Tierschutz
Illegaler Welpenhandel: Jetzt greift die Politik durch

Die Schweiz ist ein attraktives Land für den illegalen Welpenhandel. Allerdings sind den hiesigen Behörden oft die Hände gebunden. Das solle sich ändern, findet der Nationalrat.

Reto Wattenhofer
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Viele Hundewelpen aus dem Ausland sind krank und müssen gleich nach ihrer Ankunft zum Tierarzt.

Viele Hundewelpen aus dem Ausland sind krank und müssen gleich nach ihrer Ankunft zum Tierarzt.

Keystone

Die Sehnsucht nach einem vierbeinigen Freund war gerade in Zeiten der Coronapandemie gross. So gross, dass die Nachfrage nach Hundewelpen das Angebot überstieg. Züchterinnen und Züchter führten lange Wartelisten. In die Bresche sprangen ausländische Hundehändler. 2020 wurden 29’600 Hunde in die Schweiz importiert – so viele wie noch nie.

Warum sich gedulden, wenn sich der Welpe nach Wahl per Mausklick im Internet bestellen lässt, dürfte sich so mancher Hundefreund gesagt haben. Die Kehrseite: Häufig stammen die Welpen aus osteuropäischen Ländern, wo sie meist unter qualvollen Bedingungen gezüchtet werden. Im Vordergrund steht weniger das Tierwohl sondern der Profit.

Nun möchte auch die Politik dem lukrativen Geschäft einen Riegel schieben. Der Nationalrat hat am Freitag eine Motion von Martina Munz (SP/SH) stillschweigend angenommen. Auch der Bundesrat sieht Handlungsbedarf. Nun muss der Ständerat zustimmen.

«Unnötige Bürokratie» gefährdet Tierwohl

Munz fordert, dass die Schweiz rasch und unkompliziert mit ausländischen Behörden Daten und Informationen austauschen kann, um tierquälerischen Welpenhandel zu verhindern. Heute sind Bund und Justiz oft die Hände gebunden, weil der Datenschutz höher gewichtet wird als der Tierschutz. Daten können nur mit Hilfe eines Amtshilfegesuchs übermittelt werden. «Diese unnötige Bürokratie verhindert, dass mutmasslich kriminellen Hundehändlern im Ausland das Handwerk gelegt wird, obwohl deutliche Tierschutzverstösse bekannt sind», kritisiert Munz.

Die SP-Politikerin verweist in ihrer Motion auf eine SRF-Recherche über eine Hundehandelsfirma aus der Slowakei, die im grossen Stil meist kranke Welpen in die Schweiz verkauft haben soll. Diese sei bereits seit Jahren auf dem Rader der Schweizer Kantonstierärzte. Zwischen Juni 2019 und 2021 seien in 70 Prozent der Fälle Unregelmässigkeiten festgestellt worden. Als Folge reichte die St.Galler Staatsanwaltschaft Strafanzeige ein. Allerdings konnte sie nicht am Firmensitz in der Slowakei intervenieren.

Tierspital schlägt Alarm

Die ausländischen Hundehändler profitieren auch von einer hiesigen Gesetzeslücke. Heute dürfen Welpen im Alter von nur acht Wochen in die Schweiz importiert werden. Ganz anders in den Nachbarländern. In der EU gilt ein Mindestalter von 15 Wochen. Das ist noch aus einem anderen Grund entscheidend: Die wichtige Tollwut-Impfung darf bei Welpen erst im Alter von 12 Wochen gemacht werden.

Alarm geschlagen hat denn auch das Zürcher Tierspital. Der «Importwelpen-Boom wegen Corona» habe zur Folge, dass immer mehr kranke Welpen aus dem Ausland behandelt würden, heisst es in einer Broschüre mit dem Titel «Augen auf beim Welpenkauf». Der Grund: Die Tiere werden oft viel zu früh von der Mutter und den Geschwistern getrennt, sind daher schlecht sozialisiert, krank und geschwächt. Das Spital schreibt von einer «Welpenproduktion am Fliessband».