Nations League
Starstürmer bringen die Wende: Frankreich bezwingt Spanien im Nations-League-Final

In einem zumeist taktisch geprägten Endspiel bleiben Torchancen zunächst Mangelware. Nach gut einer Stunde brechen furiose Minuten an – mit dem besseren Ende für den Weltmeister.

Dan Urner
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Spaniens Mikel Oyarzabal (links) im Zweikampf gegen den verletzt ausgewechselten Franzosen Raphaël Varane.

Spaniens Mikel Oyarzabal (links) im Zweikampf gegen den verletzt ausgewechselten Franzosen Raphaël Varane.

Bild: Keystone

Frankreich hat zumindest teilweise Wiedergutmachung für die enttäuschende Europameisterschaft im Sommer betrieben. Die Equipe von Trainer Didier Déschamps setzte sich in einem lange taktisch geprägten Final der Nations League mit 2:1 gegen Spanien durch. Nach einer eintönigen ersten Halbzeit brachten ungleich animiertere zweite 45 Minuten die Entscheidung im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion.

Die Franzosen machten zu Beginn den wacheren und handlungsschnelleren Eindruck. «Les Bleus» entschieden sich für ein hohes Pressing und übernahmen auch spielerisch die Initiative, über den Status als vielversprechende Ansätze kamen die Vorstösse gleichwohl nicht hinaus.

Doch nach knapp 15 Minuten kam auch Spanien, das im Halbfinal gegen Italien mit seiner unbekümmerten Spielweise reüssiert hatte, allmählich besser zurecht, riss mehr Ballbesitz und Kontrolle an sich. Es entwickelte sich ein Abtasten zwischen zwei bestens organisierten Mannschaften, im Spiel nach vorn fehlten Überraschungsmomente. Jene Fans, die sich primär an den taktischen Feinheiten des Fussballs erfreuen können, kamen voll auf ihre Kosten; ansonsten lebte der Match einzig von der Spannung. Bei einem direkten Freistossversuch von Marcos Alonso näherte sich der Ball dem Tor immerhin mal kurzzeitig an (36.).

Für Aufregung sorgte für einmal die verletzungsbedingte Auswechslung von Raphaël Varane. Der französische Abwehrchef musste kurz vor der Pause durch Dayot Ubamekano ersetzt werden (43.), nachdem er sich ohne gegnerisches Zutun muskuläre Probleme zugezogen hatte.

Verrückte drei Minuten

Nach Wiederanpfiff mühten sich beide Teams um mehr Tempo und Zielstrebigkeit. Und plötzlich begannen verrückte drei Minuten, als hätte sich der Final jede Unterhaltung für eine einzige kurze Zeitspanne aufsparen wollen. Frankreich zog einen perfekt ausgespielten Konter auf – und hatte Pech, Theo Hernández scheiterte an der Latte (63.). Der Ärger über die vergebene Grosschance war noch nicht vollständig abgeklungen, als sich das Geschehen plötzlich auf der Gegenseite abspielte: Mikel Oyarzabal setzte sich nach einem langen Pass von Sergio Busquets stark gegen den eingewechselten Upamekano durch und schloss zur spanischen Führung ab (64.). Frankreich reagierte ohne mit der Wimper zu zucken. Karim Benzema hatte die postwendende zur Antwort parat, der Stürmer von Real Madrid schlug einen Haken und setzte den Ball traumhaft ins lange Eck.

Unai Simón fliegt vergebens: Der Sonntagsschuss von Karim Benzema (nicht im Bild) ist nicht zu halten.

Unai Simón fliegt vergebens: Der Sonntagsschuss von Karim Benzema (nicht im Bild) ist nicht zu halten.

Bild: Keystone

Spätestens jetzt wich der auf Vorsicht getrimmte Sicherheitsfussball dem zuvor schlummernden Torhunger der Teams, die auf eine Entscheidung in der regulären Spielzeit drängten. Vor allem die Franzosen erhöhten die Schlagzahl – und konnten sich auf ihre geballte Starpower im Angriff verlassen: Kylian Mbappé blieb nach einem Steilpass von Theo Hernández cool und schob flach zum Siegtreffer ein (80.). Oyarzabal (88.) und Yeremi Pino (90.+4) verpassten gegen Goalie Hugo Lloris den Ausgleich.

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