Drohender Strommangel
Chefökonom des Bundes erwartet keine Rezession

Entwarnung: Trotz drohender Energiekrise und Ukraine-Krieg muss die Schweiz keinen nachhaltigen Wirtschaftsabschwung befürchten. Das sagt Eric Scheidegger, Chefökonom des Bundes. Er will von Konjunkturpaketen nichts wissen.

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Eric Scheidegger vom Seco ist trotz der Herausforderungen zuversichtlich.

Eric Scheidegger vom Seco ist trotz der Herausforderungen zuversichtlich.

Archivbild: Keystone

Aktuell treiben die Inflation und Gaskrise die umliegenden europäischen Länder um. Auch die Schweiz ist nicht untätig, gibt sich jedoch gelassen. «Wie immer überprüfen wir laufend die Entwicklung des Krisenumfeldes», sagt Eric Scheidegger, Vizedirektor des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und Chefökonom des Bundes, in einem Gespräch mit der «SonntagsZeitung». «Gegenwärtig läuft die Wirtschaft nach wie vor gut.»

Zudem sei die Schweizer Wirtschaft weniger anfällig für hohe Energiepreise als andere europäische Länder, sagt Scheidegger. Der Grund: Der Gasanteil am gesamten Endenergieverbrauch ist deutlich geringer als etwa in Deutschland oder Italien. «Ich sage nicht, dass wir keine Probleme haben werden, aber wir sind deutlich besser aufgestellt.»

Schweiz ist «Insel der Glückseligkeit»

Auch der private Konsum entwickle sich trotz hoher Preise gut. «Die Preissteigerungen können offensichtlich abgefedert werden», sagt der Chefökonom. Auch habe man zum jetzigen Zeitpunkt «keinerlei Anzeichen» dafür, dass die hohen Preise ein generelles Problem werden. Gemessen an den 9 Prozent in den USA lebe die Schweiz mit einer Inflation von 3,4 Prozent auf «einer Insel der Glückseligkeit». Er geht davon aus, dass die Inflation ab Herbst wieder sinkt.

Für Scheidegger ist daher klar: «Konjunkturstützende Massnahmen wie allgemeine Vergünstigungen oder Steuerentlastungen sind deshalb derzeit weder nötig noch hilfreich». Denkbar sei jedoch eine gezielte Hilfe für die Schwächsten. Er denkt dabei etwa an eine befristete Erhöhung der Krankenkassenprämien-Verbilligung für die einkommensschwachen Haushalte, eine Anpassung der Sozialhilfe oder eine Erhöhung der AHV-Renten und Ergänzungsleistungen. «Wichtig ist, dass die Massnahmen rasch wirken und treffsicher sind.»

Auf und Ab der Erholung je nach Jahreszeit

Für die Schweiz erwartet Scheidegger in diesem Jahr keine Rezession. Problematisch werde es, wenn es wegen eines Versorgungsengpasses bei der Energie im Winter «zu anhaltenden Produktionsunterbrüchen in der EU kommt und wir dazu selber einen Gasmangel haben.» Allerdings sollte sich die Versorgungslage laut dem Chefökonomen mit den Frühlingsmonaten entschärfen und erst im übernächsten Winter wieder zur Herausforderung werden.

«Denkbar ist ein Auf und Ab der Erholung zwischen Winter, Sommer und Winter.» Dies sollte die Wirtschaft verkraften können, sagt Scheidegger. Auch seien sie zuversichtlich, «dass eine durch eine Mangellage verursachte Konjunkturdelle keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Beschäftigung haben wird». (abi)