Unfallversicherung
Ausserordentlicher Gewinn wegen Corona: Suva kündigt «historisch tiefe Prämien» an

Die Aktienmärkte sorgen für einen hohen Gewinn bei der Unfallversicherung. Wegen der Pandemie sind die Unfallzahlen letztes Jahr stark gesunken.

Maurizio Minetti
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Die Unfallversicherung Suva weist für das vergangene Jahr ein Betriebsergebnis von 241 Millionen Franken aus. Zum Vergleich: 2019 betrug der Betriebsgewinn 57,5 Millionen Franken. Damit konnte die Versicherung mit Hauptsitz in Luzern den Gewinn im Jahresvergleich mehr als vervierfachen. Von Jahr zu Jahr stark schwankende Gewinnzahlen sind bei der Suva allerdings nicht unüblich.

Auf dem Anlagenmarkt erwirtschaftete die Suva mehr als eine halbe Milliarde an überschüssigen Erträgen; die Anlageperformance erreichte 5,3 Prozent. Den grössten Beitrag zu diesem Ergebnis leisteten die Aktien, wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst. Nach den Turbulenzen im ersten Quartal zeichneten sich die Aktienmärkte 2020 durch eine starke Erholung aus. Die Suva investiert nach eigenen Angaben «wesentliche Anteile ihres Vermögens» in Aktien, Immobilien und Alternativanlagen.

Der Suva-Hauptsitz in Luzern.

Der Suva-Hauptsitz in Luzern.

Bild: Boris Bürgisser (23. März 2021)

Die Suva versichert in erster Linie Werktätige von Industrie- und Gewerbebetrieben. Insgesamt verzeichnete sie letztes Jahr 431'827 gemeldete Unfälle und Berufskrankheiten. Dies sind 10 Prozent weniger als 2019. Den stärksten Rückgang bei den Berufsunfällen vermeldete die Luftfahrt mit einem Minus von 54 Prozent. Auch die Entwicklung der Zahlen in der Nichtberufsunfallversicherung war geprägt von einem Rückgang aufgrund der eingeschränkten Freizeitaktivitäten. Insbesondere die Unfallzahlen bei Mannschaftssportarten waren stark rückläufig. So verzeichnete die Suva 37 Prozent weniger Fussballunfälle. Die Freizeitunfälle gingen um 10,9 Prozent zurück.

Durchschnittliche Prämienbelastung sinkt

Insgesamt resultierte aufgrund von Corona ein ausserordentlicher Überschuss in der Höhe von 253 Millionen Franken. Dieser Überschuss wird den Versicherten im Jahr 2022 in Form tieferer Prämien zurückerstattet, erklärt die Suva. Die Höhe der Prämienreduktion werde durch den effektiv beobachteten Kostenrückgang der jeweiligen Risikoklasse (sprich: Branche) definiert. Im Durchschnitt würden die Rückerstattungen in der Berufsunfallversicherung 7,3 Prozent und in der Nichtberufsunfallversicherung 6,8 Prozent der Nettoprämie betragen.

Die durchschnittliche Prämienbelastung der Versicherten werde damit sowohl in der Berufsunfallversicherung wie auch in der Nichtberufsunfallversicherung im Jahr 2022 «historisch tief sein», schreibt die Suva. «Grund sind die Rückerstattung des pandemiebedingten Überschusses und die Erstattung von überschüssigen Anlageerträgen in der Höhe von insgesamt 779 Millionen Franken», erklärte Suva-CEO Felix Weber an einer Medienkonferenz.

Die Suva ist eine der grössten Immobilienbesitzerinnen des Landes. Wie Finanzchef Hubert Niggli ausführte, habe man sich letztes Jahr generell an der politischen Diskussion orientiert, sprich Mietzinserlässe durchgeführt und individuelle Vereinbarungen mit Mietern getroffen. «Die Verluste aus den tieferen Mietzinseinnahmen bewegen sich im einstelligen Millionenbereich und tragen nicht wesentlich zum Gesamtergebnis bei», sagte Niggli. Das Immobilienportfolio befinde sich in einem guten Zustand.

Bis 2027 werden 170 Vollzeitjobs gestrichen

Bei der Suva laufen derzeit diverse Projekte. So soll mit dem Programm «Smart Care» die Personalisierung und Digitalisierung des Schadenmanagements vorangetrieben werden. Das Programm schreite planmässig voran und befinde sich in der Pilotphase, teilt die Suva weiter mit. Bis 2027 soll das Programm umgesetzt sein. Künftig werden Regelwerke mit Hilfe künstlicher Intelligenz die Steuerung der Schadenfälle übernehmen. Repetitive Arbeiten erledigt eine Software. Komplexe Aufgaben werden aber nach wie vor von Suva-Mitarbeitenden erledigt.

Das Vorhaben ist seit knapp zwei Jahren bekannt. Es wird – wie berichtet – nach heutigem Kenntnisstand dazu führen, dass bis 2027 voraussichtlich 20 Prozent der über 800 Vollzeitstellen im Schadenmanagement gestrichen werden. Das entspricht rund 170 Vollzeitstellen. Den allergrössten Teil davon will die Suva durch natürliche Fluktuation wie Pensionierungen, Kündigungen durch Mitarbeitende oder interne Stellenwechsel abdecken.

Das Projekt «Structuro» hingegen beinhaltet laut der Suva keinen Stellenabbau. Mit diesem Projekt sollen die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, indem die Zuständigkeiten beim Schadenmanagement angepasst und auf das digitale Schadenmanagement ausgerichtet werden. Die neuen Strukturen und Prozesse treten ab Anfang 2022 in Kraft. Alle 18 Agenturen werden weitergeführt und sind neu direkt dem CEO unterstellt.

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