Trockenheit
Hitzewelle setzt den Schweizer Gewässern weiter zu

Sinkende Pegel und steigende Wassertemperaturen: Die Schweizer Gewässer ächzen unter der Hitzewelle. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Erste Gemeinden rufen bereits zum Wassersparen auf.

André Bissegger
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Niedrigwasser: Mitte Juni war die Emme bei Aefligen im Kanton Bern fast ausgetrocknet.

Niedrigwasser: Mitte Juni war die Emme bei Aefligen im Kanton Bern fast ausgetrocknet.

Bild: Esther Scheidegger/ Bafu

Aktuell rollt eine weitere Hitzewelle über die Schweiz. Ihren Höhepunkt soll sie zu Beginn der kommenden Woche mit Temperaturen weit über der 30-Grad-Marke erreichen. Bereits jetzt sind die Pegel der Schweizer Gewässer vielerorts deutlich tiefer als sonst. Nun verschärfen die trockene Witterung und die steigenden Temperaturen die Situation.

Erste Gemeinden haben bereits reagiert und rufen zum Wassersparen auf – etwa im Kanton Freiburg. Dort haben einzelne Gemeinden teilweise auch Verbote ausgesprochen, wenn es ums Autowaschen, das Befüllen des Pools oder das Bewässern des Rasens geht. Der Kanton bestätigte am Mittwoch auf Anfrage von CH Media eine entsprechende Meldung von «20 Minuten». Auch im Tessin wird die Bevölkerung mittels Plakatkampagne zum Wassersparen aufgerufen.

Noch kein Thema ist die mögliche Wasserknappheit in der Landwirtschaft. Anders als bei der letzten längeren Trockenperiode im Juni sind dem Schweizerischen Bauernverband keine Einschränkungen bei der Wasserentnahme aus Oberflächengewässer bekannt, wie er auf Anfrage mitteilte. Allerdings rechnet der Verband in den kommenden Wochen damit – vor allem, wenn Regen ausbleibt und die Temperaturen weiter steigen.

Kein Regen in Sicht, Schnee im Gebirge bereits geschmolzen

Die trockene Witterung führte bereits dazu, dass in den vergangenen Tagen die Wasserstände an allen grösseren Gewässern gesunken sind – sie weisen mehrheitlich unterdurchschnittliche Werte auf. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten hydrologischen Bulletin des Bundesamts für Umwelt (Bafu) hervor. In der Westschweiz und auf der Alpensüdseite würden an mehreren Stationen Niedrigwasserabflüsse gemessen, «wie sie nur alle 2 bis 5 Jahre auftreten».

Da es in den kommenden Tage nicht regnen wird, werden die Pegel der Gewässer in der ganzen Schweiz weiter sinken. Das gab das Bafu am Mittwoch auf Anfrage von CH Media bekannt. Und da der Schnee im Gebirge grösstenteils bereits geschmolzen sei, komme auch von dort kaum mehr zusätzliches Wasser.

Das Bafu erwartet für viele Flüsse «sehr niedrige Abflüsse». Ausnahmen bilden Gebirgsflüsse in Gletschereinzugsgebieten. Auch die Pegelstände aller Seen werden sinken. Zwar bewegen sich die Wasserstände vieler Seen «im Bereich ihrer saisonalen Normwerte», es gibt aber auch hier Ausnahmen: Der Vierwaldstätter-, der Walen- und der Bodensee sowie vor allem der Lago Maggiore und der Lago di Lugano weisen aktuell unterdurchschnittliche Werte auf.

Gewitter entspannten Situation nur kurzzeitig

Die heftigen Gewitter und starken Niederschläge von Ende Juni und Anfang Juli, bei denen etwa ein Ausflugshotel im Emmental überflutet wurde, brachten nur kurzzeitig Entspannung. Nachhaltig waren sie nicht. Laut Bafu liessen sie zwar die Pegel kurzfristig ansteigen und haben in vielen Gebieten dafür gesorgt, dass die oberen Bodenschichten angefeuchtet wurden. «Viel Wasser wurde aber auch direkt für die Vegetation gebraucht», schreiben die Behörden.

Vielmehr bräuchte es mehrere Tage Landregen, um die Situation etwas nachhaltiger zu entspannen – vor allem, damit die tiefen Seepegel auf der Alpensüdseite und beim Bodensee wieder ansteigen.

Nicht gefährdet ist das Grundwasser, das viel langsamer reagiert als Flüsse und Seen. Die Grundwasserstände sind laut Bafu normal, teilweise tief aufgrund des Niederschlagsdefizits der letzten Wochen. Allerdings sei die Tendenz nicht einheitlich, da es regional je nach Lage und Untergrund Unterschiede gebe.

Schaffhausen leitete Notfall-Konzept für Fische ein

Die steigenden Temperaturen in Kombination mit den kleineren Abflussmengen und der hohen Sonneneinstrahlung führen dazu, dass sich vor allem kleinere Gewässer stark erwärmen. Das ist eine Gefahr für im Wasser lebende kälteliebende Tiere.

So teilte etwa der Kanton Schaffhausen am Dienstag mit, dass sich der Druck auf die Fischbestände im Rhein erhöht – insbesondere bei Äschen und Forellen. Er hat daher das Notfall-Konzept Äschen eingeleitet. Dabei werden Bachmündungen und Grundwasserausstösse künstlich ausgebaut, um die Überlebenschancen der Fische zu verbessern.