Geschichte der Alpen
Nach zwei Jahren Bauzeit öffnet das Museo Nazionale del San Gottardo wieder seine Türen

Das Museo Nazionale del San Gottardo wurde komplett erneuert. Am Sonntag feiert es nun seine Wiedereröffnung nach zwei Jahren Bauzeit. Neu bietet das Alpine Museum der Schweiz eine wechselnde Sonderausstellung auf der Passhöhe an.

Dario Pollice
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Das neu gestaltete Museo Nazionale del San Gottardo schlägt einen Bogen vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Das neu gestaltete Museo Nazionale del San Gottardo schlägt einen Bogen vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

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Nach einer zweijährigen Bauzeit öffnet das Museo Nazionale del San Gottardo wieder seine Türen für die Besucherinnen und Besucher. Das 1986 eröffnete Museum wurde dabei für rund vier Millionen Franken komplett erneuert und umgestaltet. Beat Hächler, Direktor des Alpinen Museums der Schweiz, blickt mit Vorfreude auf den Tag der offenen Türe am Sonntag.

«Das Museum soll zu einem attraktiven Ort für die Besucher werden, wo sie etwas über die lange Kulturgeschichte des Gotthards erfahren können», sagt Hächler auf Anfrage von CH Media. Mit Blick auf das Alter des Museums sagt er, dass es an der Zeit gewesen sei für eine Erneuerung. «Die Gesellschaft hat sich in diesen Jahren verändert und mit ihr auch die Bedeutung des Gotthards.»

So soll das Museum gemäss Hächler nicht mehr nur auf den 2. Weltkrieg und die Heldengeschichten der vorangehenden Jahrhunderte zurückblicken, sondern auch auf die Gegenwart und nach vorne.

Lange Autokolonnen über die Tremola

Im Zentrum steht dabei die Dauerausstellung «San Gottardo – die Geschichte einer Beschleunigung». Sie zeichnet in einer «multimedialen Gotthard-Show» die Geschichte des Bergs von der Erschliessung des Passes um 1200 bis in die Gegenwart nach, wie es in einer Mitteilung heisst.

Diese rasante Entwicklung zeige sich alleine schon an der Tatsache, dass die ersten Reisenden früher mehrere Tage brauchten, um den Pass zu Fuss zu überqueren. Im Gegensatz dazu dauere die Zugfahrt unter dem Berg hindurch heute lediglich 17 Minuten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind die Löcher im Berg, also die Tunnels und Kavernen, die über die Jahrhunderte in den Fels geschlagen wurden. Durch den Ausstellungsparcours führen sieben Themenräume: vom Urnerloch zum AlpTransit-Basistunnel und den Kraftwerkstollen bis zu den militärischen Gebirgsfestungen.

Ein Amateurbild von der Sonderausstellung «Der Sonntagsausflug».

Ein Amateurbild von der Sonderausstellung «Der Sonntagsausflug».

HO

Neu ist auch das Alpine Museum der Schweiz im Rahmen einer Partnerschaft im Museo Nazionale del San Gottardo mit wechselnden Sonderausstellungen vertreten. Den Auftakt macht die Produktion «Der Sonntagsausflug», die ausschliesslich aus privaten Amateurfilmbildern der 1920er bis 1980er Jahre besteht. «Sie wirken manchmal etwas unbeholfen, aber genau das macht den Charme dieser Bilder aus», sagt Beat Hächler.

Denn der Gotthard sei ein Ort, den die Menschen mit vielen Erinnerungen in Verbindung bringen. Viele Menschen dürften sich etwa noch bestens an die langen Autokolonnen über die Tremola in den 1960er und 70er-Jahre erinnern. «Das versuchen wir im neuen Museum aufleben zu lassen», so Hächler. Für den Direktor des Alpinen Museums der Schweiz sind diese Erinnerungen allerdings auch ambivalent, wie er mit Blick auf die erste Überfahrt in seiner Kindheit lachend meint. «Mir wurde mindestens zwei Mal schlecht.»