Flughäfen, Schiffe und Autobahnen
Schulterschluss im Reisegeschäft: Dufry und Autogrill wollen zusammengehen

Dufry als grösster Betreiber von Duty-free-Shops an Flughäfen und der italienische Raststättenbetreiber Autogrill wollen zusammengehen. Neue Mehrheitsaktionärin der fusionierten Firma soll die Familie Benetton werden.

Samuel Thomi
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Wollen fusionieren: Der weltweit tätige Dutry-free-Shop-Betreiber Dufry mit Sitz in Basel und der italienische Raststätten-Betreiber Autogrill.

Wollen fusionieren: Der weltweit tätige Dutry-free-Shop-Betreiber Dufry mit Sitz in Basel und der italienische Raststätten-Betreiber Autogrill.

Bilder: Nicole Nars-Zimmer / Oliver Menge,
Montage: CHM

Seit Wochen ist über den Zusammenschluss bereits gemunkelt worden. Nun steht die Fusion: Der Basler Reisedetailhändler Dufry will mit dem italienischen Raststättenbetreiber Autogrill zusammengehen. Das teilten die beiden Konzerne in der Nacht auf Montag mit. Der fusionierte neue Konzern soll Dufry heissen, vom aktuellen Dufry-Chef Xavier Rossinyol geleitet und von der italienischen Familie Benetton kontrolliert werden. Sie besitzt aktuell eine knappe Mehrheit an Autogrill.

Seit Juni als Chef zurück bei Dufry: Xavier Rossinyol soll auch CEO des mit Autogrill fusionierten neuen Reisedienstleisters werden.

Seit Juni als Chef zurück bei Dufry: Xavier Rossinyol soll auch CEO des mit Autogrill fusionierten neuen Reisedienstleisters werden.

HO

Ziel des fusionierten Unternehmens ist es laut Mitteilung, weltweit «ein neues Reiseerlebnis» zu schaffen. Er sei «sicher», der Zusammenschluss werde «die neue Strategie der Gruppe untermauern und für unsere Kunden und Aktionäre einen nachhaltigen, langfristigen Wert schaffen», wird Xavier Rossinyol zitiert. Der ehemalige Gategroup-Chef ist bei Dufry seit gut einem Monat im Amt. Dies nachdem der 64-jährige Julián Díaz nach fast zwei Jahrzehnten im Frühling von der Firmenspitze abgetreten war.

Stärkung in den USA – Wachstum in Asien, Nahost und Afrika

Das neue Unternehmen werde jährlich 2,3 Milliarden Passagiere an 5500 Verkaufsstellen in über 75 Ländern bedienen. Erwartet wird ein Umsatz von rund 14 Milliarden Franken und jährlich knapp eineinhalb Milliarde Gewinn. Aktuell hat Dufry an der Börse einen leicht höheren Marktwert als Autogrill. Umsatzmässig ist Dufry allerdings etwa doppelt so gross wie Autogrill; die Italiener haben derweil etwa doppelt so viele Verkaufspunkte wie die Basler, die vorab an Flughäfen und auf Schiffen präsent sind.

Einsparungen erhoffen sich die beiden Firmen dank der Fusion bei den Herstellungs- und Betriebskosten sowie beim Support. Zu allfälligen Auswirkungen der Fusion auf die Mitarbeitenden äussern sich Dufry und Autogrill allerdings nicht. Dank dem Zusammenschluss soll die Firma jedoch ihre Präsenz in den USA stärken und zugleich neue Möglichkeiten in anderen wichtigen Regionen wie Asien, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika erhalten.

Die nun bekannt gewordene Dufry-Autogrill-Fusion steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der bisherigen Dufry-Aktionäre sowie den zuständigen Wettbewerbsbehörden. Von der Familie Benetton respektive deren Beteiligungsgesellschaft Edizione, über welches sie dann auch Mehrheitsbesitzerin des neuen Dufry-Konzerns sein will, steht der Fusion nichts mehr im Weg.

Kaum im Amt, bereits fusioniert

Der neue Chef Xavier Rossinyol war übrigens bereits früher einmal im Sold des Basler Konzerns gestanden, etwa als Finanzchef. In den knapp zwei Jahrzehnten unter Díaz hat Dufry dann eine aktive Wachstumsstrategie gefahren. Bis Corona den Reisedetailhändler vor ungeahnte Probleme stellte: Die Umsätze brachen quasi über Nacht ein, unter dem Strich resultierten happige Verluste. Zuletzt hat das Geschäft allerdings wieder angezogen.

Schon im vergangenen Sommer gab es Medienberichte über einen möglichen Zusammenschluss zwischen Autogrill und Dufry. Diese wurden damals jedoch zurückgewiesen. Ende vergangenen Juni haben die beiden Unternehmen dann Fusionsgespräche bestätigt.