Ferienbatzen gefällig?
Zweite Chance auf den Riesen-Gewinn: Wie Sie die 230 Millionen im Euromillions-Jackpot gewinnen können

Die Schweiz ist im Euromillions-Fieber: Bei der letzten Ziehung am Freitag wurde der Rekord-Jackpot nicht geknackt. Wie hoch am Dienstag Ihre Chancen auf den 230-Millionen-Gewinn stehen und weitere Antworten auf die drängendsten Fragen.

Ann-Kathrin Amstutz, André Bissegger und Samuel Thomi 4 Kommentare
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Das Lotto-Fieber steigt: Im Jackpot von Euromillions warten am Dienstag zum zweiten Mal 230 Millionen Euro auf eine glückliche Gewinnerin oder einen glücklichen Gewinner – so viel wie noch nie.

Das Lotto-Fieber steigt: Im Jackpot von Euromillions warten am Dienstag zum zweiten Mal 230 Millionen Euro auf eine glückliche Gewinnerin oder einen glücklichen Gewinner – so viel wie noch nie.

Roland Schmid

So viel Geld lag noch nie im Euromillions-Jackpot: 230 Millionen Euro. Ganze neun Ziehungen sind vergangen, ohne dass der Hauptgewinn in der europaweit durchgeführten Lotterie erzielt worden ist. Bereits bei der letzten Ziehung am Freitag hatte der Jackpot seine Obergrenze erreicht. Doch niemand hat die richtige Kombination erwischt.

Deshalb gibt es am Dienstag eine zweite Chance auf den Riesengewinn. Spätestens am 22. Juli wird der Rekordjackpot dann aber ohnehin ausgeschüttet werden – egal, ob bis dann jemand alle fünf Zahlen und die zwei Sterne richtig tippt.

Willy Mesmer von Swisslos beantwortet die drängendsten Fragen: Wie Sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, den Jackpot zu knacken. Oder was Sie sonst noch zum schwindelerregend hohen Gewinn wissen müssen.

230 Millionen Euro? Gab es nicht schon mal einen höheren Gewinn bei Euromillions?

Im Jackpot liegt die sagenhafte Summe von 230 Millionen Euro (rund 227,65 Millionen Franken). Das ist Rekord. Schweizerinnen und Schweizer dürften sich jedoch wundern: Es gab schon mal einen höheren Gewinn, nämlich rund 236,27 Millionen Franken. Damals lagen aber nur 220 Millionen Euro im Jackpot.

Schuld an der Differenz ist der Wechselkurs: Der aussergewöhnlich schwache Euro ist momentan nur gerade 99 Rappen wert. Das macht den Gewinn für potenzielle Glückspilze aus der Schweiz etwas kleiner. Aber nur ein klein bisschen.

Wie funktioniert das Euromillions-Lottospiel?

Es gibt 50 Zahlen und zwölf Sterne. Davon werden jeweils fünf Zahlen und zwei Sterne gezogen – entsprechend besteht ein Tipp aus fünf Zahlen und zwei Sternen. Mehrere Tipps sind möglich, jedoch kostet jeder Tipp 3.50 Franken. Ziel ist es, möglichst viele der Gewinnzahlen richtig zu tippen. Pro Ziehung gibt es 13 Gewinnmöglichkeiten (plus drei bei der 2. Chance, die es nur in der Schweiz gibt). Wenn alle Zahlen und Sterne stimmen, knackt man den Jackpot.

Die Ziehungen finden zweimal wöchentlich am Dienstag- und am Freitagabend in Paris statt. Neben der Schweiz sind Grossbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Irland, Belgien, Österreich und Luxemburg an Euromillions beteiligt.

Wie kann ich auch spielen?

Eine Teilnahme ist online oder an einer der rund 4000 Swisslos-Verkaufsstellen (etwa an Kiosken) möglich. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Die nächste Ziehung ist am Dienstag. Bis um 19.30 Uhr können noch Scheine abgegeben werden.

Welche Zahlen werden besonders oft gezogen?

Euromillions gibt es seit 2004 in der Schweiz. Seither waren die Zahlen 19 und 23 am erfolgreichsten: Sie wurden beide 174 Mal gezogen. Auf dem dritten Rang folgt die 50 mit 172 Ziehungen. Weniger erfolgreich waren die Zahlen 33 und 22 mit je 128 Ziehungen, die 46 und die 18 (je 131 Ziehungen).

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit auf den Hauptgewinn?

Tatsächlich verschwindend klein, nämlich 1 zu rund 140 Millionen. Die entsprechende Formel geht so: 50 x 49 x 48 x 47 x 46 geteilt durch 1 x 2 x 3 x 4 x 5 (für die Zahlen) und dies multipliziert mit 12 x 11 geteilt durch 1 x 2 (für die Sterne). Wie Willy Mesmer von Swisslos erläutert, bleibt die Gewinnchance auf die Jackpot-Kombination für eine Einzelperson gleich – egal, wie viele Personen sonst noch mitspielen.

