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Weiteres IT-Debakel beim Bund? Finanzkontrolle sieht Projekt gefährdet

Die Schweizerische Exportrisikoversicherung muss ihr IT-System erneuern. Das Projekt steht jedoch auf der Kippe. Die Kritik der Finanzkontrolle fällt vernichtend aus.

Reto Wattenhofer
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Wer behält bei diesem Kabelsalat den Überblick? Das fragen sich auch die Prüfer der Finanzkontrolle. (Symbolbild)

Wer behält bei diesem Kabelsalat den Überblick? Das fragen sich auch die Prüfer der Finanzkontrolle. (Symbolbild)

Keystone

Die Schweizerische Exportrisikoversicherung (Serv) segelt etwas unter dem Radar der Öffentlichkeit. Das wird ihrer Rolle nicht gerecht. Hiesigen Exportunternehmen bietet sie Versicherungen und Garantien zum Schutz vor Zahlungsausfall an. 2019 belief sich der Verpflichtungsbetrag auf über zwei Milliarden Franken.

Nun droht der Serv bei einem eigenen Projekt selbst der Totalausfall. Das zeigt ein Bericht, den die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) am Mittwoch veröffentlicht hat. Unter die Lupe genommen hat sie das neue IT-Projekt. Für 8,6 Millionen Franken soll das heutige System Navision abgelöst werden.

Wer hat den klaren Überblick?

Der Erfolg des Projekts sei innerhalb der gesetzten Frist ernsthaft gefährdet, schreiben die Prüfer in ihrem Bericht. Und schieben nach: Es sei bezeichnend, dass das Lieferdatum bereits zweimal verschoben worden sei. Für die EFK ist der genaue Status des Projekts generell schwierig zu beurteilen. Ein Grund dafür ist, dass die Mitarbeitenden der Serv gar nicht in der Lage sind, einen klaren Überblick über den Fortschritt des Projekts zu geben.

Nach Ansicht der Prüfer begannen die Probleme bereits bei der Beschaffung. Obwohl sich die notwendige Ablösung schon 2015 abzeichnete, wurde das Projekt erst 2018 in die Wege geleitet. Dann setzte die Serv auf die falsche Verfahrenswahl. Den Anbietern gab sie auch nicht die detaillierten Evaluationskriterien und das Bewertungschema bekannt. Die Folge: Die Finanzkontrolle kann nicht ausschliessen, dass nicht das günstigste Angebot den Zuschlag erhalten hat.

Konkursrisiko des gewählten Anbieters

Zweifel gibt es auch beim Unternehmen Tinubu, das bei dem Projekt zum Zug kam. Zwar ist die Finanzkontrolle der Ansicht, dass der Konzern ein moderner IT-Dienstleister ist. Angesichts der Geschäftsergebnisse der letzten Jahre könne das Risiko eines Konkurses jedoch nicht ausgeschlossen werden. Für diesen Fall hat die Serv aber nicht ausreichend vorgesorgt. Laut EFK enthält der Vertrag weder Informationen zur Rückgabe von Daten noch Dokumente allgemeiner Art wie Schulungshandbücher oder Bedienungsanleitungen.

Den Vergabeentscheid belasten nach Ansicht der Prüfer schliesslich rechtliche Unsicherheiten. Die ursprünglich von Tinubu angebotene Lösung basiert auf einer ausserhalb der Schweiz angelegten Cloud-Infrastruktur. So sieht es der Vertrag vor. Allerdings gibt es für die Bundesverwaltung in diesem Bereich noch keine Vorgaben. Deshalb hatte ein Gutachter der Serv empfohlen, eine Bewilligung des Bundesrates für die Datenbearbeitung in einer ausländischen Cloud einzuholen. Diese entschied sich jedoch dagegen und plant den Aufbau des IT-Systems in den eigenen Räumlichkeiten in der Schweiz.

Die Serv erachtet die Prüfung von letztem Juli selbst als hilfreich. Die meisten Empfehlungen seien bereits seit letztem Herbst umgesetzt, betont sie in einer Stellungnahme im Bericht. Das Projekt stehe deshalb anders da als im Bericht dargestellt.

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