Nationale Impfwoche
Konzerte, Promis und Impfbusse: So sollen Impfmuffel motiviert werden

Die Impfquote steigt in der Schweiz noch immer nur langsam. Mit der Impfwoche setzt der Bundesrat nun zum Schlussspurt an. Dabei richtet er mit der grossen Kelle an und setzt auf den Promifaktor.

Reto Wattenhofer
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«Chum bring en hei»: Was an der Europameisterschaft 2008 in der Schweiz taugte, soll auch bei der Impfwoche funktionieren.

«Chum bring en hei»: Was an der Europameisterschaft 2008 in der Schweiz taugte, soll auch bei der Impfwoche funktionieren.

Keystone

Knapp 73 Prozent der über 12-Jährigen hierzulande sind gegen das Coronavirus geimpft. Zu wenig, findet der Bundesrat. Seiner Ansicht nach kann nur mit einer deutlich höheren Impfrate eine Überlastung des Gesundheitswesens verhindert werden. Nach heutigem Kenntnisstand müsste die Quote bei den über 65-Jährigen bei 93 Prozent liegen, bei den 18- bis 65-Jährigen bei 80 Prozent.

Nun setzen Bund und Kantone zum Schlussspurt an. Gemeinsam haben sie für nächste Woche eine nationale Impfwoche auf die Beine gestellt. Am Mittwoch haben sie über die Details informiert. Um die Wichtigkeit zu betonen, warben gleich vier Vertreter des Staates vor den Medien in Bern für die Impfoffensive. Neben Bundespräsident Guy Parmelin und Gesundheitsminister Alain Berset waren auch die Kantone vertreten. Mit von der Partie waren die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli und ihr Basler Kollege und Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, Lukas Engelberger.

Jede Impfung zählt

«Gemeinsam aus der Pandemie»: So lautet das Motto der Impfwoche. Was es braucht, damit sich mehr Menschen impfen lassen, brachte Berset auf die einfache Formel: «Informieren, informieren und nochmals informieren.» Denn der Nutzen der Impfung sei gross. Mit 150 Impfungen könne eine Hospitalisierung auf der Intensivstation vermieden werden, betonte der Gesundheitsminister.

Für die Impfoffensive lässt der Bund 96 Millionen Franken springen. Die Kosten seien gerechtfertigt. «Wir sind tief überzeugt: Ja, es lohnt sich», beteuerte Berset. Zu konkreten Zielen zur Impfwoche und möglichen Szenarien danach hielten sich die Bundesräte auf Nachfrage jedoch bedeckt. «Jede zusätzliche Impfung ist ein Erfolg», sagte Berset nur. Die Kampagne sei ein letzter Aufruf für all jene, die sich noch geimpft hätten.

Bund macht auf Konzertveranstalter

Bei der Impfwoche setzen Bund und Kantone vor allem auf Promis. 80 Persönlichkeiten aus Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik sollen sich im Vorfeld in Inseraten für die Impfwoche einsetzen.

Geplant ist auch eine Informations- und Konzerttour mit dem Namen «Back on Tour» – mit Stationen in Lausanne, Luzern, Sitten, St. Gallen und Thun. Kostenpunkt: 2,5 Millionen Franken. Für die Mini-Tournee konnte der Bund Musikgrössen wie Sophie Hunger, Stress, Baschi oder Stefanie Heinzmann gewinnen. Der Startschuss fällt nächsten Montag auf dem Bundesplatz in Bern – unter den wachsamen Augen von Parmelin.

Begleitet werden die Konzerte von einer Impfberatung wie auch der Möglichkeit, sich gleich vor Ort impfen zu lassen. Die Zuschauerzahl ist auf 500 Personen begrenzt. Da die Konzerte draussen stattfinden, besteht keine Zertifikatspflicht. Kostenlose Tickets können auf der Webseite der Impfwoche bezogen werden.

44 statt 170 mobile Einheiten

Während der Impfwoche wie auch den folgenden Wochen werden in den Kantonen zusätzliche mobile Impfbusse herumkurven. Nach Ansicht des Bundesrates sollen damit nicht geimpfte Personen einfach Zugang zu einer spontanen Impfung erhalten. Allerdings war er bei der Ankündigung der Impfwoche wohl etwas euphorisch. Statt 170 Impfbussen sind nun noch 44 eingeplant.

Alle Kantone wie auch Vereine, Verbände und Organisationen bieten lokale Veranstaltungen mit Beratung und niederschwelligen Impfangeboten an. So gibt es etwa eine Impfnacht oder einen Livestream mit Expertinnen und Experten. Die Zürcher Regierungsrätin Rickli kündigte an, dass es am Zürcher Hauptbahnhof ein Impfdorf geben werde, in dem auch Menschen aus anderen Kantonen willkommen seien.

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