Jedoch steigt bei einer grösseren Beteiligung die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand den Jackpot knackt. Denn: «Je mehr Leute mitmachen, desto grösser ist die Anzahl an Kombinationen, die im Spiel sind», sagt Mesmer. Es wird also wahrscheinlicher, dass jemand die Gewinnkombination trifft.

Gibt es einen Tipp, wie ich die Wahrscheinlichkeit steigern kann?

Steigern kann man die Wahrscheinlichkeit natürlich, indem man eine grössere Zahl an Tipps abgibt. Damit wird das Lottospiel jedoch auch beträchtlich teurer. Ansonsten hat Willy Mesmer vor allem einen Ratschlag: «Keine Kombinationen wählen, die viele andere Leute auch spielen.» Dann erhöht sich zwar nicht die Gewinnchance. Aber wenn man gewinnen würde, müsste man das Geld nicht «mit ganz vielen anderen teilen», so Mesmer.

Überdurchschnittlich oft werden alte Gewinnkombinationen gewählt: Bei der Ziehung vor einer Woche kam 140 Mal die Kombination vor, die am Freitag zuvor gezogen wurde. Und ganze 136 Male wurde die Kombi des Schweizer Rekordgewinns aufgeschrieben. «Bei Swisslotto-Ziehungen sind Muster hoch im Kurs», so Willy Mesmer: Waagrechte oder senkrechte Linien, Zahlenreihen und so weiter. Bei Euromillions sei das aber seltener, weil die Tippfelder anders angeordnet sind.

Was muss ich tun (und was darf ich auf keinen Fall tun), wenn ich tatsächlich den Jackpot knacke?

«Ganz gut auf die Quittung aufpassen», ist Willy Mesmers erster und wichtigster Tipp. Denn: «Die Person, welche die Quittung bringt, ist für uns der Gewinner.» Zudem solle man «dem Chef nicht gleich am nächsten Tag die Kündigung auf den Tisch knallen». Mesmer rät, zuerst zu kontrollieren, ob die Gewinnzahlen wirklich stimmen.

Und wenn es denn wirklich so ist, rät Mesmer, den Kreis der Eingeweihten vorerst möglichst klein zu halten. Danach sollte man die Entscheidungen nicht überstürzen: «Es braucht einen Plan, wie es mit dem Geld und dem eigenen Leben weitergehen soll.»

Wie viele Scheine wurden bei der letzten Ziehung in der Schweiz gespielt?

Im Swisslos-Einzugsgebiet wurden am Freitag mehr als 650’000 Scheine mit über 2,5 Millionen Tipps eingelöst (Deutschschweiz, Tessin und Liechtenstein; die Welschen spielen bei Loterie Romande). In der Westschweiz gab es sogar einen Treffer im zweiten Gewinnrang, der jemandem laut Swisslos immerhin einen Gewinn von 2’171’745.60 Franken bescherte.

Gehöre ich mit dem Jackpot schon auf die Liste der 300 reichsten Menschen in der Schweiz?

Ja! Im vergangenen Jahr landete man ab einem Mindestvermögen von 100 Millionen Franken im Ranking der «Bilanz» zu den 300 reichsten Schweizer. Das haben damals elf Personen neu geschafft – darunter Roche-Chef Severin Schwan (100 bis 150 Millionen). Für ganz an die Spitze fehlt jedoch das nötige Kleingeld: 2021 besassen die Ikea-Brüder Jonas, Peter und Mathias Kamprad 56 Milliarden Franken.

Was macht die Faszination am Lottospiel aus?

«Der Reiz ist wohl, dass man mit sehr wenig Einsatz einen Haufen Geld verdienen kann», erklärt Willy Mesmer. Die meisten Leute würden spielen, weil sie auf den Hauptgewinn hoffen – «auch wenn das nicht alle zugeben möchten». Gerade bei Euromillions, wo es insgesamt 13 Gewinnmöglichkeiten gibt, sei die Chance aber auch gross, einen Teil des Einsatzes zurückzubekommen.

Gibt es einen Typ Mensch, der eher zum Lottospiel neigt?

«Wir haben zur Stunde keine Forschungsarbeit zur Hand, die sich genau dieser Frage gewidmet hätte», sagt Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz. Als niederschwelliges Glücksspiel müsse man dafür nicht in ein Casino. Und Lotto werde oft auch nicht als Geldspiel gesehen. Online-Lotterien und Rubbellose sind unter Spielenden in der Schweiz jedoch mit 85 Prozent am meisten verbreitet (gefolgt von Sportwetten mit 16 Prozent und Casinospielen, Poker sowie Finanz- und eSport-Wetten.) «Ein besonders hohes Risikoverhalten zeigt sich bei Sportwetten und Casinospielen», so die Sucht-Schweiz-Sprecherin.

Wie viele Menschen in der Schweiz spielen Lotto?

