Fahrzeugmarkt
Schweizer Autos stossen weniger CO2 aus – über 130 Millionen Franken Busse für Importeure

Weniger Treibstoff und kleinerer CO2-Ausstoss: Die Autos, die neu auf Schweizer Strassen verkehren, werden umweltfreundlicher. Allerdings nicht genug: Die Importeure müssen eine Busse von über 130 Millionen Franken bezahlen.

André Bissegger
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Die in der Schweiz neu zugelassenen Autos stossen weniger CO2 aus und verbrauchen weniger Benzin. Die Zielwerte verfehlen sie dennoch. (Symbolbild)

Die in der Schweiz neu zugelassenen Autos stossen weniger CO2 aus und verbrauchen weniger Benzin. Die Zielwerte verfehlen sie dennoch. (Symbolbild)

Keystone

Seit Anfang 2020 gilt für neue Personenwagen in der Schweiz ein CO2-Zielwert von 95 Gramm pro Kilometer. Davon sind die Neuwagen noch weit entfernt, obwohl die Emissionen im vergangenen Jahr mit durchschnittlich rund 123,6 Gramm CO2/km deutlich zurückgegangen sind, wie das Bundesamt für Energie (BFE) am Freitag mitteilte. 2019 lagen sie noch bei 138,1 Gramm CO2/km.

Die CO2-Emissionen der neu zugelassenen Lieferwagen und leichten Sattelschleppern ging auf 176,4 Gramm CO2/km zurück (2019: 181,5 Gramm) – der Ausstoss lag aber ebenfalls noch über dem Zielwert von 147 Gramm CO2/km. Das hat Konsequenzen für die Importeure, die für die Zielverfehlung eine Busse bezahlen müssen. Sie liegt für Auto-Importeure bei rund 132,5 Millionen Franken (Vorjahr: 78,1 Millionen), für Lieferwagen und Sattelschlepper müssen 15,7 Millionen Franken bezahlt werden, wie es weiter heisst. Das Geld fliesst in den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF).

Auch der durchschnittliche Treibstoffverbrauch ging im vergangenen Jahr deutlich zurück: Er sank bei den neu zugelassenen Personenwagen um 7,1 Prozent auf 5,74 Liter Benzinäquivalent pro 100 Kilometer. Grund dafür ist gemäss BFE der gestiegene Anteil der elektrischen Fahrzeuge, die zwar auch Energie verbrauchen, aber kein CO2 ausstossen. «Der Trend in Richtung elektrische Fahrzeuge bleibt bestimmend für die Effizienzentwicklung der gesamten Flotte», heisst es. Das bestätigt ein Blick auf die Verbrennerfahrzeuge, deren Verbräuche auch zurückgingen, jedoch viel weniger stark als in der Gesamtflotte.

Ebenfalls nahm der Anteil der Allradfahrzeuge erstmals seit 2008 wieder leicht ab. Er beträgt neu 49,8 Prozent. Dafür stieg das durchschnittliche Leergewicht der neuen PW von 1,706 Tonnen auf 1,738 an. Ein Grund dafür sei, dass die Marktanteile der relativ schweren elektrischen Fahrzeuge zunehmen würde.

Gespaltene Reaktionen

Die Vereinigung der Automobil-Importeure zeigt sich zufrieden. Diese Zahlen würden aus ihrer Sicht den Erfolg der Bemühungen der Automobilbranche belegen, schreibt Auto Schweiz ein einer Mitteilung. Um das Wachstum der Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos weiter voranzutreiben, müsse die Politik entsprechende Rahmenbedingungen schaffen – beispielsweise beim Thema Lade- und Tankinfrastruktur. «Der Bund ist jetzt in der Pflicht, deutlich mehr zu tun als die geringe Förderung, die im abgelehnten CO2-Gesetz vorgesehen war», wird Mediensprecher Christoph Wolnik zitiert. «Nur so können wir die Elektromobilität gemeinsam in die gesamte Breite des Marktes tragen.»

Weniger zufrieden ist dagegen der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). Trotz des übermässigen CO2-Ausstosses müsse die Branche nur geringe Sanktionen bezahlen, teilte er mit. Pro verkauftem Fahrzeug würden sich die Bussen auf gerade einmal 556 Franken belaufen – «bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von mehreren Zehntausend Franken ist das ein vernachlässigbarer Betrag». Der VCS ruft daher die Autobranche auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und rasch aus dem Verkauf fossil betriebener Fahrzeuge auszusteigen.

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