Legionärskrankheit
Ist es der Klimawandel? Gefährliche Infektionen mit Legionellen nehmen zu

In der Schweiz stecken sich deutlich mehr Menschen mit der Legionärskrankheit an. Der Anstieg betrifft vor allem den Sommer. Nun untersucht das Tropeninstitut, welche Rolle das Klima spielt.

Peter Walthard
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Gefahr aus der Warmwasserleitung: Die Legionärskrankheit ist in der Schweiz auf dem Vormarsch.

Gefahr aus der Warmwasserleitung: Die Legionärskrankheit ist in der Schweiz auf dem Vormarsch.

Keystone

Infektionen mit Legionellen haben in der Schweiz stark zugenommen. Wurden zu Beginn des Jahrtausends noch knapp 140 Fälle pro Jahr gezählt, lag das Niveau zwischen 2016 und 2020 bei rund 500 pro Jahr. Im Gefolge der Pandemie sank die Zahl der Ansteckungen etwas. Der erwartete Wiederanstieg nach der Pandemie blieb dagegen aus, wie das Schweizerische Tropeninstitut (TPH) am Montag mitteilte.

Das Institut hatte in einer Studie die Fallzahlen zwischen 2000 und 2020 analysiert und dabei einen deutlichen Anstieg der Erkrankungen in den Sommermonaten festgestellt. «Das ist besorgniserregend, denn wir können davon ausgehen, dass der Klimawandel diese saisonalen Anstiege noch weiter verschärft», sagt Studienleiter Daniel Mäusezahl.

Wie genau die höheren Sommertemperaturen die Ausbreitung der Krankheit beeinflussen, ist aber noch keineswegs klar. Möglich wären etwa direkte Auswirkungen der Wetterlage: Hohe Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und warme Temperaturen könnten dem Erreger günstigere Bedingungen verschaffen.

Ansteckung erfolgt über Aerosole

Andererseits verleihen heisse Sommertage eher zum Duschen oder Baden, Situationen also, in denen es zu Ansteckungen kommen kann. Dieses Zusammenspiel von Faktoren werde nun in weiteren Studien analysiert, sagt Mäusezahl.

Die Schweiz profitiere dabei von einer guten Datenlage und einem effizienten Meldesystem. Die Erreger der Legionärskrankheit, sogenannte Legionellen, sind Bakterien. Die Ansteckung erfolgt oft über Aerosole, die durch Spritzwasser oder Wassernebel entstehen. Sie können schwere Lungenentzündungen verursachen.

Die Krankheit lässt sich meist mit Antibiotika behandeln, verläuft aber in rund zehn Prozent der Fälle tödlich. Besonders betroffen ist in der Schweiz das Tessin. Legionellen lauern bevorzugt in Warmwasserleitungen. Bekannte Infektionswege sind Klimaanlagen, Luftbefeuchter oder Whirlpools.