Nations League
Was für eine Klatsche! Planet Ronaldo und seine Portugiesen überrennen inferiore Schweizer

Die Mannschaft von Trainer Yakin verliert auch das zweite Spiel in der Nations League, diesmal haushoch mit 0:4 nach einer desaströsen Leistung. Superstar Ronaldo trifft für Portugal in seinem Sporting-Stadion zweimal. Gegenwehr von der Schweiz gibt es keine.

Christian Brägger, Lissabon
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Die Schweizer Nati ist gegen die Portugiesen überfordert. Grosse Schuld daran hat Superstar Cristiano Ronaldo.

Die Schweizer Nati ist gegen die Portugiesen überfordert. Grosse Schuld daran hat Superstar Cristiano Ronaldo.

Keystone

Ist die Schweiz in Form? Überhaupt nicht. Wehrt sie sich? Nach Kräften muss man sagen, wobei diese sehr ungleich verteilt sind gegen die Weltauswahl der Portugiesen. Auch muss man mit Schrecken feststellen, dass die Schweiz nicht nur in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit einen desolaten Eindruck hinterlässt, aber besonders dann. Alleine Ronaldo könnte in dieser Phase vier oder fünf Tore schiessen.

Es sind dann nur deren zwei, was für den 37-Jährigen, der von einem anderen Planeten zu kommen scheint, im 187. Länderspiel die Treffer 116 und 117 bedeuten. Was für eine sagenhafte Bilanz. Und welche Lust er hat, im Nationaldress zu glänzen.

Die Schweiz geht schweren Zeiten entgegen

Weil ebenfalls Carvalho in der 15.Minute und Cancelo in der 68.Minute treffen, verliert die Mannschaft von Murat Yakin gleich mit 0:4. Exakt vor drei Jahren unterlag die Schweiz in Porto gegen denselben Gegner 1:3, man darf nur einmal raten, wer damals dreimal traf. Heute geht die Schweiz schweren Zeiten entgegen, nach der zweiten Niederlage in der Nations League steht sie nun mit dem Rücken zur Wand und null Punkten in der Hand da.

Haris Seferovic trifft zur vermeintlichen Führung für die Schweiz. Das Tor wird wegen eines Handspiels aberkannt. Im Kopfballduell vor dieser Aktion geht Fabian Schär der Ball an die Hand.
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Die Portugiesen jubeln nach dem Führungstor. William Carvalho trifft in der 15. Minute.
Cristiano Ronaldo erhöht auf 2:0. Der 37-Jährige trifft in seinem Sporting-Stadion.
Die Schweizer starten gut in die Partie. Ab der 30. Minute waren sie dann aber kaum mehr zu sehen.
Ronaldo schnürt in der 40. Minute den Doppelpack.
Der Super-Star hätte vor der Pause gar den Hattrick realisieren können. In der 51. Minute trifft er nochmals, aber aus einer Abseitsposition.
Immer einen Schritt zu spät: João Cancelo erhöht auf 4:0.
Die Nati-Spieler bedanken sich nach dem schwachen Auftritt bei den mitgereisten Fans.
Für Murat Yakin gibt es noch einiges zu tun. Am Donnerstag spielt die Schweiz in Genf gegen Spanien.

Haris Seferovic trifft zur vermeintlichen Führung für die Schweiz. Das Tor wird wegen eines Handspiels aberkannt. Im Kopfballduell vor dieser Aktion geht Fabian Schär der Ball an die Hand.

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Die nächste Begegnung am Donnerstag gegen Spanien dürfte kaum einfacher werden, immerhin hat die Schweiz in Genf dann einen Heimauftritt. Es kann tatsächlich nur noch besser werden, und gegen die Iberer, die gleichzeitig in Tschechien 2:2 spielen, geht es dann schon gegen den Abstieg aus der Topliga der Nations League.

Wobei die Schweiz im Länderspieljahr 2022 weiterhin keinen Vollerfolg hat nach vier Partien. Auch muss es zu denken geben, wie die Mannschaft verteidigt. Frei, Schär, Mbabu und Rodriguez tun das nämlich überhaupt nicht gut an diesem Abend. Aber auch ihre Mitspieler zeigen eine bedenkliche Leistung.

