Paralympics
Fünf Medaillen an einem Tag: Schweizer Wahnsinn in Tokio

Das beeindruckende Schweizer Mannschaftsergebnis an den Paralympischen Spielen erreicht am Donnerstag einen vorläufigen Höhepunkt. Gleich dreimal Gold und zweimal Bronze stehen zu Buche.

Dan Urner
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Drittes Rennen, drittes Gold: Rollstuhlathlet Marcel Hug beeindruckt in Tokio.

Drittes Rennen, drittes Gold: Rollstuhlathlet Marcel Hug beeindruckt in Tokio.

Keystone

Es ist ein Sportsommer ganz nach dem Gusto der Schweiz. Erst bezwang die Fussball-Nati ihren Achtelfinal-Fluch ausgerechnet gegen Weltmeister Frankreich und zog furios in den EM-Viertelfinal ein, dann übertraf die Schweizer Olympia-Delagation in Tokio ihre Medaillenerwartungen deutlich. Und an gleicher Stelle ereignet sich an den Paralympischen Spielen gegenwärtig eine weitere eidgenössische Erfolgsgeschichte.

Sechs Medaillen sollten es in Tokio sein, lautete die erklärte Zielvorgabe seitens Roger Getzmann, Chef de Mission von Swiss Paralympic. Dieses Ziel hat die Schweizer Delegation in Tokio nicht nur erreicht – sondern gar deutlich übertroffen. Bereits am Dienstag war das halbe Dutzend gefüllt, inzwischen steht mit zwölf Medaillen gar doppelt so viel Edelmetall auf der Habenseite wie vorab gefordert.

Viermal Edelmetall innert einer Stunde

Der Donnerstag entwickelte sich zum vorläufigen Höhepunkt des paralympischen Sommermärchens. Insgesamt drei Gold- und zwei Bronzemedaille waren zu bejubeln. Zwischen 12.45 Uhr und 13.37 Uhr (MEZ) hagelte es gleich vier Schweizer Medaillen. Die Chronologie der Ereignisse:

Volle Konzentration: Catherine Debrunner ergatterte mit einer Glanzleistung ihr erstes paralympisches Gold.

Volle Konzentration: Catherine Debrunner ergatterte mit einer Glanzleistung ihr erstes paralympisches Gold.

Keystone

12.45 Uhr: Catherine Debrunner sichert sich mit einem überlegenen Start-Ziel-Erfolg Gold im T53-Rollstuhlrennen über 400 Meter. Über 800 Meter hatte sie einige Tage zuvor schon Bronze davongetragen. Die 26-jährige Thurgauerin gibt ungläubig zu Protokoll: «Für mich war eine Medaille hier in Tokio ein Traum, an eine goldene hab ich nie gedacht. So ganz checke ich das noch nicht.»

12.52 Uhr: Manuela Schär übernimmt an der in der letzten Kurve die Spitzenposition beim T54-Rollstuhlrennen über 400 Meter – und triumphiert. Für die Luzernerin ist es bereits die vierte Medaille in Tokio, davon die zweite goldene. «Es ist unglaublich, was hier passiert», sagt die schier fassungslose 36-Jährige im Anschluss.

Manuela Schär bejubelt ihre Goldmedaille über 400 Meter.

Manuela Schär bejubelt ihre Goldmedaille über 400 Meter.

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13.17 Uhr: Weitspringerin Elena Kratter verbessert bei regnerischen Bedingungen nicht nur ihre persönliche Bestweite, die zuvor bei 4,69 Metern gelegen hatte. Ihre Weite von 5,01 Metern reicht auch zur umjubelten Bronzemedaille in der Kategorie T63.

13.37 Uhr: Marcel Hug rundet mit seiner bereits dritten Goldmedaille an diesen Paralympics den spektakulären Tag der Schweizer Delegation ab. Der Thurgauer Rollstuhlathlet siegt im T54-Final über 800 Meter, nachdem er zuvor bereits über 1500 Meter und 5000 Meter triumphiert hatte.

Wenige Stunden zuvor hatte sich die Schwimmerin Nora Meister für eine starke Leistung mit Bronze belohnt. Die erst 18-jährige Aargauerin wurde Dritte über 400 Meter Freistil.

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