Journalismus
Qualität der Schweizer Medien steigt – dafür sinkt die Vielfalt

Viele Schweizer Medientitel konnten sich bei der Qualität ihrer Berichterstattung verbessern. Demgegenüber stehen Verluste in der Vielfalt, wie das jüngste Medienqualitätsrating zeigt. Die Radiosendung «Echo der Zeit» schwingt erneut obenauf.

Dario Pollice
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Im Vergleich zum letzten Rating von 2020 konnten viele Medien ihre Qualität steigern oder zumindest halten. (Symbolbild)

Im Vergleich zum letzten Rating von 2020 konnten viele Medien ihre Qualität steigern oder zumindest halten. (Symbolbild)

Keystone

Das Coronavirus kam für den Journalismus zum richtigen Zeitpunkt. Die Pandemie mit ihren weitreichenden gesundheitlichen, gesellschaftlichen, politischen, und wirtschaftlichen Herausforderungen wirkte wie eine «Vitalitätsspritze». So lautet die Bilanz des am Dienstag publizierten Medienqualitätsratings 2022. Dabei wurde die Qualität der 51 wichtigsten Informationsmedien der Schweiz untersucht.

Im Vergleich zu der Zeit vor Corona konnten demnach die meisten Tages- und Onlinezeitungen sowie fast alle Sendungen der SRG sich in drei von vier sogenannten Qualitätsdimensionen verbessern. Gemäss dem Rating weisen sie eine höhere Relevanz auf, mehr Einordnung und eine gestiegene Professionalität.

In Zahlen ausgedrückt, konnten von den 51 Medien 37 Titel ihre Qualität im Vergleich zum vorherigen Rating von 2020 entweder halten oder steigern. Lediglich 14 haben an Qualität eingebüsst. Demgegenüber stehen aber «schwerwiegende Verluste» in der Vielfalt, wie es im Bericht heisst. «Gerade die eher regional orientierten Titel verlieren an Qualität.»

«Echo der Zeit» und «Watson» mit Spitzenwerten

Weiter geht aus dem Rating hervor, dass alle privaten TV-Sendungen ihre Qualität steigern konnten, wobei die Nachrichtensendung «Le Journal» von Léman Bleu am deutlichsten zugelegt hat. Doch auch Tele Bärn, Tele 1, Tele M1 und TeleZüri, die wie dieses Portal zu CH Media gehören, konnten ihre Gesamtbewertung verbessern.

Das gute Abschneiden der Regionalsendungen ist laut dem Monitoring insofern wichtig, weil in der mehrsprachigen und kleinräumigen Schweiz dem Privatrundfunk eine «hohe lokalregionale» Bedeutung zukommt, «die keinesfalls unterschätzt werden darf».

Mit Blick auf die Gesamtwertung erreicht die SRF-Radiosendung «Echo der Zeit» erneut Spitzenwerte. Das Nachrichtenmagazin belegt bereits zum vierten Mal in Folge den ersten Rang in der Gruppe Radio und Fernsehsendungen. Doch auch im Gesamtvergleich über alle untersuchten Medientitel hinweg «schneidet kein Informationsmedium besser ab», wie es im Bericht heisst.

Bei den Tages- und Onlinezeitungen erreicht die «NZZ» den ersten Rang, während bei den Sonntagszeitungen und Magazinen sich erstmals die Wochenzeitung «WOZ» an der Spitze befindet. Knapp dahinter folgt die «NZZ am Sonntag». In der Gruppe der Boulevard- und Pendlerzeitungen sticht insbesondere «Watson» heraus. Sie hat laut dem Monitoring «mit deutlichem Abstand» die Spitzenposition erreicht. Erst kürzlich gab CH Media bekannt, dass das Online Nachrichtenportal in das Unternehmen integriert wird.

Das Medienqualitätsrating wird vom Stifterverein Medienqualität Schweiz herausgegeben. In dessen Auftrag misst das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich die Berichterstattungsqualität mittels Inhaltsanalyse. Die Universität Fribourg und die Hochschule Luzern messen hingegen die Qualitätswahrnehmung mit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung.