Eishockey
Die Offseason in der NHL verspricht Spektakel – das sind die spannendsten Fragen

Während der Stanley-Cup-Final läuft, planen die 30 anderen Teams bereits die nächste NHL-Saison. Dabei sind mit Kevin Fiala und Nino Niederreiter auch zwei Schweizer in wichtigen Rollen.

Watson
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Im ersten Spiel des Stanley-Cup-Finals haben die Colorado Avalanche die Tampa Bay Lightning mit 4:3 nach Verlängerung bezwungen. Doch bald dominiert nicht mehr die hochstehende Finalserie, sondern Verträge, Trades und Geld die NHL-Schlagzeilen. Dieser Sommer droht besonders interessant zu werden, denn bevor es im Herbst wieder losgeht, sind viele interessante Fragen zu beantworten.

Was passiert mit Kevin Fiala?

Wechselt er diesen Sommer den Klub? Kevin Fiala ist begehrt.

Wechselt er diesen Sommer den Klub? Kevin Fiala ist begehrt.

Keystone

Die Situation mit Kevin Fiala und den Minnesota Wild wurde schon lang und breit diskutiert. Die Situation ist wie folgt: Kevin Fiala hat über die letzten zwei Kalenderjahre gesehen sehr gut gespielt und sich einen hoch dotierten Vertrag verdient. Evolving Hockey geht in einer Prognose von einem Jahreslohn zwischen 6,8 und 9,4 Millionen US-Dollar aus.

Die Minnesota Wild haben aber wohl zu wenig Cap-Space mit aktuell verfügbaren 7,3 Millionen Dollar unter der Salärobergrenze, um ihm diesen Vertrag auch zu geben. So winkt dem Ostschweizer ein Trade zu einem anderen Team. Da die Wild in diesem anstehenden Trade auch Draft-Picks erhalten und diese jeweiligen Spieler selbst auswählen möchten, ist zu erwarten, dass das Tauschgeschäft noch vor dem 7. Juli über die Bühne geht. Vergleicht man ähnliche Trades der letzten Jahre, wird Minnesota ziemlich sicher einen Erstrunden-Draftpick und einen Prospect (talentierter junger Spieler, der noch keinen Stammplatz hat) fordern. Vielleicht auch noch etwas obendrauf.

Als heisseste Kandidaten für Fialas zukünftiges Team gelten die Ottawa Senators und die New Jersey Devils. Gerade die Devils sollen hoch im Kurs stehen. Sie suchen einen Flügelstürmer, der das Team zurück in die Playoffs bringen kann, und haben einen grossen Talentpool, den sie für solche Trades verwenden können. Zudem sind Wild-General-Manager Bill Guerin und Devils-General-Manager Tom Fitzgerald alte Freunde.

Wo landet Nino Niederreiter?

Bleibt er in Raleigh? Nino Niederreiters Vertrag bei den Carolina Hurricanes läuft aus.

Bleibt er in Raleigh? Nino Niederreiters Vertrag bei den Carolina Hurricanes läuft aus.

Keystone

Auch Nino Niederreiters Zukunft ist derzeit noch offen. Sein Vertrag bei den Carolina Hurricanes läuft diesen Sommer aus. Die «Canes» würden mit dem Churer Powerstürmer eigentlich gerne verlängern, haben neben Niederreiter aber auch noch andere Arbeitspapiere abzuschliessen. So sind auch Tony DeAngelo, Martin Necas, Vincent Trochek oder Max Domi noch ohne Kontrakt für das kommende Jahr.

Niederreiter scheint es in Carolina gut zu gefallen, allerdings ist er auch schon 29 Jahre alt. Vermutlich ist jetzt seine letzte Gelegenheit, noch einmal einen lukrativen, längerfristigen Vertrag abzuschliessen – und andere Mannschaften haben mehr Geld zur Verfügung als die Hurricanes.

Gemäss Evolving Hockey ist es am wahrscheinlichsten, dass der Schweizer einen Vertrag über fünf bis sieben Jahre zwischen 5,7 und 5,9 Millionen unterschreibt. Zuletzt wurden unter anderem Roman Josis Nashville Predators als mögliche Destination für den Flügel ins Spiel gebracht.

Wer wird die Nummer 1 im Draft?

Es erinnert etwas ans Jahr 2017, als Nico Hischier gedraftet wurde. Ein kanadischer Stürmer galt lange als sichere Nummer 1, doch ein junger Europäer rückt ihm, je länger die Saison dauert, umso mehr auf die Pelle. Dieses Jahr geht es um Shane Wright und Juraj Slafkovsky. Wright, ein kompletter Center, wird von den meisten Scouts noch immer an erster Stelle gesetzt. Trotzdem scheint es nicht unmöglich, dass Slafkovsky, ein Powerflügel, an erster Stelle gezogen wird.

Für Slafkovsky spricht, dass er es sich bereits gewohnt ist, gegen Erwachsene zu spielen. In 31 Spielen in der finnischen Liga kam er auf je fünf Tore und Assists. Noch beeindruckender ist seine Bilanz mit der Slowakei: In kombiniert 15 Spielen bei Olympia und an der WM hat der Flügel zehn Tore erzielt und sechs Assists gegeben. Wrights Talent ist vermutlich grösser als jenes Slafkovskys, aber seine Entwicklung braucht möglicherweise mehr Geduld. 2020/21 fiel die OHL-Saison wegen der Coronavirus-Pandemie komplett aus – Wright verlor also ein Jahr seiner Entwicklung. Die Montreal Canadiens stehen vor einer schwierigen Aufgabe, während New Jersey an zweiter Stelle mit Freude nehmen wird, was noch übrig ist.

