Lockdown zum Pandemie-Beginn
Mehr Schlaf und bessere Lebensqualität: Homeschooling hatte auch Vorteile

Die Schulschliessungen im Frühling 2020 wirkten sich teilweise auch positiv auf das gesundheitliche Wohlbefinden vieler Jugendlicher aus. Das zeigt eine neue Studie der Universität Zürich. Die Forschenden plädieren nun für einen späteren Schulstart am Morgen.

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Der fehlende Schulweg im Lockdown brachte Schülerinnen und Schülern mehr Schlaf. Das wirkte sich positiv auf ihr Wohlbefinden aus. (Symbolbild)

Der fehlende Schulweg im Lockdown brachte Schülerinnen und Schülern mehr Schlaf. Das wirkte sich positiv auf ihr Wohlbefinden aus. (Symbolbild)

Keystone

Mehr depressive Symptome und Angstzustände, dazu mehr Zeit vor dem Bildschirm, weniger Bewegung sowie eine tiefere Lebenszufriedenheit und -qualität: Verschiedene Studien zeigen, dass sich die Corona-bedingten Schulschliessungen im Frühling 2020 negativ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Jugendlichen ausgewirkt haben. Aber nicht nur: Das Homeschooling im Lockdown zum Beginn der Coronapandemie hatte auch positive Effekte, teilte die Universität Zürich (UZH) am Mittwoch mit.

Gemäss einer neuen UZH-Studie verbesserten sich Gesundheit und Lebensqualität zahlreicher Jugendlicher. Der Grund: Sie konnten am Morgen länger schlafen. «Die Schülerinnen und Schüler schliefen während des Lockdowns rund 75 Minuten länger», wird Co-Studienleiter Oskar Jenni in der Mitteilung zitiert. Da die Anreise zur Schule wegfiel, konnten Jugendlichen später aufstehen. «Gleichzeitig stieg ihre Lebensqualität signifikant und der Konsum von Alkohol sowie Koffein sank.» Die Forschenden glauben zudem, dass die Effekte noch viel positiver ausgefallen wären ohne die psychischen Belastungen durch die Pandemie.

Forschende plädieren für spätere Schulstartzeiten

Da Schlafdefizite zu allgemeiner Müdigkeit, Angst und körperlichem Unwohlsein führen können, verschlechtern sich dadurch die Stimmung und die kognitiven Funktionen – etwa Konzentration, Gedächtnis oder Aufmerksamkeit. Dies wiederum erschwert laut den Forschenden die Bewältigung des Alltags. «Unsere Befunde sprechen klar dafür, die morgendlichen Schulstartzeiten zu verschieben, damit die Jugendlichen mehr Schlaf bekommen», sagt Jenni. Denn die frühen Schulanfangszeiten stünden im Konflikt mit den biologisch bedingten, verspäteten Schlafzeiten von jungen Menschen. Die Folge: chronische Schlafdefizite.

Die Forschenden befragten während des Lockdowns 3664 Gymi-Schülerinnen und -Schüler im Kanton Zürich zu ihrem Schlafverhalten und ihrer Lebensqualität. Die Ergebnisse verglichen sie mit einer Befragung aus dem Jahr 2017, an welcher 5308 Schülerinnen und Schüler teilgenommen hatten. (abi)

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