Junioren-Fussball
Massenschlägerei von Embrach: Clubs kritisieren Verbandsurteil scharf

Nach dem Cup-Viertelfinal zwischen den A-Junioren von Glattbrugg und Embrach kam es zur Massenschlägerei. Nun zeigen sich beide Clubs über die Sanktion enttäuscht. Und ein Club macht Einsprache.

Gina Kern
Drucken
Teilen
Fans und Junioren des FC Embrach und des FC Glattbrugg gehen nach dem Cup-Viertelfinal vom 19. Mai aufeinander los.

Fans und Junioren des FC Embrach und des FC Glattbrugg gehen nach dem Cup-Viertelfinal vom 19. Mai aufeinander los.

Screenshot Leservideo «Blick.ch»

«Ein weiteres Mal sind wir enttäuscht über den Entscheid des Fussballverbandes Region Zürich. So ist aus unserer Sicht das Strafmass unverhältnismässig und willkürlich.»

So beginnt der FC Embrach seine jüngste Stellungnahme zur Massenschlägerei vom 19. Mai. Damals haben die A-Junioren aus dem Zürcher Unterland ihre Gegner aus Glattbrugg im Viertelfinal mit 2:1 aus dem Cup geworfen. Was danach passierte, wurde zum absoluten Horror und endete für einen Spieler des FC Embrach gar im Spital. Er musste mit verlorenen Zähnen notoperiert werden.

Die Massenschlägerei auf dem Fussballplatz wurde mit Handys aufgenommen.

CH Media Video Unit/Blick.ch

Doch wie lauten nun die Strafen für die beiden betroffenen Clubs? Der Präsident des FC Embrach wollte gegenüber CH Media keine Stellung nehmen. Die ausgesprochenen Sanktion verantwortet der oberste Chef der Spielbetriebe des Fussballverbandes Region Zürich (FVRZ), Willy Scramoncini:

«Wir können über das Urteil keine Auskunft geben, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt.»

Laufendes Verfahren, obwohl ein Urteil da ist? Scramoncini differenziert am Samstag im Gespräch: «Der FC Glattbrugg hat gegen das Urteil Einsprache erhoben.» Embrach ist zwar ebenfalls sauer über den Entscheid des FVRZ, verzichtet jedoch auf eine Einsprache, wie der Fussballclub auf der Webseite schreibt. Der FC Glattbrugg bestätigte den Einspracheentscheid gegenüber CH Media, wollte sich aber nicht ausführlich zum Thema äussern.

Ist beim Zürcher Fussballverband für die Disziplin verantwortlich: Willy Scramoncini.

Ist beim Zürcher Fussballverband für die Disziplin verantwortlich: Willy Scramoncini.

Zvg

Willy Scramoncini ist ehemaliger Lehrer und Vorstandsmitglied des Zürcher Fussballverbandes. Er sagt, dass nun noch neues Videomaterial eingereicht worden sei und die Angelegenheit nach der Einsprache der Glattbrugger vom Strafausschuss des FVRZ auch noch einmal neu beurteilt werde.

Folgt nach Einsprache Rekurs und dann das Schiedsgericht?

Der FC Embrach hat die Sache juristisch für sich derweil bereits abgehackt. Dies, obwohl der Verein auch im Entscheid des Zürcher Fussballverbands laut Mitteilung weiterhin nicht auf alle offenen Fragen zufriedenstellende Antworten erhalten hat:

«Uns stellt sich die Frage, was alles noch passieren muss, dass schuldige Spieler oder gar Vereine ihre gerechte Strafe erhalten?»

Der Strafausschuss des Zürcher Fussballverbandes wird sich laut Willi Scramoncini kommende Woche erneut mit der Massenschlägerei von Embrach befassen. Falls auch das neue Urteil vom FC Glattbrugg nicht akzeptiert würde, könnte erneut Rekurs eingereicht werden. Und wenn auch dieser Entscheid nicht akzeptiert wird, dann könnten die Zürcher Unterländer den Fall noch vors Sportschiedsgericht zerren.

Mehr Tätlichkeiten nach Corona-Pause

Es komme leider in letzter Zeit vermehrt vor, dass Spieler oder auch Zuschauer ausrasten. «Die Leute sind müde von Covid», sagt Willy Scramoncini. Und der aufgestaute Frust äussere sich nicht zuletzt auf dem Platz. Zudem gibt der Zürcher Sportfunktionär zu bedenken: «Im Moment sind viele Mannschaften in wichtigen Phasen, es geht um Auf- oder Abstieg. Wenn Träume platzen, kann sich das in einen Raufhandel entwickeln.»

In einem ersten Entscheid hat der Zürcher Fussballverband beide Juniorenteams von weiteren Spielen ausgeschlossen. Inzwischen sind sie zum Ligabetrieb jedoch wieder zugelassen. Laut Blick.ch, welches als erstes Portal über die Massenschlägerei berichtet hatte, haben die Schiedsrichter beobachtet, dass in Embrach vor allem Spieler und Fans des Gastvereins an der Schlägerei beteiligt waren. Beide Clubs distanzierten sich in der Folge in Mitteilungen auf ihren jeweiligen Internetseiten von dem Vorfall. Gewalt habe im Fussball und in den Vereinen keinen Platz, hiess es.

Aktuelle Nachrichten