Letztes Rennen
Der Finne verabschiedet sich: Kimi Räikkönen sorgte für viele spezielle Momente in der Formel 1

Alfa-Romeo-Sauber-Pilot Kimi Räikkönen fährt am Sonntag in Abu Dhabi sein letztes Rennen in der Formel 1. Der Finne hat in seiner Karriere für zahlreiche erinnerungswürdige Momente gesorgt. Eine kleine Sammlung aus 20 Jahren Rennsport.

Leandro De Mori
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Kimi Räikkönen fährt am Sonntag in Abu Dhabi sein letztes Rennen in der Formel 1. Der «Iceman», wie der Finne auch genannt wird, ist seit seinem Debüt 2001 einer der beliebtesten Fahrer in der Königsklasse. Ob er danach weiter im Rennsport aktiv sein wird, lässt er bislang noch offen.

Bei seinen 349 Rennen kam Räikkönen auf 21 Siege, 18 Pole-Positions und einen WM-Titel (2007 mit Ferrari). Doch was den Finnen so beliebt macht, ist nicht unbedingt sein fahrerisches Können oder sein Erfolg, sondern seine sehr ehrliche Art auf und neben der Rennstrecke. Hier eine Sammlung von Räikkönens besten Momenten:

Der direkte Weg zum Yachthafen

Einer der kuriosesten Kimi-Momente entstand während dem Grossen Preis von Monaco 2006. Räikkönens McLaren fing in der 50 Rennrunde an zu qualmen, er musste das Rennen abbrechen. Der Iceman stieg aus seinem Rennboliden, doch statt auf den Weg zum Fahrerlager begab er sich auf einen kleinen Spaziergang. Er lief über ein Rasenstück, durch den Tunnel, an der Hafenschikane vorbei in Richtung Yachthafen. Nur Augenblicke später fingen die TV-Bilder die legendäre Aktion ein: Räikkönen sass oberkörperfrei mit seinen Freunden aus Finnland auf seiner Yacht und genoss ein Bier, während seine Konkurrenten sich immer noch im Rennen befanden.

Dass er gerne Mal zum Bier oder sonstigen alkoholischen Getränken greift, zeigte Kimi auch 2018 bei einer Preisverleihung der FIA. Die Kameras filmten den sichtlich angetrunkenen Finnen immer wieder dabei, wie er seine Sitznachbarn anquatschte. Bei der Preisübergabe musste ihn sein Ferrari-Teamkollege Sebastian Vettel sogar ein wenig stützen, damit er das Gleichgewicht nicht verlor.

«Leave me alone!»

Für einen weiteren erinnerungswürdigen Moment sorgte Kimi beim Grossen Preis von Abu Dhabi 2012, als er seinen Renningenieur mit den Worten «Lass mich in Ruhe! Ich weiss, was ich tue. Du musst mich nicht alle zehn Sekunden erinnern» zurechtwies.

Der Satz «I know what im doing» wurde 2012 so etwas wie Kimis Markenzeichen. Bereits in Spa erinnerte er seinen Renningenieur daran, dass er sehr wohl wisse, was er da gerade tue:

Dieses Markenzeichen wusste der finnische Getränkehersteller Hartwall gleich wiederzuverwenden. Für einen Drink namens «Hartwall Original Longdrink», einem alkoholischen Getränk bestehend aus Gin und Grapefruitsaft, buchten die Marke Räikkönen als Testimonial für einen Werbespot, in dem er den Satz «Lasst mich einfach in Ruhe. Ich weiss, was ich trinke» wiedergab.

Manchmal cool, manchmal nervös

Ausserdem ist Kimi für seine coole und beinahe emotionslose Art in Interviews bekannt und beliebt. Bei einer Pressekonferenz zum australischen Grand Prix 2018 machte Lewis Hamilton den Witz «Kimi feiert die ganze Zeit.» Räikkönens Antwort: ein leerer Blick in die Kamera.

Dass Räikkönen Interviews nicht behagen, ist schon lange bekannt. Und genau wegen seiner Coolness und dem Desinteresse an den Fragen sind die Interviews mit Kimi so beliebt. Antworten wie «Wieso nicht?» auf die Frage, weshalb er noch mal ein Jahr in der Formel 1 fährt oder «Ich war gerade am sch****en», nachdem er in Brasilien 2006 eine Rede von Pelé verpasst hatte, machen die Gespräche mit dem Finnen so unterhaltsam.

Manchmal zeigte der Iceman auch seine nervöse Seite. Vor allem dann, wenn während dem Rennen etwas nicht so lief, wie er sich das vorgestellt hatte. Zum Beispiel als sein Auto 2017 in Aserbaidschan aus der Box getragen wurde, er jedoch noch sein Lenkrad und die Handschuhe vermisste:

Nicht ganz bei der Sache

«Wie sind wir hinter Bottas gelandet?», fragte Räikkönen in Russland 2017. «Er hat das Rennen schon die ganze Zeit angeführt, Kimi», antwortete sein Renningenieur. Doch das war nicht der einzige Moment, bei dem Kimi scheinbar nicht ganz bei der Sache war. 2018 in Ungarn war seine Trinkflasche nicht verbunden, sodass er kein Getränk zu sich nehmen konnte. Das Gespräch mit dem Renningenieur sorgte für viel Unterhaltung:

«Ich will ihn schlagen»

Dass der Finne auf der Rennstrecke auch mal sauer wurde, gehört zum Sport dazu. Immer wieder hörte man Kimi über den Funk mit Ausrufen wie «Was für ein Idiot!» oder «Was zum Teufel macht der da?». Einen grösseren Aussetzer hatte er allerdings 2013 in Monaco, als ihn Sergio Perez am Hinterreifen traf und Räikkönens Reifen zum Platzen brachte. «Ich will ihn schlagen, wenn ich ihn sehe», vermeldete er damals aus dem Cockpit.

Es sind aber eher die lustigen Momente, die in Erinnerung bleiben werden. Beim Grossen Preis von Bahrain in diesem Jahr hatten der Finne und sein Renningenieur ein Gespräch, bei dem sie sich scheinbar nicht hörten – aber irgendwie doch:

Nur ein Teil der vielen unterhaltsamen Momente, die der Finne dem Rennsport in den letzten 20 Jahren beschert hat. Beim Abschied am Sonntag werden wohl einige Tränen fliessen, nicht aber bei Räikkönen, wie er selbst erklärte: «Meine Frau wird wohl emotionaler sein als ich». Bei der Pressekonferenz am Donnerstag, zu der er mit Verspätung erschien, scherzte er ausserdem: «Ich freue mich schon darauf, wenn das Wochenende vorbei ist.»

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