Gewalt gegen junge Frauen
Bundesrat mahnt: Es hat zu wenig Plätze in Frauenhäusern

Die Gewalt gegen junge Frauen hat in der Schweiz in den letzten Jahren zugenommen. Das zeigt eine neue Studie. Nun schlägt der Bundesrat Alarm: Er fordert mehr Frauenhäuser.

Reto Wattenhofer
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Zunehmend werden auch junge Frauen Opfer schwerer Gewalt.

Zunehmend werden auch junge Frauen Opfer schwerer Gewalt.

Keystone

Zwischen 2012 und 2020 hat die Zahl der Gewaltstraftaten an jungen Frauen unter 18 Jahren um fast einen Viertel auf 1819 zugenommen. In den Jahren vor 2012 war die Entwicklung noch rückläufig gewesen. Zu diesem Schluss gelangt ein externer Bericht, den der Bundesrat am Mittwoch verabschiedet hatte. Bestellt hatte ihn der Nationalrat mittels Postulat.

Aufhorchen lässt auch eine andere Zahl: 2020 waren 190 Mädchen (oder jedes zehnte) von schwerer Gewalt betroffen. Das entspricht einer Zunahme um mehr als 80 Prozent gegenüber 2012. Organisationen wie die Opferberatungsstelle oder die Polizei gaben im Bericht an, dass sie im ersten Pandemiejahr mit mehr als 1000 gewaltbetroffenen Mädchen und jungen Frauen Kontakt gehabt hatten. 500 wurden in eine Not- oder Schutzunterkunft untergebracht.

Es braucht zusätzliche Plätze

Gemäss des Berichts gibt es aber zu wenige Unterkünfte für betroffene Frauen. Zwei Drittel der befragten Fachpersonen und Organisationen beurteilten das Angebot «als zu klein oder nicht passend». Es fehlten bis zu 36 zusätzliche Plätze, um den steigenden Bedarf in den nächsten fünf Jahren decken zu können.

Für den Bundesrat steht deshalb fest, dass das Angebot an Frauen- und Mädchenhäuser ausgebaut werden muss. Allerdings sind ihm insofern die Hände gebunden, als dass die Zuständigkeit für diesen Bereich bei den Kantonen liegt. Er begrüsse es deshalb, dass die Konferenz der kantonalen Sozialdirektoren (SODK) Vorschläge machen möchte, wie die Angebotslücke geschlossen werden könnte, heisst es in einer separaten Medienmitteilung zum Bericht vom gleichen Tag. Angemessene Angebote fehlen vor allem in der West- und Zentralschweiz sowie im Tessin.