Gespannt darf man auch sein, wann Lian Bichsel gedraftet wird. Der Schweizer Verteidiger, der aktuell beim schwedischen Erstligisten Leksand IF engagiert ist, hat sich in den Ranglisten der Scouts über die Saison immer weiter nach oben gespielt. Seine besten Argumente sind seine Grösse und sein hartes Körperspiel. Die meisten Scouts sehen den 18-jährigen Oltner irgendwo zwischen Mitte erster und Ende zweiter Runde.

Wer schlägt auf dem Free-Agent-Markt zu?

Die Free Agency – also der Zeitraum, in denen Teams mit vertragslosen Spielern verhandeln dürfen – verspricht äusserst interessant zu werden. Denn es sind grosse Namen auf dem Markt: Johnny Gaudreau, Filip Forsberg, Nazem Kadri, Kris Letang oder Evgeni Malkin zum Beispiel.

Der Free-Agent-Markt erklärt:

Wer in der NHL keinen Vertrag für die nächste Saison hat, gilt als Free Agent. Dabei wird zwischen Restricted Free Agents (RFA) und Unrestricted Free Agents (UFA) unterschieden.

Unrestricted Free Agent (UFA) wird man ab dem 27. Lebensjahr oder wenn man mindestens sieben Jahre in der NHL gespielt hat. Diese Spieler dürfen in der «Free Agency», die jeweils am 1. Juli (oder dieses Jahr am 13. Juli) beginnt, mit jedem interessierten Team verhandeln.

Als Restricted Free Agent (RFA) gelten Spieler, deren Einstiegsverträge ausgelaufen sind, die aber noch nicht UFA-Status erreicht haben. Das bedeutet, dass das Team, welches die Rechte am Spieler hält, exklusiv mit ihm verhandeln darf. Macht es ihm aber kein qualifizierendes Angebot («Qualifying Offer»), wird der Spieler vom RFA zum UFA. Macht das Team ein Angebot und der Spieler lehnt es ab, bleibt er RFA und darf nicht mit anderen Teams verhandeln.

Die General Manager der Teams dürften besonders auf die Situation bei den Calgary Flames schielen. Dort braucht nicht nur Gaudreau nach der besten Saison seiner Karriere einen neuen Vertrag, sondern auch die drei Restricted Free Agents Matthew Tkachuk, Andrew Mangiapane und Oliver Kylington. Dafür hat GM Brad Treliving allerdings nur 26,9 Millionen Dollar an Salary Cap zur Verfügung. Die anderen GMs hoffen deshalb, sich entweder Gaudreau oder Tkachuk unter den Nagel reissen zu können.

Und der GM, der bei den UFAs nicht glücklich wird, dem hilft vielleicht ein Trade auf die Sprünge. So kam zuletzt das Gerücht auf, dass die Boston Bruins David Pastrnak anbieten sollen. Und die Chicago Blackhawks wollen offenbar Alex DeBrincat loswerden, um in den nächsten Jahren im Tabellenkeller zu landen und mit frühen Draft-Picks einen sogenannten Rebuild zu lancieren.

Kommt es zur Goalie-Knappheit?

WM-MVP Juho Olkinuora (links) hatte bereits in Biel unterschrieben, heuerte dann aber doch in der NHL an.

WM-MVP Juho Olkinuora (links) hatte bereits in Biel unterschrieben, heuerte dann aber doch in der NHL an.

Keystone

Der Torhütermarkt ist in der besten Liga der Welt etwas ausgetrocknet. Das bedeutet nicht, dass es keine Goalies mehr gibt, sondern eher, dass die ganz guten Torhüter rar geworden sind. Das hat auch der EHC Biel merken müssen, als der unlängst verpflichtete Weltmeister und WM-MVP Juho Olkinuora den Seeländern einen Korb gab und bei den Detroit Red Wings unterschrieb.

Stand jetzt haben zehn NHL-Teams für die nächste Saison erst einen Torhüter unter Vertrag. Zwei weitere – Chicago und Buffalo – noch keinen einzigen. Es dürfte sich ein Wettbieten um die attraktiven Free-Agent-Goalies wie Darcy Kuemper, Jack Campbell oder Marc-André Fleury entwickeln. Und es besteht weiterhin die Gefahr für europäische Klubs, dass gute Torhüter kurzfristig abspringen.

Welche Trainer-Rochaden gibt es?

Die Chicago Blackhawks, die Winnipeg Jets, die Philadelphia Flyers, die Detroit Red Wings, die Dallas Stars und die Boston Bruins sind derzeit alle noch auf der Suche nach einem neuen Coach. Bei den Blackhawks besteht die Möglichkeit, dass Interimstrainer Derek King den Job dauerhaft erhält.

Sonst sind einige interessante Namen auf dem Markt: Pete DeBoer wurde unlängst von Vegas entlassen. Barry Trotz wurde von den New York Islanders überraschend freigestellt – er wird bereits mit Winnipeg in Verbindung gebracht. Travis Green, Claude Julien, Rick Bowness oder Rick Tocchet sind ebenfalls verfügbar. Die Philadelphia Flyers sollen zuletzt das Gespräch mit Trainerlegende John Tortorella gesucht haben. Bruce Cassidy dagegen hat bereits einen neuen Job. Der 57-jährige Kanadier hat wenige Tage, nachdem er von den Boston Bruins entlassen wurde, bei den Vegas Golden Knights unterschrieben.