Tierschutz
Wilderer bedrohen den Luchsbestand im Wallis

In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich ein stabiler Bestand von Luchsen in der Schweiz etabliert – mit Ausnahme im Wallis. Forscher führen das auf Wilderei zurück. Illegale Schlingfallen, die entdeckt wurden, untermauern das.

Dario Pollice
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Der Luchs hat sich in der Schweiz wieder angesiedelt, doch die Population ist laut WWF noch klein und verletzlich.

Der Luchs hat sich in der Schweiz wieder angesiedelt, doch die Population ist laut WWF noch klein und verletzlich.

Romano Cuonz

Anfang des letzten Jahrhunderts war der Luchs hierzulande ausgerottet. Vor rund 40 Jahren wurde die grösste Wildkatze Europas schliesslich wieder in der Schweiz angesiedelt. Mit Erfolg: Heute sind laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) wieder rund 300 Tiere in Schweizer Wäldern heimisch. Doch nicht in allen Regionen ist ihre Dichte gleich hoch. Vor allem das Wallis fällt mit einer ungewöhnlich geringen Luchsdichte auf – im Vergleich zum Jura und den Nordalpen.

Dies fiel einem Forscherteam vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern auf, wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst. Seit 2011 erfasst das Team mit Hilfe von Fotofallen und mittels Auswertung von Spuren im Schnee die Verteilung der jeweiligen Luchsarten im Kanton Wallis. Dabei fanden sie nur 12 bis 20 Prozent der erwarteten Luchsdichte vor.

Nur eine Grund möglich: Wilderei

Das Forscherteam suchte nach Gründen für die geringe Dichte und stellte verschiedene Hypothesen auf: Unterschiede in der Dichte oder der Positionierung der Kamerafallen, oder ein unzureichendes Nahrungsangebot. Diese konnten sie jedoch alle widerlegen.

Somit blieb nur noch eine Erklärung übrig: «Aufgrund unserer Ergebnisse gehen wir davon aus, dass Wilderei die einzige mögliche Ursache für die geringe Luchsdichte ist», lässt sich Professor Raphaël Arlettaz, Leiter der Forschergruppe, zitieren.

Jäger wurde anhand von DNA verurteilt

Diese Erklärung wird durch eine Entdeckung unterstützt. Die Forschenden fanden ein dichtes Netz von 17 illegalen Schlingenfallensystemen im Haupteinwanderungskorridor des Luchses, der das obere Rhonetal mit den Voralpen verbindet. «Einige Fallen waren zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung im Jahr 2015 inaktiv, andere aber betriebsbereit», zitiert die Mitteilung Arlettaz von der Universität Bern.

Das Forscherteam habe mehrere Fallen demontiert und sie zur zentralen Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis gebracht, die daraufhin eine Untersuchung einleitete. Anhand von DNA-Spuren an den Fallen konnte 2015 schliesslich ein Jäger verurteilt werden.

Um Wilderer zur Rechenschaft zu ziehen, sollten aus Sicht von Professor Raphaël Arlettaz strafrechtliche Ermittlungen zu Wilderei von Grossraubtieren «auf der höchstmöglichen Ebene der Gerichtsbarkeit angesiedelt werden, also bei der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons».

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