Fussball
Hellmut Krug: Videobeweis wird Grundidee nicht mehr gerecht

Die Videobeweis im Fussball sorgt immer wieder für Diskussionen. Nun äussert auch der frühere Spitzen-Schiedsrichter Hellmut Krug Kritik an der Entwicklung. Der Deutsche steht noch in Schweizer Diensten.

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Hellmut Krug bildet noch bis Ende Monat das Schweizer Schiedsrichter-Kader zu Videoschiedsrichtern aus. (Archivbild)

Hellmut Krug bildet noch bis Ende Monat das Schweizer Schiedsrichter-Kader zu Videoschiedsrichtern aus. (Archivbild)

Keystone

Der frühere Spitzen-Referee und langjährige Projektleiter Hellmut Krug sieht eine Fehlentwicklung beim Videobeweis. «Stand heute muss man sagen: Der ursprünglichen Grundidee des VAR-Projekts wird man fast überall auf der Welt nicht gerecht», sagte der einstige Schiedsrichter-Boss des Deutschen Fussball-Bundes und der Deutschen Fussball Liga im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Seit Oktober 2018 ist Krug für die Ausbildung des Schweizer Schiedsrichterkaders zu Video-Schiedsrichtern zuständig und hat hierzulande für die Implementierung des VAR gesorgt. Seit der Saison 2019/20 ist der Video Assistant Referee auch in der Schweiz im Einsatz. Hellmut Krug dagegen wird sein Mandat beim Schweizer Fussballverband Ende Monat niederlegen, wie der SFV bereits im Februar mitgeteilt hat.

Das oberste Ziel des VAR bestehe ja darin, spielentscheidende, klare und offensichtliche Fehler des Schiedsrichters zu korrigieren - so etwas wie Maradonas 'Hand Gottes' bei der WM 1986, argumentiert Hellmut Krug. «Stattdessen ist man immer mehr dazu übergegangen, Situationen akribisch an den Bildschirmen zu sezieren und beschäftigt sich mit Entscheidungen, die nicht klar falsch sind», sagte Krug.

Spiel muss häufiger unterbrochen werden

Angesichts der andauernden Kritik am Video Assistent Referee sei es «in der einen oder anderen Situation» für die Unparteiischen in der ablaufenden Saison «sicher gut» gewesen, dass wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer im Stadion gewesen seien. Sonst hätte es laut Krug von erbosten Fans noch mehr Druck gegeben.

«Der VAR soll ausschliesslich intervenieren, wenn er absolut sicher ist, dass dem Schiedsrichter ein klarer Fehler unterlaufen ist», sagt Hellmut Krug. «Wenn ein Schiedsrichter sich die Szene 90 Sekunden lang am Monitor ansehen muss – wie kann dann noch von einem klaren Fehler die Rede sein?»

Durch diese detektivische Herangehensweise würden plötzlich auch diskutable und kleinere Vergehen eine Rolle spielen. «Die Folge ist, dass entgegen der ursprünglichen Absicht das Spiel häufiger für Checks und gegebenenfalls Reviews unterbrochen wird. So ist man auf dem besten Weg, den Fussball zu verändern, da viel mehr Eingriffe von aussen stattfinden», sagte Hellmut Krug, der am kommenden Mittwoch 65 Jahre alt wird. (dpa/agl)