Die Hälfte der Bevölkerung spielt regelmässig um Geld, im Welschland sogar noch leicht häufiger als in der Deutschschweiz. Das zeigt eine repräsentative Umfrage aus dem vergangenen Jahr von Moneyland. Lotto und Glückslose sind dabei am beliebtesten. Demnach gab ein Drittel an, regelmässig Lotto zu spielen – also wöchentlich bis mehrmals pro Jahr. Männer würden dabei «merklich eher» mit Geld spielen als Frauen. Von den Frauen gab lediglich jede Vierte an, dass sie regelmässig Lottoscheine beziehungsweise Glückslose kauft.

Auch spannend: Gemäss Moneyland spielen Personen öfter, wenn sie viel Geld besitzen. Wer zwischen 500'000 und einer Million Franken hat, gab besonders oft an, regelmässig um Geld zu spielen – vor allem Lotto, weniger Lose. Zudem lassen sie sich auch eher auf riskante Spekulationen an der Börse ein.

Welchen Einfluss hat die Gewinn-Summe auf eine mögliche Sucht?

Obwohl Lotterien laut der Präventionsorganisation Sucht Schweiz «ein eher moderates Suchtrisiko» aufweisen, gibt es laut Monique Portner-Helfer Fälle von lottosüchtigen Spielern und Spielerinnen. «Problematisch Spielende spielen aber häufig auch mehrere Glücksspiele», so die Sprecherin. In diesem Fall werde Lotto häufig mit der Hoffnung gespielt, die Spielschulden durch einen möglichst hohen Gewinn wieder los zu werden. Sprich: «Ein hoher Jackpot erhöht die Suchtgefahr», so Monique Portner-Helfer.

Wie hat sich das Lotto-Spielverhalten während der Corona-Pandemie verändert?

Laut Willy Mesmer nahmen in der Schweiz tendenziell mehr Personen an den Verlosungen teil. «Die Leute hatten wohl mehr Geld fürs Spielen übrig, da sie es nicht für andere Veranstaltungen oder Ferien ausgeben konnten», vermutet Mesmer. Bei Euromillions sei der Jackpot tiefer gewesen, da man in Spanien während des ersten Lockdowns nicht einmal online am Lotto teilnehmen durfte. Hierzulande habe es jedoch nie Einschränkungen gegeben, so Mesmer.

Sind Sie spielsüchtig? – Hier gibt es Hilfe

Zu den Faktoren, die eine Glücksspielproblematik begünstigen, zählen laut der Präventionsorganisation Sucht Schweiz ...

- die Hoffnung auf den grossen Gewinn
- Fastgewinne, welche zum Weiterspielen motivieren
- oder der Glaube, mit Glücksspiel den Lebensunterhalt verdienen zu können.

Laut der Website von SOS Spielsucht ist es darum wichtig, sein Spielverhalten und die Gründe für das Spielen immer wieder kritisch zu hinterfragen. Dabei können auch Selbsttests wie die Beantwortung folgender Fragen helfen:

1. Frage: Haben Sie beim Spielen das Bedürfnis verspürt, immer mehr Geld einzusetzen?
2. Frage: Haben Sie gegenüber Menschen, die Ihnen wichtig sind oder waren, über das Ausmass Ihres Spielens gelogen?

Wenn eine oder beide Fragen mit Ja beantwortet werden, dann kann laut Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz eine Glücksspielproblematik vorliegen. Die nationale Organisation zur Suchtprävention sowie weitere Organisationen können Betroffenen weiterhelfen. (sat)

4 Kommentare
Alex Schneider

Da kämpfen wir politisch für eine gerechtere Einkommensverteilung. Dann bejubeln wir die Lotto-König:innen. Wir sollten die meist unbedarfte Bevölkerung, welche Lotto spielt, aufklären, wie gering die Chancen für einen solchen Gewinn sind. Denken wir doch vor allem an die vielen Millionen enttäuschte Menschen, die die Ziehung der Lottozahlen jede Woche verfolgen und immer wieder nichts oder fast nichts gewonnen haben. Sie fühlen sich einmal mehr als Verlierer:innen.

Peter Lieberherr

Tönt etwas überheblich: "die meist unbedarfte Bevölkerung, welche Lotto spielt". Dabei gehört der "unbedarfte Kämpfer für eine gerechtere Einkommensverteilung" ja zu den grössten Gewinner:innen (oder schreibt man Gewinner*innen?). Sein Umverteilungsstaat nimmt vom Lottoeinsatz (der in der Regel ja auch schon mal versteuert wurde) und er nimmt vom Spielgewinn, er nimmt vorher und nachher und immer, er nimmt vom Lotto-Spieler und er nimmt von der Lotto-Gesellschaft. Von den 230 Mio Franken gehen zuerst mal 35 % Verrechnungssteuer ab = rund 80 Mio Franken an den Staat, dem Gewinner verbleiben somit "nur" 150 Milliönchen. Das reicht ja nicht einmal für eine der beschlagnahmten russischen Oligarchen-Yachten.