Pandemie
Zertifikatsbetrug: St.Galler Behörden verhaften zehn Personen

In St.Gallen sind die Behörden im Dezember Zertifikatsbetrügern auf die Schliche gekommen. Nun hat die Staatsanwaltschaft zehn Personen verhaftet. Sie sollen über 9000 Zertifikate illegal hergestellt haben.

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Die St.Galler Staatsanwaltschaft vermeldet zehn Verhaftungen im Zusammenhang mit illegal hergestellten Corona-Zertifikaten.

Die St.Galler Staatsanwaltschaft vermeldet zehn Verhaftungen im Zusammenhang mit illegal hergestellten Corona-Zertifikaten.

Bild: Severin Bigler

Ihre Masche funktionierte lange gut: Die Betrüger kamen online an echte Zertifikate heran, kopierten diese und fälschten sie. CH Media berichtete gross über den schweizweit bislang grössten Betrugsfall. Nun vermelden die St.Galler Kantonsbehörden erste Ermittlungserfolge. Nach umfangreichen Untersuchungen konnte sie zehn Personen, die in den Betrug involviert waren, festnehmen. Ihnen wird Urkundenfälschung vorgeworfen.

Bei den Verdächtigen handelt es sich um vier Schweizer, drei Serben, ein Iraker, eine Serbin und eine Kroatin, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Sie sind alle zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sieben Personen befinden sich in Untersuchungshaft. Die Behörden haben mehr als ein Dutzend Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Bis 800 Franken für Zertifikate

Bei einzelnen beschuldigten Personen handelt es sich gemäss Mitteilung um Mitarbeitende verschiedener Testcenter. Konkret sollen sie gegen entsprechende Bezahlung anderen Beschuldigten Zugang zu ihren Accounts gewährt haben, damit missbräuchlich Zertifikate erstellt werden konnten. Die Strafverfolgungsbehörden haben Kenntnis von über 9’000 illegal ausgestellten Zertifikaten. Darunter sind rund 8’000 Impfzertifikate, beim Rest handelt es sich um Genesenen- und vereinzelte Testzertifikate. Die Zertifikate wurden für 300 bis 800 Franken angeboten.

Aus Sicht der St.Galler Behörden wurde dieser Betrug auch ermöglicht, weil die Erstellung der Zertifikate eine Schwachstelle hat. Die Kritik richtet sich vor allem an den Bund. So werden die Zertifikate in der Regel zwar automatisch über eine Webapplikation des Bundesamtes für Informatik (BIT) erstellt. Allerdings ist dies auch manuell möglich. Die Folge: Wer Zugang zu diesem System hat, kann verschiedene Zertifikatstypen ausstellen. So haben auch Personen in Testzentren die Möglichkeit, ein Impfzertifikat auszustellen, obwohl sie gar keine Impfungen verabreichen. Mittlerweile hat der Bund aber Anpassungen versprochen. (rwa)

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