzögern. Deshalb brauche es eine Sonderbestimmung zur Vergabe der Agenturaufträge im Postgesetz. Zum anderen schlägt die Postcom vor, ein verbindliches System zur Qualitätssicherung in Postagenturen einzuführen.