Lohnentwicklung
Wegen Teuerung muss Bevölkerung mit Einkommensverlust rechnen

Der Krieg in der Ukraine treibt die Preise nach oben. Die Bevölkerung muss sich gar auf einen Einkommensverlust gefasst machen. Denn eine Umfrage zeigt, dass die geplanten Lohnerhöhungen der Unternehmen moderat ausfallen.

Dario Pollice
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Im Gesundheitswesen erwarten die Teilnehmer der KOF-Umfrage ein Lohnwachstum von nur 1 Prozent. (Symbolbild)

Im Gesundheitswesen erwarten die Teilnehmer der KOF-Umfrage ein Lohnwachstum von nur 1 Prozent. (Symbolbild)

Keystone

Die Teuerung steigt hierzulande so stark an wie seit über 13 Jahren nicht mehr: Das allgemeine Preisniveau lag im März um 2,4 Prozent höher als noch im Vorjahresmonat. Gestiegen sind etwa die Preise für Benzin und Teigwaren. Nun müssen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Gürtel noch enger schnallen.

Denn eine Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) zeigt, dass Schweizer Unternehmen die Löhne nur moderat anheben. Die Studie wird erst am Freitag veröffentlicht, liegt aber bereits CH Media vor. Zuvor berichtete der «SonntagsBlick» darüber.

Demnach planen die rund 1500 Umfrageteilnehmer in diesem Jahr Lohnerhöhungen von lediglich 1,6 Prozent. Das Problem sei aber, dass die Betriebe die Löhne in der Regel nur einmal im Jahr anpassen, nämlich zu Jahresbeginn. «Das dürfte dazu führen, dass die Nominallöhne 2022 kaum auf den Ukraine-Krieg und die dadurch ausgelösten Preissteigerungen reagieren werden», analysiert die KOF. Generell konstatieren die Konjunkturforscher:

«Das tiefe Nominallohnwachstum 2022 reicht nicht aus, um die erwartete Teuerung im laufenden Jahr zu kompensieren.»

Wie hoch der Einkommensverlust letztlich ausfällt, ist davon abhängig, wie sich die Teuerung entwickelt und in welcher Branche man angestellt ist. Das höchste Wachstum mit zwei Prozent erwarten laut der Studie die Befragten aus den Sektoren Finanzdienstleistung, IT, Beherbergung, Lagerei, Motorfahrzeuge, Holzindustrie, Maschinenbau sowie Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten.

Gewerkschaftsbund fordert höhere Löhne

Am anderen Ende liegt das Druckgewerbe mit einem erwarteten Zuwachs von lediglich 0,5 Prozent. Hingegen geht in der Immobilienbranche sowie im Bereich der sonstigen Warenherstellung eine Mehrheit der Befragten davon aus, dass die Löhne gar nicht steigen.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) rechnet indes mit empfindlichen realen Lohneinbussen für die Arbeitnehmenden. In Zahlen sind das laut dem SGB mehr als 3000 Franken pro Jahr für eine Familie mit Kindern. Deshalb forderte der Gewerkschaftsbund vor kurzem generelle Lohnerhöhungen, welche den Teuerungsausgleich übersteigen.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband winkt jedoch ab. Viele der Unternehmen stünden in einem harten internationalen Wettbewerb: wenn sie für Löhne oder Vorprodukte mehr zahlen müssen, können sie diese Kosten nicht auf ihre Endpreise überwälzen. Erhöhen sie die Löhne, so steigt gemäss dem Arbeitgeberverband das Risiko, dass sie bei den Personalkosten ansetzen.

Immerhin gibt es einen Lichtblick: Für 2023 prognostiziert die KOF einen Reallohnanstieg von 1.1 Prozent.