Der Anfang ist noch gut

Dabei findet die Schweiz gar nicht so schlecht in die Partie, nach einem Corner setzt Seferovic in der fünften Minute nach und erzielt das 1:0. Doch der Treffer zählt nicht nach der Videokonsultation, weil Schär im Kopfballduell davor mit der Hand den Ball berührt hat. Danach wird aber schnell einmal klar: Wenn die Portugiesen mit Tempo spielen, haben die Schweizer grosse Mühe.

Deshalb ist ja das Foul von Schär an der Strafraumgrenze nötig. Ronaldo schiesst den fälligen Freistoss mit voller Wucht. Mbabu fälscht beim Aufspringen den Ball ab, weshalb Kobel diesen nur noch vorne abprallen lassen kann. Und Carvalho nur noch einzuschieben braucht. Es ist ein Gegentor in der 15. Minute, wie es gerade typisch ist für die Schweiz. Voller Unvermögen und mit Pech.

Mit der Führung im Rücken haben die Portugiesen genau das, was sie wollen. Sie können sich aufs Abwarten verlegen, die Schweizer, die wieder im 4-2-3-1 und nicht im 4-4-2 agieren, sollen das Spiel machen. Sie kommen zwar langsam wieder besser in Fahrt, mehr als Versuche aus der Distanz haben sie aber nicht. Und dann kommt es eben zu diesen Ronaldo-Minuten, in denen der Superstar zweimal innert vier Minuten trifft.

Wahnsinnig, wie die Schweizer diese Tore verhindern wollen. Es ist fast schon peinlich. Das erste Mal kann Ronaldo vom Elfmeterpunkt ungehindert abziehen, das zweite Mal ist er aus nächster Nähe zur Stelle. Es droht der Kollaps, es könnten weit mehr Gegentore fallen. Und es ist offensichtlich, dass die Schweiz in dieser Formation auch nicht eingespielt ist.

Zu viele Wechsel in der Startformation

Yakin hat sein Team im Vergleich zum 1:2 gegen Tschechien nämlich auf sieben Positionen verändert, Stichwort Belastungssteuerung. Und Erkenntnisgewinn für die WM. Wie dieser an diesem Abend vor 42'350 Zuschauern wohl ausfällt? Kobel steht anstelle Sommers auf dem Platz, Frei für Elvedi, Mbabu für Widmer, Steffen für Okafor. Auch Freuler bleibt draussen, für ihn läuft Shaqiri im Zentrum hinter der einzigen Sturmspitze Seferovic auf, der Embolo ersetzt. Den siebten Tausch muss Yakin kurz vor Spielbeginn vornehmen, weil sich Vargas beim Einlaufen eine Verletzung am Oberschenkel zuzieht, deshalb spielt Lotomba.

Doch auch Santos hat sechs Neue in seine Startformation gebracht, und vor allem bringt er ihn, Cristiano Ronaldo, in dessen Heimstadion. In der zweiten Halbzeit trifft er bald einmal ein drittes Mal, das Tor zählt wegen Abseits nicht. Immerhin nehmen die Portugiesen nun Tempo raus, was dennoch bleibt: Xhaka, Shaqiri und Co. haben kaum Aktionen, geschweige denn eine Wirkung.

2008 letztmals so hoch verloren – ein böses Omen?

Vielmehr ist es Cancelo, der den herauseilenden Kobel umdribbelt und in der 68. Minute das 4:0 für Portugal erzielt. Wie haben all diese technisch versierten Lusitaner Freude an diesem Pfingstsonntag. Und was für einen Frust haben die Schweizer. Stellvertretend dafür steht das üble Foul des eingewechselten Embolo, da könnte man auch die rote Karte zeigen.

Immerhin kommt Bottani noch zu seinem Debüt, der Tessiner hat es sich gewiss anders vorgestellt. Ansonsten bleibt das Heimteam gnädig, manchmal rettet Kobel, doch wenn es am Ende eine Niederlage mit acht oder neun Gegentreffern gäbe, könnten sich die Schweizer nicht beklagen. Im Jahr 2008 haben sie das letzte Mal so hoch verloren. Damals gegen Deutschland in einem Test, danach gab es eine schwache Heim-EM. Wenn das nur kein böses Omen ist für die bevorstehende WM.