Australian Open
Knackt er den Grand-Slam-Rekord? Nadal mausert sich zum Turnierfavoriten

Rafael Nadal zeigt bei den Australian Open überzeugendes Tennis. Der Spanier findet nach seinem Comeback wieder zu alter Stärke und steht souverän im Achtelfinal.

Gabriel Vilares
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Rafael Nadal geht gewohnt mit viel Leidenschaft ans Werk. Der Spanier zeigt in Australien überzeugendes Tennis.

Rafael Nadal geht gewohnt mit viel Leidenschaft ans Werk. Der Spanier zeigt in Australien überzeugendes Tennis.

Keystone

Die Emotionen brechen aus. Ein Jubelschrei, gefolgt von einer geballten Faust in Richtung Melbourner Nachthimmel. Das Publikum steht, lässt sich von der Euphorie mitreissen. Eben hat Rafael Nadal (ATP 5) kurz vor Mitternacht Ortszeit den Breakball im vierten Satz zur 2:0-Führung verwertet. Mit einer spektakulären Rückhand-Longline sorgt der 35-jährige Spanier für die Vorentscheidung.

Es ist ein Bild, eine Szene mit grosser Aussagekraft. Nadal hatte nicht eben den Championship-Point verwandelt und mit dem 21. Grand-Slam-Titel Roger Federer und Novak Djokovic hinter sich gelassen. Nein. Es war lediglich ein grosser Schritt in Richtung Drittrunden-Sieg. Der Mallorquiner verspürt derzeit eine Menge Lust am Tennisspielen und geht nach wie vor mit einer unbändigen Entschlossenheit und Leidenschaft ans Werk. «Es bedeutet mir alles. Eine besondere Woche für mich. Das Comeback nach über fünf Monaten. Es ist für mich jedes Mal eine besondere Sache, wenn ich hier antreten darf.»

Von Rückschlägen zurückgekommen

Im vergangenen Jahr hatte der Sandkönig lange mit einer Fussverletzung zu kämpfen, verpasste Wimbledon, die Olympischen Spiele und die US Open. Nadal musste die Saison vorzeitig beenden. Das Kahnbein ist in zwei Hälften gespalten. Für die degenerative Erkrankung namens Müller-Weiss-Syndrom, die bereits 2005 bei ihm diagnostiziert wurde, gibt es keine Lösung. Selbst eine Operation würde lediglich Linderung, aber keine Heilung mit sich bringen. Abhilfe schaffen Einlagen und eine Umstellung des Bewegungsablaufs.

Bei der Rückkehr an einem Schauturnier in Abu Dhabi Mitte Dezember infiziert sich Nadal mit Covid-19. Das Virus bescherte dem 35-Jährigen «ein paar sehr unangenehme Momente. Ich war sehr krank, körperlich am Ende. Vor allem die ersten vier Tage waren ziemlich hart.»

Er kämpfte sich wieder zurück, gewann im Vorfeld des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres das ATP-250-Turnier in Melbourne. Auf dem Weg zu seinem 89. Titel seiner Profikarriere stellten sich ihm keine unüberwindbaren Hürden, doch dem Selbstvertrauen und der Spielpraxis war es allemal dienlich.

Trotzdem hatten ihn nicht viele vor Turnierstart auf der Rechnung. Die Trophäe bei den Australian Open konnte Nadal erst einmal (2009) in die Höhe stemmen, stand aber vier weitere Male im Endspiel. Stan Wawrinka (2014), Roger Federer (2017) und Novak Djokovic (2012 und 2019) stellten sich einer noch besseren Ausbeute in «Down Under» in den Weg.

Zum Turnierstart gleich in Topform

In diesem Jahr unternimmt die Weltnummer fünf einen weiteren Anlauf. In den ersten beiden Runden kam er ohne Satzverlust durch, zeichnete sich durch Treffgenauigkeit, harte Grundlinienschläge und Agilität aus. Der Spanier scheint wieder an die alten Tage anzuknüpfen, was den zweifachen Australian-Open-Sieger Jim Courier beim Platzinterview zur Frage bewegte, was er alles zur Vorbereitung getan habe: «Es sieht so aus, als hättest du einige Gewichte mit deinen Armen gehoben. Was ist dein Geheimnis zu deiner Fitness?» Nadal: «Ich habe ein bisschen Golf gespielt.»

Rafael Nadal beim Erstrundenmatch gegen den US-Amerikaner Marcos Giron.

Rafael Nadal beim Erstrundenmatch gegen den US-Amerikaner Marcos Giron.

Keystone

Am Freitag wartete in der dritten Runde mit dem russischen Olympia-Finalisten Karen Chatschanow (ATP 30) der erste richtige Prüfstein auf den Spanier. Nach furiosem Start bezahlte er zwar mit einer passiven Phase im dritten Satz den ersten Satzverlust des Turniers, doch ansonsten war der Spanier in der Rod Laver Arena nicht aufzuhalten. Nach 2:50 Stunden verwertete Nadal seinen ersten Matchball zum 6:3, 2:6, 6:3, 6:1-Erfolg.

«Solche Nächte bringen mir enorm viel Energie. Ich werde jeden einzelnen Tag kämpfen.» Im Achtelfinal stellt sich mit dem Franzosen Adrian Mannarino (ATP 69) die nächste Aufgabe. Im Viertelfinal könnte dann bereits ein Leckerbissen für alle Tennis-Fans warten: das Duell mit dem Deutschen Alexander Zverev, der sich mit einem Sieg in Australien die Spitze an der Weltrangliste sichern könnte.

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