Kunsthaus Zürich/Bührle-Sammlung
Israelitischer Gemeindebund kritisiert «zweifelhaftes Geschichtsbewusstsein»

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund geht mit dem Kunsthaus Zürich und der Bührle-Sammlung hart ins Gericht. Deren Geschichtsbewusstsein sei «erschreckend» und offenbare «mangelnde Sensibilität».

Samuel Thomi
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Am Mittwoch stellten sich Vertreter der Bührle-Stiftung und des Kunsthaus Zürich den Medien. Nun werden sie von jüdischer Seite kritisiert.

Am Mittwoch stellten sich Vertreter der Bührle-Stiftung und des Kunsthaus Zürich den Medien. Nun werden sie von jüdischer Seite kritisiert.

Keystone

Nach wochenlanger Kritik sollte es der grosse Befreiungsschlag werden. Vertreter der Stiftung E.G. Bührle und des Kunsthaus Zürich stellten sich am Mittwoch den Fragen der Medien und teilten beispielsweise mit, dass Teile des Leihvertrags der Kunstsammlung wie von verschiedener Seite gefordert offengelegt werden sollen. Oder es sollen in der Sammlung Anpassungen vorgenommen werden. Insgesamt hielten sie aber an ihrem bisherigen Vorgehen beim Abklären der Herkunft der Bilder fest.

Tags darauf kritisiert der Schweizerisch Israelitische Gemeindebund (SIG) das Geschichtsbewusstsein des Kunstmuseums und der Stiftung in einer Mitteilung als «zweifelhaft», «erschreckend» und dieses offenbare «mangelnde Sensibilität». Laut SIG «besonders schwer nachvollziehbar ist das Beharren auf einem Geschichtsbild, das die Ergebnisse der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (...) in keiner Weise berücksichtigt.» Dazu gehörten auch Aussagen vor den Medien, welche die Rolle der Schweiz als bedeutende Drehscheibe von Raubkunst und Fluchtgut relativieren würden.

Lob für Bern zur Abklärung der Sammlung Gurlitt

Ebenso wenig bewusst seien sich die Vertreter von Kunsthaus und Bührle-Stiftung ihrer Verantwortung, welche sie indirekt eingegangen sind, als die Schweiz 1998 die Erklärung von Washington und neun Jahre später die Erklärung von Theresienstadt mitunterzeichnet habe, so der Israelitische Gemeindebund. Diese Vereinbarungen würden eben gerade verlangen, dass die Herkunft eines jeden Bildes abgeklärt werden müsse. In dieser Hinsicht lobt der SIG das Berner Kunstmuseum, welches für seine Sammlung Gurlitt eben ein aufwendiges, unabhängiges Provenienzverfahren zu Ende gebracht hat.

Lobende Worte findet der SIG dagegen für das Versprechen der Kunstgesellschaft als Trägerschaft des Kunsthauses und der Bührle-Stiftung, ein unabhängiges Expertengremium zur Prüfung der Herkunft der Bilder zuzulassen. Und auch jede Offenlegung des Leihvertrags zwischen Stiftung und Museum sei begrüssenswert.

Zudem unterstützt der Israelitische Gemeindebund Bestrebungen im Parlament in Bern, dass die Schweiz eine unabhängige Kommission für den Umgang mit NS-Raubkunst einrichtet. Hinter diese Forderung von Nationalrat Jon Pult (SP/GR) haben sich Vertreter der Grünen bis zur FDP gestellt wie auch die Fraktionschefs – mit Ausnahme der SVP.

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