Arbeitsmarkt
Dank Kurzarbeit hielt sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit letztes Jahr in Grenzen

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag 2020 bei 3,1 Prozent. Das ist mehr als 2019, aber angesichts der Coronakrise fiel sie tiefer aus als erwartet, so die Bilanz des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco).

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Die RAV-Zentren waren trotz Kurzarbeitsentschädigung dieses Jahr stark gefordert.

Die RAV-Zentren waren trotz Kurzarbeitsentschädigung dieses Jahr stark gefordert.

Keystone

(dpo) Boris Zürcher vom Seco spricht mit Rückblick auf das Coronajahr 2020 einige Male von «historischen» oder «nie da gewesenen» Werten. Historisch sei im ersten Halbjahr etwa der Einbruch der Wertschöpfung um knapp neun Prozent gewesen, sagte der Leiter der Direktion für Arbeit am Freitag vor den Medien in Bern. Aber auch das Instrument der Kurzarbeitsentschädigung sei in einem nie da gewesenen Mass zum Zug gekommen.

«Bis Ende Dezember 2020 sind 9,2 Milliarden Franken ausbezahlt worden», führte Boris Zürcher aus. Zum Vergleich: Im ausserordentlich guten Vorjahr 2019 seien lediglich 27,5 Millionen ausbezahlt worden. Wie viel Gelder aber insgesamt geflossen sind, könne das Seco erst in einigen Monaten sagen, da die Abrechnungsperioden der Unternehmen noch liefen.

Missbräuche halten sich in Grenzen

Insgesamt registrierte das Seco für letztes Jahr im Schnitt 145‘720 arbeitslose Personen. Dies entspricht einer Zunahme von 36,3 Prozent gegenüber 2019. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent ist im Coronajahr nur um 0,8 Prozentpunkte gegenüber 2019 gestiegen. Dies hat gemäss Zürcher vor allem einen Grund: «Die Kurzarbeitsentschädigung hat massiv geholfen den Arbeitsmarkt zu stabilisieren.» So sei es bisher auch nicht zu den befürchteten Massenentlassungen gekommen.

9,2 Milliarden Franken für Kurzarbeit ist eine Menge Geld. Da sei es verständlich, dass der Fokus auf die Missbräuche falle, sagte Oliver Schärli, Leiter des Bereichs Arbeitsmarkt/Arbeitslosenversicherung. Allerdings halte sich dieser in Grenzen. «Im Moment stellen wir nicht fest, dass der Missbrauch zugenommen hat», so Schärli. Lediglich 10 Prozent der Unternehmen versuchten zu schummeln. Das seien etwa gleich viele wie während der Finanzkrise von 2008.

Schärli versicherte, dass die Kontrolle von Missbräuchen auch weiterhin durchgeführt werden. «Wir werden dieses und nächstes Jahr 2500 Arbeitgeberkontrollen durchführen.» Dazu habe sich das Seco auch personell verstärkt.

Viele Fehler bei Abrechnung

Allerdings habe es bei den Abrechnungen für Kurzarbeitsentschädigung sehr viele Fehler gegeben. Oliver Schärli führt dies auf das komplexe Verfahren zurück. Viele Unternehmen würden zum ersten Mal Kurzarbeit abrechnen und nicht bewusst Fehler begehen.

Mit Blick in die Zukunft sagte Boris Zürcher vom Seco, dass die Situation unsicher sei. Die Beschäftigung werde 2021 nur moderat wachsen und die konjunkturellen Risiken blieben weiterhin hoch. Der Ökonom geht zudem davon aus, dass das Instrument der Kurzarbeit seine Wirkung nochmals entfalten könne. «Die Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen wird uns weiterhin beschäftigen», so Zürcher weiter.

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