Coronajahr
SBB verlieren 2020 ein Drittel Passagiere und machen 617 Millionen Verlust

Die SBB haben 2020 ein Drittel weniger Passagiere befördert. Trotz Bundesgeldern resultiert für den Schweizer Bahnkonzern unter dem Strich coronabedingt ein Minus von 617 Millionen Franken.

Samuel Thomi
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Hat in Krisenzeiten das Ruder übernommen: Vincent Ducrot, seit vergangenem April Chef der SBB.

Hat in Krisenzeiten das Ruder übernommen: Vincent Ducrot, seit vergangenem April Chef der SBB.

Keystone

Das Coronajahr hinterlässt auch in den Büchern der SBB heftige Einbrüche. So haben die Bundesbahnen letztes Jahr pro Tag im Schnitt noch 843'000 Reisende befördert. Gegenüber 2019 ist das ein Rückgang von mehr als einem Drittel. Auch die Personenkilometer sanken im selben Zeitraum um 40,6 Prozent, schreiben die SBB am Montag in einer Mitteilung zur Jahresmedienkonferenz. Im Fernverkehr sind die pro Person zurückgelegten Kilometer dabei um 43,7 Prozent stärker gesunken als im Regionalverkehr (-32,4 Prozent). Mit -51,2 Prozent fiel der Rückgang im internationalen Personenverkehr jedoch am stärksten aus. Als Grund für die Rückgänge nennt die SBB, an deren Spitze seit letztem April Vincent Ducrot steht, Massnahmen der Behörden zum Schutz vor dem Coronavirus.

Wie die SBB weiter schreiben, hat der drastische Nachfragerückgang im Coronajahr auch einschneidende finanzielle Folgen für die Bundesbahnen: Im Vergleich zum Vorjahr resultierten tiefere Personenverkehrserträge (−28,9 Prozent), tiefere Drittumsätze in den Bahnhöfen (−26,8 Prozent), tiefere Trassenerträge bei der Infrastruktur (−12,1 Prozent) und weniger Gütertransporte (−2,4 Prozent). «All dies schlägt sich im Konzernergebnis von -617 Millionen Franken nieder», schreibt die SBB. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte der Bahnkonzern im Bundesbesitz noch einen Gewinn von 463 Millionen Franken erwirtschaftet.

In allen Bereichen schmelzen die Gewinne

Nach Sparten betrachtet fiel der Verlust im Personenverkehr im vergangenen Jahr mit 661 Millionen Franken (Vorjahr: 215 Millionen Gewinn) am grössten aus. Der Bereich Immobilien schrieb zwar 244 Millionen Gewinn, im Vorjahr lag dieser aber noch bei 339 Millionen. SBB Cargo Schweiz und Cargo International schrieben 2020 derweil insgesamt 39,3 Millionen Verlust. Im Vorjahr hatte das Cargogeschäft in der Schweiz ausgeglichen abgeschlossen, im Ausland trug ein kleines Plus von 5,5 Millionen zum Konzernergebnis bei. Und weil letztes Jahr weniger Züge unterwegs waren, schreibt auch SBB Infrastruktur ein Defizit von 45,8 Millionen. Im Vorjahr resultierte hier noch ein Gewinn von 22,5 Millionen.

«Es ist der grösste Verlust seit der Ausgliederung der SBB vom Bund in eine Aktiengesellschaft», schreibt die Bundesbahn zum Konzernergebnis 2020. Trotz der finanziell sehr angespannten Situation will die SBB die Preise jedoch auch in Pandemiezeiten stabil halten und so die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs sichern. Trotzdem ist die Zahl der verkauften GAs im letzten Jahr bereits um 12,2 Prozent auf 439'000 Generalabonnements eingebrochen. Die Zahl der Halbtaxabonnements dagegen blieb laut SBB mit 2,72 Millionen stabil. Derweil schnellte der Online-Billettverkauf um knapp zehn Prozentpunkte auf 61,4 Prozent hoch.

Dank Zuversicht auch in Krise ins Kerngeschäft investieren

Auf die herausfordernde Pandemiesituation hat die SBB bereits vor knapp einem Jahr mit Sparmassnahmen reagiert. Diese beinhalten beispielsweise einen Einstellungsstopp in der Verwaltung, den Abbau von Gleitzeit- und Ferienguthaben und die Verschiebung respektive Streichung von Projekten und Investitionen. Diese Sofortmassnahmen leisteten laut SBB-Mitteilung vom Montag einen Sparbeitrag in dreistelliger Millionenhöhe.

«Die finanzielle Lage der SBB bleibt auch in den nächsten Jahren sehr angespannt», schreibt der Schweizer Eisenbahnkonzern zum Ausblick. Die Sparmassnahmen würden darum konsequent weitergeführt. Doch für die Nach-Corona-Zeit zeigt sich die SBB optimistisch: «Nach der Krise wird die Nachfrage wieder steigen», heisst es in der Mitteilung. Darauf würden sich die SBB nun gleichzeitig ebenfalls vorbereiten. Zum Beispiel mit Investition ins Kerngeschäft, insbesondere verstärkt in neues Rollmaterial.

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