Arbeitsmarkt
Betriebe sind weniger widerstandsfähig als vor dem ersten Lockdown

Nachdem sich die Schweizer Wirtschaft wieder teilweise erholen konnte, hat die zweite Welle diese positive Entwicklung gebremst. Aus Sicht des Arbeitgeberverbandes sind viele Betriebe am Anschlag. Er befürchtet einen Stellenabbau.

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Gemäss Arbeitgeberverband betrifft die jetzige Krise den Dienstleistungssektor stärker als den Industriesektor.

Gemäss Arbeitgeberverband betrifft die jetzige Krise den Dienstleistungssektor stärker als den Industriesektor.

Keystone

(agl/abi) Viele Unternehmen haben sich erst gerade vom ersten Lockdown erholt und stehen nun in der zweiten Welle erneut vor «teilweise existenziellen Herausforderungen», wie der Arbeitgeberverband (SAV) in seinem Beschäftigungsbarometer schreibt. Mit dem am Donnerstag erstmals veröffentlichte Bericht analysiert er mittels eines vertieften Branchenvergleichs den Arbeitsmarkt. «Er soll helfen, diesen noch besser zu verstehen», sagte SAV-Präsident Valentin Vogt vor den Medien.

«Viele Betriebe, die nach der ersten Corona-Welle finanziell bereits stark angeschlagen sind, werden erneute Einschränkungen kaum oder nur mit Kosteneinsparungen beim Personal durchstehen können», schreibt der Verband weiter. So schätzten insbesondere das Gastgewerbe und die exportabhängige Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) ihre Geschäftslage im vierten Quartal 2020 als schlecht ein. Deren Beschäftigungsindikator zeigt deutlich nach unten, ebenso im Grosshandel.

200'000 Arbeitslose erwartet

«Grundsätzlich betrifft die jetzige Krise den Dienstleistungssektor stärker als den Industriesektor», sagte Simon Wey, Chefökonom und Autor des Beschäftigungsbarometer. Zwar sei die hiesige Wirtschaft vergleichsweise stabil geblieben, trotzdem bleibe die Einschätzung vieler Branchen negativ. Wey befürchtet denn auch, dass es zu einem Stellenabbau kommen wird. Verbandspräsident Vogt schätzt, dass im Frühling die Schwelle von 200'000 Arbeitslosen überschritten werde – «vor allem, weil die Unternehmen weniger Personal einstellen».

Die Härtefallregelung des Bundes sei deshalb für viele Betriebe «geradezu essenziell», heisst es weiter. Sie könnte in stark betroffenen Branchen eine Konkurswelle verhindern, die städtische Hotellerie sei etwa ohne staatliche Hilfen «akut gefährdet». Ebenso zentral ist laut den Arbeitgebern, dass Rahmenbedingungen wie Drittbetreuungsangebote erhalten bleiben. Nur so könne sich die Wirtschaft nach der Krise rasch und ohne Einschränkungen erholen.