Grippeviren und Co.
Infektiologe am Zürcher Unispital: «Wenn wir Pech haben, gibt es eine Megawelle von respiratorischen Infekten»

Wegen den Corona-Schutzmassnahmen bleiben normale Virusinfekte fast aus. Mit den Lockerungen sind sie wieder auf Vormarsch. Wie schwer die Grippe diesen Winter ausfällt, ist indes unklar.

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Wie stark die Grippe zuschlägt, ist laut Infektiologe Huldrych Günthard unklar. Das BAG geht erwartet indes eine Grippewelle «in gewohntem Ausmass». (Symbolbild)

Wie stark die Grippe zuschlägt, ist laut Infektiologe Huldrych Günthard unklar. Das BAG geht erwartet indes eine Grippewelle «in gewohntem Ausmass». (Symbolbild)

Keystone

Abstandhalten, Händewaschen und Maske tragen schützen nicht nur vor dem Coronavirus, sondern auch vor den altbekannten Viren. Doch seitdem der Bundesrat die Massnahmen schrittweise gelockert hat, sind die normale Atemwegserkrankungen wieder auf Vormarsch. «Halsweh, starken Schnupfen, aber auch Durchfallerkrankungen beobachten wir in unseren Praxen wieder häufig», bestätigt Mediziner Felix Huber der «NZZ am Sonntag». Huber ist Präsident des Ärztenetzes Medix, zu dem schweizweit 800 Ärzte gehören. Auch der Verband der Haus- und Kinderärzte registriere vermeldet ähnliches.

Huldrych Günthard, leitender Arzt in der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Zürcher Universitätsspital, zeigt sich besorgt darüber. Denn die Infekte treffen nun auf eine Bevölkerung, die weniger immunisiert ist als vor der Pandemie. «Wenn wir Pech haben, gibt es zusätzlich zum bereits hohen Niveau von Corona-Infektionen eine Megawelle von respiratorischen Infekten aller Art, die bisher aufgrund der Schutzmassnahmen zurückgedrängt waren und nun virulenter geworden sind», lässt sich der Mediziner zitieren.

Wie stark schlägt die Grippe zu?

Auch die sogenannten humanen Coronaviren, die seit vielen Jahren als Erkältungsviren in der Bevölkerung zirkulieren, könnten laut Günthard nun «potenziell gefährlicher zurückkommen», weil in der Gesellschaft weniger Immunität vorhanden sei. Das gleiche gelte für die saisonale Grippe. «Niemand weiss, wie stark sie diesen Winter einschlagen wird», sagt Günthard. «Die grosse Frage ist: Wird sie nach einem Jahr Pause umso schwerer ausfallen? Die Populationsimmunität hat wahrscheinlich beträchtlich abgenommen»

Das Bundesamt für Gesundheit geht indes nicht von einer stärkeren Grippewelle aus: «Auch nach einem Jahr ‹Pause› sollte noch eine robuste Teilimmunität in der Bevölkerung vorhanden sein», zitiert der Zeitungsbericht das BAG. Falls in Europa die Massnahmen dank einer ausreichenden Durchimpfung gegen Corona weitgehend gelockert sind, dürfte es im Winter zu einer Grippewelle «in gewohntem Ausmass» kommen. (dpo)

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