Ukraine-Krieg
Zu wenig Plätze für Flüchtlinge: Bund öffnet Militärturnhallen

Der Zustrom ukrainischer Flüchtlinge stellt die Schweiz vor grosse Herausforderungen. Nun muss der Bund auf Militärturnhallen zurückgreifen. Die Kantone haben mit Personalmangel zu kämpfen. In die Bresche springen soll der Zivildienst.

Reto Wattenhofer
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Spartanisch, aber herzlich: Die Schweizer Behörden agieren in der Ukraine-Krise unkompliziert und zupackend. (Symbolbild)

Spartanisch, aber herzlich: Die Schweizer Behörden agieren in der Ukraine-Krise unkompliziert und zupackend. (Symbolbild)

Keystone

Seit 20 Tagen können geflüchtete Menschen aus der Ukraine in der Schweiz um den Schutzstatus S ersuchen. Inzwischen haben sich rund 22'000 Personen registriert, wie David Keller, Leiter des Krisenstabs Asyl beim Staatssekretariat für Migration (SEM), am Donnerstag vor den Medien erklärte. Zahlenmässig habe sich die Lage nicht wesentlich verändert. Täglich verzeichne der Bund 1000 Neueintritte.

Laut Keller klappt die Registrierung und die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kantone. Allerdings gebe es immer wieder kleinere Engpässe – vor allem im Bundesasylzentrum in Zürich. Aufgrund des grossen Zustroms stosse das Zentrum an seine Grenzen. Das hat Konsequenzen: «Wir sind gezwungen, Transfers vorzunehmen», räumt Keller ein. In Zürich selbst seien nicht mehr genügend Plätze vorhanden.

Der Bund ist daran, weitere Kapazitäten zu schaffen. Als erste Massnahmen seien zwei Militärturnhallen – in Champlon VD und Thun BE – geöffnet worden. In den nächsten Wochen würden weitere Standorte geöffnet. Der Bund müsse rasch reagieren, es sei eher eine Frage von Tagen als Wochen. Laut Keller ist es das Ziel, die Bundesreserve von heute 9000 auf 12'000 Plätze zu erhöhen.

Erprobte Schulkonzepte

Auch die Kantone und Gemeinden stehen vor grossen Herausforderungen. Für Christoph Niederberger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, sind dies vor allem die Unterbringung, Einschulung der Kinder und die Kommunikation der Behörden. Allerdings zeigte er sich zuversichtlich. «Der Migrationsbereich ist sehr gut organisiert.»

Auch Andreas Walter, Co-Präsident der Volksschulämterkonferenz, strahlte Optimismus aus. «Wir können diese Krise gemeinsam bewältigen.» Die Schulkonzepte seien erprobt und bewährt. Auch hätten viele Lehrerinnen und Lehrer angeboten, ihr Pensum zu erhöhen. An vielen Schulen sei bereits früh mit der Einschulung begonnen werden. Walter rechnet mit über 5000 Kinder im schulpflichtigen Alter, die aus der Ukraine geflüchtet sind.

Zu schaffen machen den Behörden die personellen Ressourcen. Gemäss Keller hapert es bei der Rekrutierung für das Personal, das in den Zentren für die Betreuung und die Sicherheit zuständig ist. Eine gute Nachricht hatte Gaby Szöllösy, Generalsekretärin der kantonalen Sozialdirektoren. Um die personellen Engpässe zu entschärfen, könnten die Kantone auch Zivildienstleistende einsetzen.