Berner Jura
Zum ersten Mal in der Schweiz: Steinadler verendete an Windkraftanlage

Im vergangenen Jahr flog ein Steinadler gegen eine Windkraftanlage im Berner Jura und verstarb. Birdlife sieht die Zunahme von Windprojekten auf den Jurahöhen als eine Bedrohung für die Vogelart.

Dario Pollice
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Der Steinadler prallte gegen die Rotorblätter der Windkraftanlage und verlor sein Leben.

Der Steinadler prallte gegen die Rotorblätter der Windkraftanlage und verlor sein Leben.

Birdlife Suisse

Der Steinadler war einst in ganz Mitteleuropa verbreitet. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichten dessen Bestände einen Tiefststand. Nur der strenge Schutz hat den grossen Greifvogel vor der Ausrottung bewahrt. Inzwischen ist er im Alpenraum fest etabliert und besiedelt seit einigen Jahren auch wieder das Juramassiv.

Doch der Mensch kann dem Steinadler immer noch gefährlich werden, wenn auch nicht mehr durch Verfolgung. Diese Erfahrung musste ein ausgewachsener Vogel Anfang November machen: Ein Adler verstarb, als er gegen die Rotoren einer Windkraftanlage im Windpark Mont-Soleil flog, wie Birdlife Suisse am Dienstag schreibt. Zuerst berichtete «Le Matin» darüber.

Ein Wanderer habe den Unfall im Berner Jura beobachtet, Fotos vom toten Greifvogel gemacht und diese der Naturschutzorganisation geschickt. Es handle sich um den ersten dokumentierten Unfall eines Steinadlers mit einer Windkraftanlage in der Schweiz, so Birdlife.

Energiewende ja, aber nicht auf Kosten der Biodiversität

Die Naturschutzorganisation zeigt sich besorgt. Die zunehmende Zahl von Windparkprojekten in den Bergen stellten eine «ernsthafte Bedrohung» für den Adler dar, lässt Birdlife verlauten. Vor allem grosse Greifvögel seien anfällig für Propeller und Stromleitungen, die sich mitten in ihren Gebieten befinden.

François Turrian, Westschweizer Direktor von Birdlife, befürchtet, dass sich solche Unfälle häufen könnten. «Dieser erste nachgewiesene Kollisionsfall wird sich in Zukunft leider wiederholen, vor allem wenn die Windkraftprojekte rund um den Creux-du-Van, einer Region, die bereits vom Adler besiedelt ist, realisiert werden», zitiert ihn die Mitteilung.

Die Naturschutzorganisation betont, dass die Energiewende nicht auf Kosten der Biodiversität gehen sollte. Um dies zu verhindern, sei eine sorgfältige Planung der Projekte unerlässlich. Gegebenenfalls müsse auch auf problematische Standorte für Windparks verzichtet werden.

Anlagebetreiber und Naturschützer im Clinch

Der neuerliche Vorfall dürfte erneut die Diskussion um Windkraftanlagen anheizen. Diese führen regelmässig zum Clinch zwischen den Betreibern der Anlagen und Naturschutzverbänden. So hat erst im November das Bundesgericht Beschwerden von Naturschützern gegen einen neuen Windpark auf dem Grenchenberg (SO) teilweise gutgeheissen.

Zwei der sechs geplanten Windenergieanlagen könnten nicht genehmigt werden, urteilte das höchste Gericht. Der Windpark könne somit nur in reduziertem Umfang gebaut werden.