Studie
Mehr Kultur, dafür teurere Häuser: Resort Andermatt löst gemischte Gefühle aus

Das Tourismusresort Andermatt hat die Urner Gemeinde stark verändert. Dies löst in der Bevölkerung unterschiedliche Gefühle aus, wie eine Studie zeigt. Zum Teil sei auch eine Verunsicherung spürbar.

Dario Pollice
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Das Tourismusprojekt Andermatt bringt weitgehende Veränderungen für das Urner Dorf mit. Im Bild sieht man die Grundsteinlegung zum Haus Alpenrose am 21. April 2017.

Das Tourismusprojekt Andermatt bringt weitgehende Veränderungen für das Urner Dorf mit. Im Bild sieht man die Grundsteinlegung zum Haus Alpenrose am 21. April 2017.

Bild: Keystone

In etwas mehr als einem Jahrzehnt hat sich das Landschaftsbild von Andermatt stark verändert. Grund dafür ist das von Multimilliardär Samih Sawiris angestossene Tourismusprojekt Andermatt Swiss Alps. Es umfasst den Bau von sechs Hotels im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich, rund 500 Apartments in 42 Häusern, 28 Privatvillen sowie einen 18-Loch-Golfplatz. Und das Resort wird in Zukunft nochmals beträchtlich wachsen.

Solche Veränderungen gehen an der Bevölkerung nicht spurlos vorbei. Die Hochschule Luzern hat untersucht, welche kurz- und langfristigen Folgen das Grossprojekt auf die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen der Urner Gemeinde hat. Die am Freitag veröffentlichten Resultate zeigen nun: In der Bevölkerung ist teilweise eine Verunsicherung spürbar. «Etliche Einwohnerinnen und Einwohner befürchten eine Verdrängung der einheimischen Bevölkerung oder andere negativen Folgen», zitiert die Mitteilung Beatrice Durrer Projektleiterin der Studie.

Auffällig sei etwa, dass das Projekt Andermatt räumlich in zwei Dorfteile trennt: in den alten Dorfkern und in das Feriendorf Andermatt Reuss. Diese räumliche Abgrenzung kann sich laut der Studienautorin Beatrice Durrer auch auf die gesellschaftliche Ebene übertragen. So zeigten sich die Dorfbewohnerinnen und -bewohner in Interviews besorgt, dass sich in Andermatt eine Parallelwelt entwickeln könnte, der sich viele nicht zugehörig fühlen.

Einfamilienhäuser bis zu 500 Prozent teurer

Besonders deutliche Spuren hinterlässt das Tourismusresort auf dem Einfamilienhausmarkt. So sind die Preise hier seit Bekanntgabe des Projekts vor vierzehn Jahren um 270 bis über 500 Prozent gestiegen, heisst es. Zum Vergleich: Gesamtschweizerisch lag der Preisanstieg im gleichen Zeitraum bei 44 Prozent. Aber auch die Wohnungen seien seit 2010 insgesamt um etwa 45 bis 50 Prozent teurer geworden.

Das Tourismusprojekt bringt laut der Studie auch Vorteile für die Bevölkerung. So würden die Bewohner die Modernisierung und Erweiterung des Skigebiets durchwegs positiv betrachten. Die Bevölkerung könne aber auch vom grösseren Kultur- und Freizeitangebot im Dorf profitieren, etwa vom öffentlich zugänglichen Schwimmbad und von neuen Wander- und Bikewegen.

Hans Regli, Gemeindepräsident von Andermatt, ist zudem überzeugt: «Es konnten Arbeitsplätze gesichert und zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden», zitiert ihn die Mitteilung.

Bevölkerung sieht Chancen

Ein weiterer positiver Effekt: Dank des Anstiegs der Wohnbevölkerung seien auch die Kantonssteuereinnahmen auf Ebene der Gemeinde gestiegen - zwischen 2009 und 2019 haben sie sich gemäss der Studie fast verdoppelt.

Insgesamt blicken viele Einwohner derweil positiv in die Zukunft und sehen beim Resort mehr Chancen als Nachteile, wie die Studie festhält. Allerdings sei der Einbezug der Bevölkerung und anderen Akteuren ein Schlüssel für den positiven Verlauf der weiteren Entwicklung.

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