Diplomatie
Ex-Bundesrat Burkhalter zur Ukraine: «Wichtig, der Welt ins Auge zu sehen»

Als die Ukraine-Krise mit der Annexion der Krim 2014 zu lodern begann, war Didier Burkhalter als OSZE-Vorsitzender mitten im Auge des Sturms. Nun äussert er sich zum ausgebrochenen Krieg.

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Ex-Bundesrat Didier Burkhalter traf in seiner Rolle als OSZE-Vorsitzender 2014 auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Ex-Bundesrat Didier Burkhalter traf in seiner Rolle als OSZE-Vorsitzender 2014 auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Keystone

Während es von Russland- und Ukraine-Expertinnen und -Experten nur so wimmelt, war es um einen, der tatsächlich einer ist, bislang seltsam still: Didier Burkhalter. Der ehemalige Bundesrat übernahm 2014 den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). In diesem Jahr annektierte Russland die ukrainische Halbinsel Krim. Der damalige Schweizer Aussenminister positionierte sich als Vermittler zwischen den Fronten und bereiste die Region mehrfach. Nun hat er dem «Blick» per Mail Auskunft gegeben. Allerdings hütet sich Burkhalter – noch immer ganz Diplomat – von klaren Aussagen.

«Aus meiner Sicht sollte das strategische Ziel klar die Friedensförderung sein: die Guten Dienste. Alle Mittel sollten jetzt dafür voll genutzt und sicher nicht abgeschwächt werden», so Burkhalter. Es sei «sicher gut, unsere Werte und die Demokratie im Besonderen zu verteidigen. Es ist aber auch wichtig, der Welt ins Auge zu sehen, mit all ihren Akteuren und nicht nur mit denen, die uns am besten passen oder uns am ähnlichsten sind», führt er weiter aus.

Krise täglich versucht einzudämmen

Der Welt ins Auge zu schauen sei wichtig, «um die Demokratie nicht in eine Art westliche Zitadelle zu verbannen», argumentiert Burkhalter gegenüber dem «Blick». Dies «um als Schweiz weiterhin Brücken zwischen den tiefen Unterschieden zu bauen, die in unserer Welt existieren – und noch lange existieren werden, sofern diese Welt selbst weiter existiert.»

Er habe auch als OSZE-Vorsitzender immer darauf hin gearbeitet, «um die Krise in der Ukraine jeden Tag einzudämmen, damit sie nicht den europäischen Kontinent in Brand setzt», lobt sich der Neuenburger FDPler selber. Diplomatie könne alle ihre ihre konstruktiven und deeskalierenden Wirkungen ausspielen, «wenn sie sich in zunächst unauffälligem Handeln und in bescheidenen, nur in der Sache notwendigen öffentlichen Auftritten entfaltet.»Das wiederum erklärt sein Stillsein. (mg)