Flüchtlinge
Zehn Jahre Krieg in Syrien: Caritas will, dass die Schweiz mehr tut

Von den 20'000 Syrien-Flüchtlingen in der Schweiz gelten nur 8500 als vorläufig aufgenomme». Caritas fordert nun, dass die Schweiz sie als Flüchtlinge anerkennt und mehr Syrer aufnimmt.

Peter Walthard, Dario Pollice
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Nur die Hälfte wurde als Flüchtlinge anerkannt: Syrer bei der Ankunft in der Schweiz.

Nur die Hälfte wurde als Flüchtlinge anerkannt: Syrer bei der Ankunft in der Schweiz.

Urs Bucher

Zehn Jahre nach Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges sei es an der Zeit, die 8500 vorläufig aufgenommenen Syrer als Flüchtlinge anzuerkennen, schreibt Caritas Schweiz in einer am Mittwoch veröffentlichten Medienmitteilung. «Mit diesem vorläufigen Status ist es schwieriger eine Arbeit zu finden und eine Wohnung zu erhalten», wie Marianne Hochuli, Leiterin Bereich Grundlagen und Fachstelle Migrationspolitik an einer Online-Medienkonferenz sagt.

Dagegen würde der offizielle Flüchtlingsstatus nicht nur die Aussicht auf eine Arbeit und Wohnung verbessern, sondern auch den Familiennachzug erleichtern. Um auseinandergerissene Familien in der Schweiz zu vereinigen, solle der Bundesrat ausserdem humanitäre Visa ausgeben.

Mehr Geld für Hilfsprogramme

Weiter solle sich die Schweiz stärker am Umsiedlungsprogramm der Vereinten Nationen beteiligen und Flüchtlinge aus den Nachbarländern Syriens in der Schweiz ansiedeln. Die Flüchtlinge müssten «von Beginn weg eng begleitet» werden, um sie zu integrieren, schreibt Caritas in einer Medienmitteilung. Ausserdem müsse die Schweiz mehr Geld in Hilfsprogramme für Flüchtlinge in Syrien, Libanon und Jordanien ausgeben.

Im Vordergrund stehe hier die Bildung der Kinder und Jugendlichen. So werden etwa Lehrer darauf vorbereitet, Kurse für Flüchtlingskinder zu geben, wie Petra Winiger Operative Leiterin Internationale Zusammenarbeit und Katastrophenhilfe bei Caritas erklärt. Zusätzlich gelte es die psychosoziale Betreuung der Kinder sicherzustellen: «Viele Kinder haben traumatische Erlebnisse hinter sich, das hat auch Auswirkungen auf ihre Lernfähigkeit», so Winiger.

Rund eine Million syrische Flüchtlinge leben in Europa

«Die syrische Bevölkerung benötigt von der Schweiz weiterhin dringende Unterstützung», wird Caritas-Präsident Peter Marbet in der Mitteilung zitiert. «Auch wenn die Situation ausweglos erscheint und sich das Assad-Regime wohl noch lange an der Macht halten wird, darf die Schweiz die Hände nicht in den Schoss legen, sondern muss aktiv Unterstützung anbieten.»

Insgesamt leben heute rund eine Million Flüchtlinge aus Syrien in Europa, 20'000 alleine in der Schweiz. Davon sind jedoch nur 11'285 anerkannte Flüchtlinge, die restlichen Syrer gelten als vorläufig aufgenommen. Am meisten syrische Flüchtlinge beherbergen die Türkei (3,6 Millionen), der Libanon (eine Million) und Jordanien (700'000).