Fernsehen
TV Total: Nun kehrt auch diese Kultsendung zurück

Stefan Raab ging 2015 in frühzeitige Rente. Nun kehrt zumindest TV Total zurück und reiht sich damit bestens in die Comebackwoche ein. Raab selber ist aber nur hinter den Kulissen tätig.

Michael Graber
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Sebastian Pufpaff tritt ab Mittwoch in die grossen Fussstapfen von Stefan Raab.

Sebastian Pufpaff tritt ab Mittwoch in die grossen Fussstapfen von Stefan Raab.

Bild ProSieben / Willi Weber

Comebacks haben gerade Hochkonjunktur. Abba veröffentlicht neue Musik nach alter Machart, «Wetten, dass...?» geht wieder auf Sendung und nun auch noch «TV Total». Das ist einerseits ein Indiz dafür, dass der Unterhaltungsindustrie die Ideen allmählich auszugehen scheinen, andererseits ist es aber auch Ausdruck einer gewissen Nostalgie-Sehnsucht. Früher war alles besser. Stimmt zwar nicht, aber das muss uns ja niemand sagen.

Das Comeback von «TV Total» ist anders als bei Abba und der Gottschalk-Sendung eigentlich nur ein halbes. Jener Mann, den alle mit der Fernsehsendung verbinden, wird sie nicht mehr moderieren. Stefan Raab ist nur noch Produzent. Comedian Sebastian Pufpaff ist der neue Raab, und der ist, wie er etwa in seiner Sendung «Pufpaffs Happy Hour» (3sat) beweist, durchaus ein lustiges Bürschchen.

Ansonsten, so ist der Ankündigung des Senders zu entnehmen, wird eigentlich nichts verändert. Die Heavytones sind wieder die Studioband, und der Moderator hat ein Nippelboard, welches auf Knopfdruck Kurzfilmchen aus dem Fernsehuniversum abspielt. Mit diesem Instrument hatte Raab allerlei unbedarften und bedarften Kerlchen und Kerlchinnen gnadenlos zu ihren 15 Minuten Ruhm verholfen. Grund für den grellen Schweinwerferspott konnte eine dümmliche Aussage in einer Talkshow sein oder ein prolliger Spruch eines Politikers.

Zum Deppen der Fernsehnation gemacht

Raab und sein Team konnten gerade in der Anfangszeit der Sendung schon Shitstorms auslösen, ehe dieser Begriff in unseren Breitengraden Einzug in den Sprachgebrauch gehalten hat. In den frühen 2000er-Jahren hatte der Konsum von «TV Total» etwas Voyeuristisches, die Zuschauer und Zuschauerinnen waren live dabei, wenn sich wieder jemand zum Deppen der Fernsehnation machte. Oder gemacht wurde. Nicht immer konnten die Protagonisten auch wirklich etwas dafür. Mittlerweile ist die Welt durch die Gemeinheitsmaschinerie Social Media in diesem Bezug etwas abgestumpft, aber «TV Total» konnte ganz schön grausam sein – was gleichzeitig die Erfolgsformel der Sendung war.

Stefan Raab war gerade in der Anfangszeit seiner Sendung oft sehr gnadenlos.

Stefan Raab war gerade in der Anfangszeit seiner Sendung oft sehr gnadenlos.

Keystone

Später wurden Raab und die Sendung braver und biederer. Gerade all die zahlreichen Ableger – von der Pokernacht übers Turmspringen bis zu «Schlag den Raab» – verkamen zeitweise zu besser gemachten vierstündigen Werbesendungen. Bis zum (vorläufigen) Ende 2015 zerrte «TV Total» viel vom krawalligen Charme der ersten Tage – die Sendung selber war dagegen eigentlich meistens ziemlich öde. Das Ende war nur folgerichtig.

Kein reines Nostalgieprojekt

Und genau hier liegt die grosse Herausforderung für dieses Comeback. An was will es überhaupt anknüpfen? An die frühen Tage wohl eher nicht. Aber braucht es tatsächlich ein neues «TV Total», wie es am Schluss war, also eine leicht aufgemöbelte Late-Night-Show? Das können andere mittlerweile besser – und auch moderner.

Youtube

Mit «TV Total» erhofft sich Pro7 wohl eine Renaissance der guten alten Zeit, als alle gespannt vor der Glotze sassen und auf die neusten raabschen Pointen warteten. Die Sendung mit Pufpaff steht vor der grossen Herausforderung, dass es nicht zum reinen Nostalgieprojekt ausarten darf , wie es so eben bei Abba passiert ist. Drei Tasten weiter auf der Fernbedienung warten Netflix und Co. Dann droht auch diesem Comeback rasch ein Waterloo.

TV Total läuft ab Mittwoch, 20.15 Uhr, wöchentlich auf ProSieben