Gesundheitswesen
Umfrage zeigt: Erste Coronawelle führte zu Stress für Pflegepersonal

Im Frühling 2020 nahmen der Stress und die Arbeitsbelastung beim Pflegepersonal zu, wie eine Umfrage zeigt. Erstaunlich ist: Auf die allgemeine Arbeitszufriedenheit hatte dies keine Auswirkungen.

Dario Pollice
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Vor allem auf den Intensivabteilungen stieg die Belastung für die Pflegefachkräfte. (Symbolbild)

Vor allem auf den Intensivabteilungen stieg die Belastung für die Pflegefachkräfte. (Symbolbild)

Keystone

(dpo) Das Pflegepersonal kämpft seit einem Jahr an vorderster Front gegen das Coronavirus. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Universität Bern zeigt. So erlebte das Pflegepersonal während der ersten Coronawelle im Frühling 2020 deutlich mehr Stress und eine höhere Arbeitsbelastung als im Jahr 2019. Besonders betroffen davon waren Mitarbeitende von Not- und Intensivstationen, bei denen die Arbeitsbelastung laut Mitteilung um 31 Prozent zunahm.

Die Umfrage zeigt auch, dass das Pflegepersonal während der ersten Corona-Welle weniger zufrieden mit seiner Bezahlung war. Der entsprechende Umfragewert sank um 9.4 Prozent. Die allgemeine Arbeitszufriedenheit der Fachkräfte sowie ihre Bindung an ihr Spital haben jedoch keinen Schaden genommen. «Dass trotz des höheren Stresses und der gesunkenen Zufriedenheit mit der Bezahlung die allgemeine Arbeitszufriedenheit sogar leicht angestiegen ist, ist bemerkenswert», wird Arthur Posch, Professor an der Universität Bern und Co-Autor der Studie in der Mitteilung zitiert.

Weniger als 40 Prozent erhielten Belohnung

Von den befragten Pflegefachkräften hat gemäss der Mitteilung lediglich eine Minderheit (38 Prozent) für ihre Arbeit während der ersten Welle eine Belohnung erhalten. Bei denjenigen, die eine Belohnung erhalten haben, ist sowohl die Zufriedenheit mit den Schutzmassnahmen des Spitals sowie die allgemeine Arbeitszufriedenheit um 37 respektive 8 Prozent gegenüber den Angestellten ohne Belohnung gestiegen. Die Art der Belohnung (Geschenkkorb, Gutschein, Anerkennung) und der Wert waren dabei weniger ausschlaggebend als die Geste an sich.

Für die Umfrage hat das Institut für Unternehmensrechnung und Controlling der Universität Bern im Herbst 2020 4'116 Pflegefachkräften aus 19 Schweizer Spitälern befragt. Die Ergebnisse wurden anschliessend mit vergleichbaren Umfragedaten aus dem Jahr 2019 verglichen. In einem Folgeprojekt wollen die Studienautoren gemäss Mitteilung nun auch die Auswirkungen der zweiten Corona-Welle auf das Pflegepersonal untersuchen.

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