Kinderwunsch
Unfruchtbare Paare: Nationalrat will Eizellenspende legalisieren

Die Eizellenspende nimmt in der Schweiz eine erste Hürde: Der Nationalrat spricht sich für eine Legalisierung aus. Allerdings dürfte der Weg steinig sein.

André Bissegger
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Unfruchtbare Frauen können ihren Kinderwunsch vielleicht doch erfüllen: Die Legalisierung der Eizellenspende nimmt eine erste Hürde.

Unfruchtbare Frauen können ihren Kinderwunsch vielleicht doch erfüllen: Die Legalisierung der Eizellenspende nimmt eine erste Hürde.

Keystone

Seit vielen Jahren wird in der Schweiz über die Eizellenspende diskutiert. Bislang mussten unfruchtbare Frauen aus der Schweiz ins Ausland gehen, wenn sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen wollte. Paare, bei denen der Mann unfruchtbar ist, können dagegen auf eine Samenspende in der Schweiz setzen – bezahlt von der Krankenkasse.

Für die Mehrheit im Nationalrat ist das «eine inakzeptable Ungleichbehandlung». Sie fasste sich ein Herz und möchte Ehepaaren, bei denen die Frau unfruchtbar ist, auch in der Schweiz den Zugang zur Eizellenspende ermöglichen. Der Nationalrat stimmte am Donnerstag mit 107 zu 57 Stimmen bei 16 Enthaltungen einer Motion seiner Wissenschaftskommission zu. Zustimmung gab es vor allem von FDP, GLP SP und Grünen. Die SVP und Mitte lehnten die Forderung dagegen mehrheitlich ab. Nun ist der Ständerat am Zug.

Mit dem Vorstoss wird der Bundesrat aufgefordert, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen und Rahmenbedingungen abzustecken. Auch soll er eine Roadmap vorlegen, die alle offenen Fragen thematisiert.

In Europa nur in der Schweiz und in Deutschland verboten

Die Kommission spricht in ihrem Vorstoss von einer «zeitgemässen Lösung». Denn in Europa kenne ausser der Schweiz nur noch Deutschland ein Verbot der Eizellenspende, sagte Kommissionssprecher Thomas Brunner (GLP/SG). «Es geht dabei nicht um das Recht auf Fortpflanzung, sondern um das Kindswohl und die Gleichbehandlung der Geschlechter.» Denn mit einer Legalisierung würden die betroffenen Ehepaare denjenigen gleichgestellt, bei denen der Unfruchtbarkeitsgrund beim Mann liegt. Brunner versicherte, es gehe weder um Leihmutterschaft noch um Embryonenspende.

Die Minderheit befürchtet, Kinder verkämen in der Schweiz zunehmend zur Ware. «Mit diesem Vorstoss sollen ethische Grenzen fallen», kritisierte Alois Huber (SVP/AG). Er glaubt, dass die Eizellenspende erst der Anfang ist und fragt sich, ob Frauen nur noch Produktions- und Gebärmaschinen seien. Zudem warnte er vor Gesundheitsrisiken und rief dazu auf, den Willen der Natur zu akzeptieren.

Auch der Bundesrat sprach sich gegen die Motion aus. Der Grund: Aktuell wird das Fortpflanzungsmedizingesetz evaluiert. Die ersten Resultate werden im kommenden Jahr erwartet. «Diese möchten wir abwarten», sagte Bundesrat Alain Berset.

Noch ein langer Weg

Die Diskussion über die Eizellenspende erhielt im vergangenen Herbst erneut Auftrieb. Damals sagte die Stimmbevölkerung deutlich Ja zur «Ehe für alle» und damit auch zur Samenspende für alle.

Trotzdem dürfte der Weg bis zur Eizellenspende noch lang sein: Trotz Zustimmung im Nationalrat ist noch nicht sicher, ob das Anliegen im Parlament durchkommt. Die Politik tut sich grundsätzlich schwer mit der Legalisierung. Das zeigte sich auch während der Beratung. Zudem ist das Anliegen ethisch so umstritten, dass schliesslich wohl das Stimmvolk das letzte Wort haben wird.